Initiative fordert Stopp der OW 1 in Kevelaer

Verkehr in Kevelaer : OW 1: „Wir fordern eine Neubewertung“

Die Initiative „Rettet die Binnenheide“ warnt vor negativen Auswirkungen auf Flora und Fauna durch die geplante Umgehungsstraße. Es gibt Unterschriftenlisten. Der Wunsch ist, dass sich der politische Wille ändert.

Nur wenige Schritte vom Ausflugscafé Binnenheide wird sich einiges ändern, wenn die Umgehungsstraße OW 1 kommt. Das wollen einige Bürger nicht hinnehmen und starten die Initiative „Rettet die Binnenheide“. Claudia Blauert ist eine von den Kämpfern für den Erhalt der Natur. Sie zeigt auf ein kleines Wäldchen und ein paar Kopfweiden in Sichtweite des Cafés. „Die wären dann weg“, sagt sie, wenn die OW 1 käme. Auch ob die Wildgänse, die gerade im Gras pausieren, dann noch diesen Platz wählen würden, sei fraglich.

„Wenn man auf die Karte von oben draufsieht, ist das die kürzeste Verbindung“, zeichnet Claudia Blauert den Weg der OW 1 mit dem Finger nach. „Wenn man aber über die Konsequenzen für unsere Landschaft und Natur spricht, sind die meisten entsetzt.“ In Wetten, Winnekendonk, Wemb und Achterhoek haben die Mitglieder der Kampagne Handzettel an die Haushalte verteilt. Im Schreibwarenladen in Winnekendonk, dem Naturhof Etzold und dem Café Binnenheide liegen weitere Info-Zette und Unterschriftenlisten aus.

Michael Pothmann, Claudia Blauert mit Hündin Thala und Johannes Krebber (v.l.) von der Initiative „Rettet die Binnenheide“. Foto: Mokwa

Ein „zu spät“ lässt Claudia Blauert für ihr Engagement nicht gelten. Es gibt bereits den Planfeststellungsbeschluss für die OW 1. Die Gruppe „Rettet die Binnenheide“ unterstützt einen Kläger ideell und finanziell. Dafür ist ein Fonds eingerichtet worden.

Eine Möglichkeit, die OW1 zu stoppen, kann sich Michael Pothmann von der Initiative durchaus vorstellen, wenn in weiten Bevölkerungskreisen ein Stimmungsumschwung erreicht werde. Der sei dringend nötig, sagt Claudia Blauert. „Wir fordern eine Neubewertung.“ Eine so breite Straße mitten durch die Landschaft zu bauen, „das ist völlig aus der Zeit“, stimmt ihr Johannes Krebber zu. Als Landwirt weist er auf den Verlust der landwirtschaftlichen Flächen hin, der mit dem Bau der OW 1 einhergeht. Er spricht von „Flächenfraß“. Pro Tag gehen in NRW zehn Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren.  Er spricht auch vom Raubbau an der Natur. „Ökologisch gesehen ist die Straße OW 1 ein Unding.“ Im Flugblatt wird sie bewusst „Oweh 1“ geschrieben.

Gesetzlich sei insoweit alles geregelt, weil es Ausgleichsflächen für die Natur geben wird. Claudia Blauert sieht das aber als zu kurz gedacht. „Die Natur ist kein Ikea-Schrank, den man abbaut und wieder irgendwo anders aufbaut.“ Die OW 1 zerstöre einen intakten Biotopenverband. „Wir greifen die letzten Rückzugsorte an“, warnt sie und sieht auch die Verantwortung für die kommende Generation. Die Entlastung der Rheinstraße und der Ortsdurchfahrt Winnekendonk hält die Initiative nur für ein vorgeschobenes Argument. Ihr Vorschlag: Der Schwerlastverkehr könne von der Autobahnausfahrt Kervenheim über die Schloss-Wissener-Straße geführt werden.

Die OW 1 sieht die Initiative als Vorhut für mehr Verkehr Richtung Flughafen. Außerdem würde über die Trasse eine Fläche im Wettener Busch zugänglich, die ausgekiest werden könnte. Da würden generell wirtschaftliche Interessen vor den Naturschutz gestellt. Bislang ist diese Fläche für eine Abgrabung noch nicht genehmigt.

„Es geht auf jeden Fall Lebensqualität verloren“, schildert Dennis van den Berg vom Café Binnenheide seine Befürchtung, wenn die OW 1 in Hör- und Sichtweite seines Cafés vorbeiführt.

„Jeder darf für seine Position werben, das ist völlig legitim“, sagt Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler zur Aufklärungskampagne der Initiative „Rettet die Binnenheide“. Er spricht von einer „PR-Kampagne“.

Den Vorwurf, dass die Pläne für die OW 1 veraltet sind, kann er nicht stehen lassen. „Die Bewertung der Pläne sind von Ende 2018 und damit aktueller denn je“, meint der Kevelaerer Verwaltungs-Chef.

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