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Interreligiöse Friedenswallfahrt in Kevelaer 2021

Veranstaltung in Kevelaer : „Friedenswallfahrt ist aktueller denn je“

Am Sonntag treffen sich die Teilnehmer in Kevelaer um 16 Uhr am Marienpark. Gegen 16.30 Uhr beginnt der Weg über die Hauptstraße zum Kapellenplatz. Dort wird es eine Kundgebung zum Thema „Nähe trotz Distanz“ geben.

Aktueller geht es nicht“, sagt Karin Dembek. Gerade als die evangelische Pfarrerin etwas zur Interreligiösen Friedenswallfahrt sagen soll, kommt in den Nachrichten, dass ein Anschlag auf eine Synagoge in Hagen verhindert werden konnte. Die Interreligiöse Friedenswallfahrt hat in Kevelaer schon Tradition. 2015 fand sie erstmals statt.

An diesem Sonntag ist es wieder soweit. Juden, Christen und Muslime demonstrieren gemeinsam für den Frieden. Das Motto in diesem Jahr lautet „Nähe trotz Distanz“. Am Sonntag soll auf die Gemeinsamkeiten geschaut werden und nicht auf das Trennende. „Für den Frieden gibt es immer was zu tun“, sagt die Pfarrerin. Die Herausforderungen der Gegenwart sind sichtbar und greifbar. Da sind die antisemitischen Angriffe, da sind aber auch die Flüchtlinge aus Afghanistan und die Sorge der Menschen „vor dem Fremden“. Diejenigen, die bei der Interreligiösen Wallfahrt dabei sind, können bescheinigen: Eine Zusammenarbeit ist lohnenswert.

Auch Elke Kleuren-Schryvers von der Aktion pro Humanität ist Verfechterin der Friedenswallfahrt und stellt in den Mittelpunkt, wie wichtig Kommunikation ist. Bei der diesjährigen Wallfahrt wird ein ehemaliger Gefangener zugeschaltet, der fünf Monate in IS-Geiselhaft war. „Der Christ aus Syrien sagt, dass mitten in der Gefangenschaft der Dialog das Wichtigste war“, berichtet Elke Kleuren-Schryvers. Er ist am Ende frei gekommen. Für die Kevelaererin einmal mehr der Beweis: „Wir brauchen den Dialog.“

  • Frank Ingendae segnet die Teilnehmer
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  • Die Aktion pro Humanität aus Kevelaer
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  • André Dahlke und Gerd Lemkens freuen
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Die Interreligiöse Friedenswallfahrt ist auch das Vermächtnis des mittlerweile verstorbenen Journalisten und Menschenrechtlers Rupert Neudeck. Er war der Mitinitiator der ersten Friedenswallfahrt in Kevelaer. Angelehnt war die an den Ausspruch des Friedensrechtlers Martin Luther King: „I have a dream.“ Am Sonntag werden Kinder verschiedener Religionen über ihre Träume und Vorstellungen vom Frieden sprechen. Etwas ungewöhnlich ist die Art und Weise, wie das Kunstwerk von Frank Merks die Wallfahrt begleiten wird. Die Holzskulpturen in Buchform, die Thora, Bibel und den Koran symbolisieren, werden auf einer Notfall-Liege durch die Stadt gefahren. Für Elke Kleuren-Schryvers steht fest, dass damit die Dramatik der Situation gezeigt wird. „Einsätze für den Dialog und Frieden tun Not in vielen Regionen unserer Welt“, sagt sie. Das Verständnis füreinander, über die Grenzen der eigenen Religion hinaus, sei zwingend notwendig. Der Friede sei aktuell ein reaninmationsbedürftiger oder zumindest notfall-therapeutischer Patient.

Die Wallfahrt beginnt am Sonntag, 19. September, um 16 Uhr im Marienpark. Gegen 16.30 Uhr beginnt die Prozession über die Hauptstraße zum Kapellenplatz. Veranstalter sind die katholische Wallfahrtspfarrei St. Marien, die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Kevelaer, die evangelische Kirchengemeinde Kevelaer, der Zentralrat der Muslime in Deutschland, Vertreter der jüdischen Gemeinden in Deutschland und Aktion pro Humanität.