Kabarettist Matthias Reuter in Geldern

Kabarett in Geldern : Warum sind Marzipankartoffeln so traurig?

Kabarettist Matthias Reuter illustrierte den alljährlichen Weihnachtswahnsinn bei seinem Programm in der Tonhalle.

Um den festlichen Monat gleich mit etwas Humor zu starten, hatte der Kunstverein Gelderland am Sonntagabend in die Tonhalle der Kreismusikschule eingeladen. Denn es war die passende Zeit, um sich über Streitereien bei der Kleiderwahl und prügelnde Weihnachtsmänner zu unterhalten.

Kabarettist Matthias Reuter brachte einen ganzen Geschenke-Sack voller Pointen, damit den Zuschauern beim „Glühwein Special“ warm ums Herz wurde. Ob nun mit dem Klavier oder der Gitarre: Bei all dem gab es viel Musik, besonders Reuters Keyboard sorgte mit Klängen von der E-Gitarre bis hin zum Orgelspiel für einige Lacher, da der Oberhausener die akustischen Elemente konsequent in seine Geschichten einarbeitete. Wenn er also von einem Moment erzählte, in dem er als Zivi-Organist einen Beerdigungsgottesdienst torpedierte, wurde man nicht nur durch Reuters lebendige Erzählweise, sondern auch seine Musik effektiv in die Szenerie hineingezogen.

Eine der besten Leistungen des Abends war die lockere Atmosphäre, die der Comedian schuf. Alles wirkte familiär und richtig gehend gemütlich. Denn wenn Matthias Reuter davon erzählte, wie anstrengend das Liedersingen in seiner Familie ist, oder wie sich eine Familie darüber streitet, wer nun die nervigsten Verwandten zur Weihnachtsfeier einladen muss, konnten die Gäste auch mal befreit über Momente lachen, die sonst im eigenen Alltag zu heimischen Krisensituationen geführt hätten.

„Das war echt eine gelungene Veranstaltung. Manche Sachen regen richtig zum Nachdenken an“, lobte Besucherin Corinna Bender und ihr Sohn Mark fügte hinzu: „Der persönliche Bezug der Geschichten ist gut gemacht.“ Die beiden waren zum ersten Mal bei einer Veranstaltung des Kunstvereins und freuten sich darüber, „wie schön der Abend war. Das Ganze war wirklich angenehm.“ Generell wollte auch Matthias Reuter den Abend eher nett und locker halten: „Es gibt bei diesem Programm keine biestigen Nummern, es ist ja Weihnachten. Für etwas richtig Böses bin ich auch einfach nicht der richtige Typ.“ Statt deftige Scherze loszulassen, verriet er lieber, dass er ein Patenhuhn im Oberhausener Kaisergarten hat: Alfred, den Brahma-Hahn!

Es gab nur einen kurzen Schlenker über die Politik, ansonsten standen depressive Marzipankartoffeln und ständig klingelnde WhatsApp-Gruppen besorgter Eltern im Mittelpunkt seiner Erzählungen. Bei einem besonders gelungenen musikalischen Moment, texte er zudem ein Medley aus Weihnachtssongs als Kommentar auf ein Fußballspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden um.

Wer von Matthias Reuter nicht genug bekommen konnte, der hat am 15. März noch einmal die Chance ihn zu hören. Denn dann tritt er mit seinen Kollegen von „Nachgewürzt“ bei der großen Kabarettshow zum 30. Jubiläum des Kunstvereins Gelderland erneut in der Tonhalle auf.