Interview mit dem zukünftigen Ehrenbürger Hansgerd Kronenberg aus Kevelaer Winnekendonk

Ehrenamt in Kevelaer : „OW 1 hat mich am längsten begleitet“

Der Ortsvorsteher hat über Jahrzehnte die Geschicke von Winnekedonk maßgeblich mitbestimmt. Für seine vielen Verdienste wird ihm jetzt die Ehrenbürgerwürde von Kevelaer verliehen.

Mehr Winnekendonk geht eigentlich nicht: Hansgerd Kronenberg wurde direkt in Sichtweite seines heutigen Büros an der Sonsbecker Straße geboren. Zuhause, wie es früher üblich war. Er hat sich in zahlreichen Bereichen engagiert, ist gefühlt seit Urzeiten Ortsvorsteher des Ortes und seit der kommunalen Neuordnung ununterbrochen im Rat. Am Freitag, 24. Mai, wird er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Die Feier findet ab 17 Uhr im Konzert- und Bühnenhaus statt.

So richtig recht scheint Ihnen der ganze Rummel um ihre Person gar nicht zu sein. Ist Ehrenbürger eher eine Bürde als eine Würde?

HansgerG Kronenbreg Vielleicht beides. Ich habe mich tatsächlich etwas geziert. Aber es hat mich dann gefreut, dass es einen einstimmigen Beschluss des Rates dazu gab, denn das kommt in Kevelaer bei Personalfragen ja nicht häufig vor. Ich habe diese Ehrung nicht angestrebt. Sie ist für mich eine Würdigung des Ehrenamtes im Allgemeinen.

Um den verstorbenen Ehrenbürger Bischof Heinrich Maria Janssen hat es zuletzt ja Diskussionen wegen Missbrauchsvorwürfen gegeben.

Kronenberg Ich bin Jurist, und für mich gilt da die Unschuldsvermutung. So hat es Bürgermeister Dominik Pichler ja auch zum Ausdruck gebracht. Das muss auch für Bischof Janssen gelten, und so lange die Schuld nicht bewiesen ist, ist es für mich kein Thema.

Was macht das Besondere von Winnekendonk für Sie aus?

Kronenberg Das ist schwer zu sagen, ich bin hier aufgewachsen, meine Wurzeln liegen einfach hier. Mein Vater, der aus Rees-Millingen stammt, war mit etwa 20 Jahren als ganz junger Lehrer nach Winnekendonk gekommen. Meine Mutter war seine Schülerin. Mehr als 50 Jahre war mein Vater hier Lehrer. Von Anfang an war ich ganz eng mit dem Ort verbunden. Wir haben hier auf der heute verkehrsreichen Sonsbecker Straße gespielt, denn damals hatten nur wenige Leute im Dorf ein Auto, unter anderem mein Onkel, weil der die örtliche Feuerwehr leitete. Vor allem der Zusammenhalt im Ort hat mich immer begeistert.

Was macht den Unterschied zu Kevelaer aus?

Kronenberg Ich war Kevelaer immer verbunden, wegen der Wallfahrt. Zudem bin ich hier bis zur Untertertia zur Höheren Schule gegangen. Aber Kevelaer war etwas anderes als Winnekendonk. Ich sage immer Kevelaer ist nicht Winnekendonk und Winnekendonk ist nicht Kevelaer. Wir sind die Dörfler, Kevelaer ist eher städtisch, heute sind wir durch die kommunale Neuordnung seit 1968 eine Verwaltungseinheit. Ich sehe die Ehrenbürgerschaft nicht ortsgebunden. Ich bin Ehrenbürger von Kevelaer mit den Ortschaften.

Welches Thema in Winnekendonk hat sie am längsten begleitet?

Kronenberg Natürlich die Ortsumgehung OW 1. Bevor ich 1969 in den Rat nach Kevelaer kam, war ich schon im Gemeinderat von Winnekendonk, und da gab es das Thema schon. Es gab da viele Diskussionen. Ich weiß noch, wie wir Winnekendonker uns unter anderem gegen die Idee ausgesprochen haben, dass eine Straße durch Schravelen zur Lindenstraße führt. Das hätte Schravelen zerschnitten und keinerlei Entlastung für unseren Ort bedeutet.

Glauben Sie, dass Sie es noch erleben, dass die neue Trasse eröffnet wird?

Kronenberg Ich bin da optimistisch. Der Minister hat ja ausdrücklich versichert, dass das Geld für den Bau da ist. Natürlich haben die Klagen gegen die Planfeststellung jetzt erst einmal aufschiebende Wirkung. Aber die Planungen sind im Laufe der Jahre immer wieder so aufwändig geprüft worden, dass ich davon ausgehe, dass es auch bei der Genehmigung bleiben wird.

Was ist aktuell das drängendste Problem in Winnekendonk?

Kronenberg Das ist eindeutig die Diskussion um den alten Sportplatz an der Kevelaerer Straße. Dort möchte Edeka Brüggemeier gerne einen neuen Markt bauen. Wir sind da in einer Zwickmühle, weil wir auf beides angewiesen sind. Der SV Viktoria Winnekendonk hat mehr als 1000 Mitglieder und eine wichtige Funktion im Ort, insbesondere auch für die Jugend. Er benötigt Ersatz. Für die Nahversorgung der Bürger unserer Ortschaft ist die Familie Brüggemeier überaus wichtig.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Kronenberg Sicher scheint, dass der Verein den Platz verlieren wird. Das sorgt für Unmut, auch weil viel Eigenleistung in die Umkleide gesteckt wurde. Es muss einen Ersatz geben, das bedeutet, dass an der neuen Anlage ein dritter Sportplatz angelegt werden muss. Geplant ist ein Kunstrasenplatz, aber auch ein zusätzliches Gebäude ist nötig. Da kommt eine große finanzielle Belastung auf den Verein zu. Mit 500.000 Euro kommt man da sicher nicht aus. Eigentlich gibt die Stadt 150.000 Euro als Zuschuss für den Kunstrasen, aber wir haben hier ja eine andere Situation. Wir wollen den Kunstrasen ja nicht, weil wir eine bessere Spielfläche wollen, sondern weil wir einen Ersatz benötigen. Sicherlich wird der Sportverein alle ihm möglichen Ressourcen ausschöpfen. Auch die eng mit Winnekendonk verbundene Familie Brüggemeier hat Unterstützung zugesagt. Ich bin recht optimistisch, dass man hier eine Lösung findet. Letztendlich muss der Stadtrat entscheiden, in welcher Weise er hilft. Wir hoffen auf breite Unterstützung.

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