Kabarettistin Lange schießt sich auf die Männer ein

Weeze : Kabarettistin Lange schießt sich auf die Männer ein

Alles perfekt: In der Kirche wartet der Pfarrer, die Gäste sind geladen, das Fest bestellt. Da findet Steffi, die bereits im glitzernd weißen Brautkleid steckt, einen Zettel, auf dem die drei Worte „Ich kann nicht“ stehen.

Zwischen Heulen, Wut und Verzweiflung holt sie zum Rundumschlag auf alle Männer aus. „Verliebt, verlobt, verschwunden“ war eine One-Woman-Show in der „Alten Schmiede“ Weeze.

Der Verein „denk mal Kultur“ hatte die Schauspielerin Kirsten Annika Lange zu Gast, die mit dem Solo-Stück das Publikum auf eine kurzweilige und lustige Tirade auf Männer, Beziehung und Ehe mitnahm. Die sitzen gelassene Braut flüchtete sich als erstes in das Baumhaus ihrer Kindheit, wo die „Zeit still steht“ und sie das Brautkleid mit ihrem alten Prinzessinnenkleid tauscht. Sie schwelgte in der heilen Welt ihrer Jugend: „Früher war alles besser, die Bäume höher, die Straßen breiter und die Männer gescheiter“. Die Handpuppen, mit denen sie als Mädchen spielte, ließ sie ihr eigenes Leben erzählen: Die erste Ehe scheiterte, aber als Mutter war sie glücklich, die Schwiegermutter eine Hexe, und der vermeintliche Prinz ein Muttersöhnchen.

Vor diesem und anderen Männermodellen warnte Steffi das Publikum eindringlich und mit vielen witzigen Beispielen. Sie schnappte sich einen Besen und tanzte Tango mit einem imaginären George Clooney. Mit viel Humor berichtete sie von Missverständnissen mit Männern, das Publikum in der fast voll besetzten Schmiede war spürbar begeistert, denn mit Witz und einem Lachen lassen sich bekanntlich die meisten Beziehungsprobleme am besten ertragen. Sie gab hilfreiche Tipps für einen „wunderschönen“ Heiratsantrag und warnte vor Männern mit „Standardsprüchen“ und solchen mit der „Geldklammer“. Professionell trug Kirsten Annika Lange das etwa 90-minütige Solo-Stück vor. Sprachlich war es mal in klassischen Versen, als moderner Rap oder poetisch romantisch gestaltet.

Neben dem Theaterspielen produziert und inszeniert die Schauspielerin selbst, spielte an verschiedenen Häusern und hat Erfahrung mit experimentellem Theater. Kommunikation, immer wiederkehrendes Stichwort beim Thema Liebe, brachte die Wende von „Verliebt, verlobt, verschwunden“. Wie sich herausstellte, gehörte zu dem Satz auf dem Zettel noch ein zweiter Teil: „Ich kann nicht mehr ohne dich leben“, sollte es heißen, nur der Stift hatte versagt. Kommunikationsfehler aufgedeckt, und schon kann geheiratet werden. „Wir haben heute Abend viel gelernt“, sagte Hildegard Hönnekes von „denk mal Kultur“ zum Schluss. Lang anhaltender Applaus bestätigte dies.

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