Kevelaer: Je vier Jahre Haft für Zuhälter-Paar

Kevelaer : Je vier Jahre Haft für Zuhälter-Paar

Ein Ehepaar aus Kevelaer hat eine junge Frau in einer Wohnung zur Prostitution gezwungen.

Weil sie eine junge Frau aus Moldawien zur Prostitution gezwungen haben sollen, sind eine 29-jährige Frau und ihr 38-jähriger Mann - beide aus Rumänien - gestern am Klever Landgericht zu vierjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Die zweite Große Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Gerhard van Gemmeren sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten, die in Kevelaer leben, die junge Frau von August 2016 bis Ende 2017 in ihrer Wohnung in der Stadt festhielten. Sie hätten die Frau - teilweise unter Drohungen - zum Geschlechtsverkehr mit zahlreichen Freiern gezwungen.

Das Opfer soll neben Hausbesuchen und Schichten in einem Gocher Bordell regelmäßig Kunden im gemeinsamen Wohnhaus in Kevelaer empfangen haben. Dabei soll die Geschädigte, die im Prozess als Nebenklägerin auftrag, nicht die Möglichkeit gehabt haben, Freier oder bestimmte Dienstleistungen abzulehnen. Das Geld, das ihre Tätigkeit einbrachte, habe sie gänzlich an die Angeklagte abgeben müssen. Nur 50 bis 100 Euro wurden monatlich an den Vater der ausgebeuteten Frau nach Moldawien überwiesen.

Die heute 22-jährige Moldawierin war Mitte des Jahres 2016 nach Deutschland gekommen, hatte zunächst in einem Bordell in Frankfurt gearbeitet. Weil ihr dort aber sämtliche Einnahmen abgenommen wurden, wandte sie sich an die damals ebenfalls dort tätige Angeklagte. "Die Angeklagte versprach ihr dort, dass es ihr in Kevelaer besser gehen würde und sie ihr Geld behalten dürfe", fasste Richter Gerhard van Gemmeren den Hergang der Ereignisse bei der Urteilsbegründung zusammen.

Tatsächlich, so der Richter, sei die junge Frau aber "vom Regen in die Traufe" gekommen - wieder wurde ihr alles abgenommen, was sie verdiente, sie durfte sich nicht frei bewegen und wurde von der Angeklagten bedroht. "Von dem Großteil des Geldes machte sich der Angeklagte dann ein schönes Leben, indem er mit dem Mercedes durch die Gegend fuhr, dem Glücksspiel nachging, aber selbst keinen Handschlag tat. Das ist die typische Denkweise eines Zuhälters", so der Richter.

Verurteilt wurde das Paar wegen gemeinschaftlicher Zuhälterei, gewerbsmäßigen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und gewerbsmäßiger Zwangsprostitution. Neben den Prozesskosten müssen die Angeklagten auch die Kosten der Nebenklägerin tragen, wie von deren Anwältin beantragt.

Die Staatsanwaltschaft hatte Freiheitsstrafen von jeweils sechseinhalb Jahren gefordert. Die Verteidiger beantragten jeweils Freispruch. Sie begründeten dies vor allem damit, dass die Polizeiermittlungen tendenziös geführt worden seien und die Aussage des mutmaßlichen Opfers nicht glaubhaft sei.

Die heute 22-Jährige hatte im Prozess geschildert, dass sie das Haus nicht habe verlassen dürfen und die Angeklagten sie mit brutalen Drohungen unter Druck gesetzt hätten. Im Alter von 20 Jahren hatte die Frau nach eigenen Angaben in der Hoffnung, in Deutschland ein besseres Leben zu finden, Moldawien verlassen.

(RP)
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