Jules Vernes „80 Tage“ witzig und turbulent als Theaterstück

Kevelaer: Jules Vernes „80 Tage“ witzig und turbulent

Das Landestheater Detmold gastierte im Kevelaerer Konzert- und Bühnenhaus mit dem Literaturklassiker. Das Ensemble präsentierte eine moderne, turbulente Bühnenfassung mit viel Musik und Tanzeinlagen.

Als Jules Verne seinen Roman „In 80 Tagen um die Welt“ schrieb, war eine Weltreise noch ein großes Abenteuer. Das war 1873, seither ist die turbulente und witzige Geschichte der beiden ungleichen Reisegefährten Phileas Fogg und Jean Passepartout, vielfach gelesen, übersetzt, verfilmt und auf Bühnen gespielt, zu einem zeitlosen Klassiker avanciert. Eine moderne Bühnenfassung mit viel Musik war jetzt im Konzert- und Bühnenhaus in Kevelaer zu sehen. Die Inszenierung durch Ingo Putz vom Landestheater Detmold hielt sich fast vollständig an die Romanvorlage und setzte die Reise um die Welt mit nur einem einzigen Bühnenbild um. Ein überdimensionales Regal diente mal als Zug, als großes Passagierschiff oder als Dschunke im Sturm auf dem Indischen Ozean.

Wechselnde Beleuchtung, Nebelschwaden und Schneestürme aus der Windmaschine zauberten schöne Illusionen, die Zuschauer im fast voll besetzten Bühnenhaus „reisten“ mit. Henning Bormann verkörperte Phileas Fogg, den britischen Gentleman, der Pünktlichkeit und das Whist-Spiel im „Club“ über alles schätzt. Die Wette, in 80 Tagen einmal um die Welt zu reisen, geht er sportlich an.

Sein Diener Passepartout, gespielt von Hartmut Jonas, ist das genaue Gegenteil seines Herrn: temperamentvoll, naiv, emotional und stets aufgelegt zu amourösen Abenteuern. Mehrmals gerät er in Gefahr, immer wieder sind seine Szenen voll unterhaltsamer Turbulenzen.

Auch übernahm er die Rolle des Erzählers, kommentierte die Szenen und sprach das Publikum direkt an. Laufend wird Passepartout traktiert von Detektiv Fix (Heiner Junghans), der glaubt, Fogg habe eine Bank überfallen, ihn deshalb während der ganzen Reise verfolgt und doch nicht zu fassen bekommt. In Indien erleben die Reisenden die Vorbereitungen zu dem Brauch, die Witwe eines Verstorbenen mit zu verbrennen. Mrs. Aouda, dargestellt durch Jorida Sorra, wird in einer dramatischen Rettungsaktion, in der Passepartout sich als plötzlich wieder auferstandener Ehemann ausgibt, vor dem Feuertod bewahrt. Phileas Fogg, der angeblich nur „Regung“ zeigt „wenn Zeit dazu ist“, erweist sich allzeit als Gentleman und tut alles, um Mrs. Aouda zu helfen. Schließlich nimmt er sie mit auf die Reise.

Auch dem chaotischen Passepartout steht er bei und rettet ihn aus allen Verwicklungen. Erst als er bei seiner Ankunft in London glaubt zu spät zu sein, verliert er erstmalig die Nerven. Der treue Passepartout aber findet heraus, dass die Zeitverschiebung ihnen zu Gute kam. Fogg ist auf die Sekunde pünktlich in seinem Club. Im Unterschied zur Romanvorlage verliebt sich nicht Phileas, sondern Passepartout in die schöne Inderin Aouda, die Englisch spricht und „europäisch“ erzogen wurde. Zwischen beiden kommt es zum Happy End, während Phileas seinen Wettsieg doch noch feiern kann. Zahlreiche Tanz- und Musikeinlagen begeisterten das Publikum, das oftmals zwischendurch applaudierte. Mit viel Situationskomik wurde die Verfolgungsjagd durch den Detektiv vom Scotland Yard umgesetzt.

Wenn auch die Kostüme das 19. Jahrhundert spiegelten, so war doch die Sprache mit modernen Akzenten durchsetzt. Die Ankunft in Amerika zum Beispiel blieb nicht ohne einen Seitenhieb auf Donald Trump, was die Zuschauer mit spontanem Applaus quittierten. Und die tanzenden Geishas in Japan trugen einen Mundschutz, wie die Bewohner der japanischen Metropolen in heutiger Zeit.

Es gab langen Beifall am Schluss und laute Bravo-Rufe für eine gelungene Weltreise auf der Kevelaerer Bühne.

Die dauerte hier allerdings keine 80 Tage, sondern nur einen unterhaltsamen Abend.

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