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Irische Landfahrer ziehen weiter nach Neuss, viel Ärger und Müll bleiben in Kevelaer

Kevelaer : Irish Travellers ziehen weiter, viel Ärger und Müll bleiben

Die Wanderarbeiter sind wohl nach Neuss gefahren. Bürger kritisieren Gefahr durch freilaufende Hunde.

Die irischen Landfahrer in Kevelaer haben sich offenbar an die Vereinbarung mit der Stadt gehalten. Am Sonntagnachmittag waren sie vom Parkplatz am Hallenbad aufgebrochen. Das Gelände dort ist inzwischen leer. Zurückgebelieben ist einiges an Müll. Laut Auskunft der Polizei sind die irischen Landarbeiter Richtung Autobahn aufgebrochen. Wo sie sich jetzt aufhalten, sei nicht bekannt. Jedenfalls habe die große Gruppe den Kreis Kleve verlassen.

Vieles deutet darauf hin, dass die Iren sich in Neuss niedergelassen haben. Dort tauchten am Sonntagabend zahlreiche Gespanne auf dem dortigen Kirmesplatz auf. Das Ordnungsamt hat ihnen Zeit bis heute Morgen gegeben, den Platz wieder zu verlassen. Sonst werde man ihn räumen lassen, heißt es.

Sieben Wohnwagen-Gespanne halten sich noch an der Delbrückstraße in Kevelaer auf. Diesen Platz hatte die Kommune den Reisenden als Ausweichgelände angeboten. Ob und wann die große Gruppe noch einmal zurück nach Kevelaer kommt, ist völlig offen. "Es gibt keinen einheitlichen Sprecher dort, das ist schwierig. Man bekommt keine Auskunft, wohin sie fahren, wann sie wiederkommen", sagt Heinz-Josef Theunissen vom Ordnungsamt. Jeder sei für sich selbst verantwortlich, sei immer wieder die Auskunft.

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Sie seien "Gypsies", betonen die Iren auch im Gespräch immer wieder, ein Volk, das unterwegs ist. "Pavee" und "Traveller" sind inzwischen dafür gängige Begriffe.

Polizei und Ordnungsamt haben jetzt im Blick, ob die Irish Travellers wieder zurück kommen. Der 15. August (Mariä Himmelfahrt) ist für sie ein hoher Feiertag, den sie oft im Marienwallfahrtsort Kevelaer begehen wollen. Bilanz der knappen Woche in Kevelaer sind zahlreiche Beschwerden wegen Ruhestörungen und eine Strafanzeige. Am Donnerstag hatten fünf Frauen und zehn Kinder nach dem Besuch eines Cafés auf der Bußmannstraße die Toilette stark verdreckt zurückgelassen. Zudem hatten sie nach Angaben der Polizei Deko-Artikel beschädigt und ein Schild entwendet. Die Inhaber stellten Strafanzeige gegen Unbekannt. Die wird wenig Erfolg haben. "Die Personalien festzustellen, wird schwierig sein", so Polizeisprecher Michael Ermers.

Ärger gab es auch in einer anderen Gaststätte. Die Wanderarbeiter feierten zwei Tage lang laut im "Prinzenhof". Daraufhin machten die Inhaber die Gaststätte für einige Tage zu. Für viel Kritik sorgt, dass die irischen Landfahrer ihre Hunde frei laufen ließen. Vielen Radlern rannten die Tiere hinterher. "Die Leute hatten Angst, da überhaupt noch vorbeizufahren", sagt Gisela Kindermann. Sie ist selbst von einem Hund in die Wade gebissen worden. Sie bekam zur Sicherheit eine Tetanus-Spritze und Antibiotika. Erst habe sie überlegt, deswegen Anzeige zu erstatten. "Aber gegen wen denn? Das bringt doch nichts."

Für sie ist es ein Unding, dass niemand einschritt. Sie habe Polizei und Ordnungsamt gebeten, etwas zu unternehmen. Nichts sei passiert. Sie sei schwer enttäuscht von den Behörden, sagt sie. Gewünscht hätte sie sich auch, dass vielleicht ein Dixie-Klo auf dem Parkplatz aufgestellt worden wäre. Denn die Irish Travellers hätten sich einfach in die Ecken gehockt und dort ihr Geschäft verrichtet.

Die irischen Landfahrer werden landläufig "Tinker" genannt. Sie selbst empfinden diesen Begriff aber als diskriminierend.

(zel)