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Kevelaer: Jetzt geht es um den Ärztehaus-Vertrag

Kevelaer : Jetzt geht es um den Ärztehaus-Vertrag

Stadt und Investor sollen sich einig über die Konditionen des Grundstücksgeschäfts an der Hüls sein. In nicht-öffentlicher Ratssitzung stehen das geplante Ärztehaus und das Gradierwerk erneut auf der Tagesordnung.

CDU, SPD und KBV freuen sich vermutlich auf die nicht-öffentliche Ratssitzung in Kevelaer am kommenden Dienstag. Da geht es nämlich um ein Projekt, das die drei genannten Fraktionen als Motor für die Entwicklung der Hüls ansehen. Grüne und FDP jedoch lehnen es ab, das Ärztehaus und in seiner Folge den Bau eines Gradierwerks. Neu an dem Thema, das in Kevelaer seit inzwischen anderthalb Jahren kontrovers diskutiert wird, ist die Vertragsreife: Stadt und Investor sollen sich einig über die Konditionen des Grundstücksgeschäfts sein. Dem Vernehmen nach wechseln rund 840 000 Euro den Besitzer. Die Stadt will das Geld jedoch schnell wieder ausgeben und damit eine Verdunstungsanlage für Thermalwasser bauen.

Obwohl Investor Soleo schon vor langer Zeit Werbebroschüren in Arztpraxen schickte und diese hier und da durchaus öffentlich auslagen, wird das Projekt "Ärztehaus" noch immer als Geheimsache behandelt.

Hinter vorgehaltener Hand sickern immer mal wieder Informationen durch: dass zum Beispiel eine Hautarzt- und eine Augenarztpraxis ins Ärztehaus wollen, dass Allgemeinmediziner und weitere Spezialisten sich interessieren. Fachärzte gibt es in Kevelaer ja diverse - und unter Gynäkologen, Urologen, Pneumologen oder Kinderärzten mag es einige geben, die gerne neue eigene Räume beziehen würden.

Wirtschaftsförderer Hans-Josef Bruns spricht von etwa einem Dutzend Medizinern, die Interesse hätten, sechs sollen sich bereits entschieden haben. Allerdings: Die Kassenärztliche Vereinigung hat keine freie Facharztstelle. Diejenigen, die kommen, ziehen aus Kevelaer oder dem Kreis Kleve um. Möglich soll auch sein, Zweigniederlassungen einzurichten.

Ärzte, ein Optiker, eine Apotheke, vielleicht eine Physiotherapie-Praxis: Das alles soll dem Vernehmen nach auf zwei Ebenen stattfinden, darüber dürfen sich barrierefreie Wohnungen in verschiedenen Größen ausbreiten. Skeptiker argwöhnen, es könne (ähnlich wie in der Luxemburger Galerie) eine Art Altenheim entstehen. Vielleicht werde der Investor, wenn die Gewerbeflächen nicht hinreichend nachgefragt würden, auch noch in den unteren Etagen Wohnraum schaffen? "Auf keinen Fall", sagt Bruns. "Es gibt einen Bebauungsplan, Regeln und Absprachen. Ich versichere Ihnen: Die dominierenden Flächen werden der Medizin und Gesundheit gewidmet."

Der endgültige Beschluss soll im Rat am 12. März fallen, und Bruns geht davon aus, dass es danach auch eine Presseerklärung gibt. Schön wäre, wenn daraus hervorginge, bis wann der Kaufpreis bezahlt sein muss, in welchem Zeitraum der Investor bauen muss, ob und für welchen Fall es eine Rücktrittsklausel gibt oder einen Anspruch auf Rückübertragung.

Derartige juristische Fallen haben der Stadt ja schon manches Gerichtsverfahren beschert. Die Politik muss entscheiden, ob sie mit dem Bau des Gradierwerks ganz bald beginnt oder erst dann, wenn das Soleo-Geld tatsächlich da ist. Denn die Entwicklung der Hüls, so betonen die Befürworter immer wieder, braucht den "Doppelschlag" aus Ärztehaus, das eine zweistellige Investition sein soll, und Gradierwerk.

Park, Gastronomie, am liebsten noch ein Hotel mit Wellnessangeboten wären danach eine perfekte Ergänzung zur Wallfahrt. In Kevelaer soll man gesund an Körper und Seele werden.

(RP)