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Kabarettist Jürgen Becker feiert Vorpremiere in Kevelaer

Jürgen Becker testet Gags in Kevelaer

Gelungene Vorpremiere des neuen Programms „Die Ursache liegt in der Zukunft“.

„Ein Kölsch auf die Zukunft“ prostete Jürgen Becker durch Weihrauchschwaden, noch im lila Talar, dem Publikum mit Bier aus der Domstadt zu. Der zweite Termin seiner Vorpremiere, in der Becker auf die Reaktion seines zweistündigen Programms „Die Ursache liegt in der Zukunft“ achtete, lag hinter ihm. Saßen die Pointen, waren hintergründige Passagen spitz genug formuliert oder kamen nicht so rüber wie erwartet?

Über ein Jahr feilten Jürgen Becker und Co-Autor Dietmar Jacobs aus Mönchengladbach am Inhalt. Ursachenforschung hinsichtlich der Zukunftsfrage betrieb das Autorenduo unter anderem bei Themen wie Kapitalismus, Datenschutz, dem Gesundheitssystem, Religion, Kaufverhalten, Umweltschutz. Über alles spannte der Kabarettist immer wieder einen Bogen vom Geschichtlichen bis in aktuelles Polit-Geschehen. So hatte er beispielsweise gute Argumente, das vielzitierte das Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre nicht mehr ganz so rosig zu sehen.

Wie sieht denn die Welt in zehn Jahren aus? „Alles gerät ins Wanken. Politik von CDU und SPD ist wie die Lindenstraße. Wenn man mal eine Sendung länger verpasst kommt man wieder rein“, so Becker in seiner Einschätzung und die Volksparteien verlieren den Kontakt zu den Wählern. Hinzu kämen die Grünen und AfD wie „Fachgeschäfte“. Kapitalismus finde sich heute in jeder Ritze.

Früher ging man in den Sportverein, heute zahle man für Fitnesscenter, Pilates und Ajour Veda. Und man stelle sich Adam mal beim Partnervermittler „Parship“ vor. Im Gesundheitssystem laufe etwa gehörig schief mit der Gewinn-Orientierung, siehe zweifelhafte „Käse-Igel-Leistungen“, der Bauchladen des Arztes.

„Ich werde ja auch immer älter. Alles kann ich noch nicht auswendig“, räumt der 60-Jährige in der Pause im Gespräch mit der RP ein, dass er zum Einstieg immer noch mit Handzetteln arbeite. Bekanntlich hege er lange eine Affinität zu Kevelaer durch Bruno Schmitz, Leiter des Kulturbüros und ehemaliger Kollege aus dem Stunk-Ensemble.

Wie sich die Themen ergeben? „Ich sehe es wie ein Schachspiel mit Winkelzügen zu den Pointen“, erklärt Becker. Seit 1991 sei er mit diversen Soloprogrammen auf Tour. Kabarett mache ihm Spaß gemeinsam und im kleinen Saal mit direktem Kontakt zum Publikum. So trumpfte Becker nach der Pause auf mit einem Experiment über das Teilen von Geld und er hinterfragte, ob ewiges Wirtschaftswachstum ohne Raubbau unseres Planeten noch zu verantworten sei. „Verzicht ist der neue Luxus“, verdeutlichte er die Schizophrenie von Trends, etwa den Used-Look bei Kleidungsstücken, von denen im Schnitt immerhin 60 Teile pro Person jährlich konsumiert werden.

Für Maria Reinders und Freundin Marlies van der Ven aus Bedburg-Hau war der Kabarett- Abend mal wieder ein Erfolg. Ihr Eindruck: „Er bringt aktuelle Themen humorvoll und schon auch sarkastisch verpackt rüber. Aber man hat trotzdem nicht das Gefühl vorgeführt zu werden