Kevelaer: Jeden Tag Maria loben

Kevelaer: Jeden Tag Maria loben

In der Kevelaerer Kerzenkapelle findet an jedem Tag in der Woche das Marienlob statt. Ausgerichtet wird es, bis auf sonntags, von Mitgliedern der Bruderschaft der Consolatrix Afflictorum. Sonntags hält ein Priester das Marienlob.

Wenn die schweren Türen der Kerzenkapelle sich schließen, bleibt der Lärm der Welt draußen. Pünktlich um 18 Uhr abends, beginnt Chorleiter Elmar Lehnen mit dem Orgelspiel. Vor Erich Rotthoff, Hochmeister der Bruderschaft der Consolatrix Afflictorum, hat eine kleine Schar Gläubiger Platz genommen.

"Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes" eröffnet er das Marienlob. Die Bruderschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch außerhalb der Pilgerzeit, an jedem Tag im Jahr, die Verehrung Marias hoch zu halten. "Das ist unsere Pflicht", sagt Rotthoff. "Und eine besondere Ehre", ergänzt Ernst Koppers. Er ist mit Rotthoff einer von 31 Brudermeistern, die das tägliche Marienlob vorbereiten. Sonntags findet ab 18 Uhr eine Messe in der kleinen Kerzenkapelle statt. Geleitet wird sie von einem der Geistlichen, etwa Regens (Leiter) Stefan Zekorn.

Individuelle Lesungen

Das Marienlob folgt einer festen Abfolge. Angelus, Hymnus und Psalm sind unter anderem fester Bestandteil. Die Lesung überlegen sich die praktizierenden Brudermeister. Rotthoff hat sich vom Pauluskalender inspirieren lassen. "Um wirklich zu leben, musst du heute leben. Wenn du heute nicht lebst, hast du den heutigen Tag verloren", liest er vor. "Verliere dich nicht im Gestern oder Morgen", gibt Rotthoff den Gläubigen mit auf den Weg. "Man muss sich schon aufraffen, seinen Alltag für das Marienlob zu unterbrechen", gibt Ernst Koppers zu. Die Lieder und Gebete helfen dem Gläubigen, Gott nochmal in den Mittelpunkt zu rücken. Danksagungen und Fürbitten, die vom Brudermeister verlesen werden, haben unmittelbar mit dem Alltag der Zuhörer zu tun. An diesem Abend dankt eine Frau für die Familienzusammenführung. In dem Buch, das in der Kerzenkapelle ausliegt, können Besucher ihre Anliegen niederschreiben. Während des Marienlobs werden sie vor Gott gebracht und von der anwesenden Gemeinde mit getragen.

"Besucher können auch gerne eine Viertel Stunde vor dem Marienlob auf uns zukommen oder einen Zettel an der Pforte vom Priesterhaus abgeben", nennt Rotthoff weitere Möglichkeiten, seine Wünsche zu übermitteln. Das heutige Marienlob endet mit dem Lied "Maria breit den Mantel aus".

"Die Adolf-Kolping-Straße war gut vertreten", stellt Koppers abschließend für die Zahl der Besucher fest. In der Zeit von ersten November bis Ende April haben die Straßenzüge der Stadt Kevelaer ihren festen Platz im Marienlob. "Zur Ehre der Gottesmutter wird das Gotteslob für die Nachbarschaften gehalten", erklärt Rotthoff. Der Nachbarschaftsälteste erhält 14 Tage vorher Einladungen für die Anwohner des Straßenzugs. Ab dem ersten Mai prägen eindeutig die Pilger das Straßenbild und das Marienlob in Kevelaer.

(RP)