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Weeze: In drei Tagen zur neuen Landebahn

Weeze : In drei Tagen zur neuen Landebahn

Seit der Nacht zu Montag wird am Airport Weeze nicht geflogen. Statt dessen werden Asphalt und Beton aufgerissen, um die Startbahn mit einer neuen Tragschicht zu versehen. Am Donnerstag sollen die Flieger wieder starten.

Ein einsamer Radfahrer passiert die Zufahrt zum Flughafengelände, ein Pkw folgt ihm, fährt aber am Abzweig zum Terminal vorbei. Es gibt kaum einen Grund, zum Flughafen zu fahren — drei Tage lang startet und landet dort nichts. Die wenigen Menschen, die am Morgen in der Bar im Erdgeschoss sitzen, sind Seminarteilnehmer, die auf den Beginn ihres Unterrichts warten.

Außerdem ist noch Reinigungspersonal unterwegs und mancher, der nach Handwerker aussieht. Der Blick vom Flughafenrestaurant aufs Vorfeld zeigt weitere ungewohnte Bilder: neun Ryanair- Maschinen am Boden, dafür mächtig was los auf der Start- und Landebahn. Die wird saniert und muss am frühen Donnerstagmorgen fertig sein.

Kaum war in der Nacht zu Montag der letzte Jet gelandet, begannen die Arbeiten. "Ab 23.30 Uhr scharrten alle, die mit der Runway-Sanierung zu tun hatten, mit den Füßen, denn sie wussten, die Zeit läuft", erklärt Flughafenchef Ludger van Bebber. Christian Bechler als Technik-Leiter des Airport stimmt zu: "In der knappen Zeit liegt die Herausforderung. Es geht darum, einen 1400 Meter langen Streifen des sehr harten Materials aus dem westlichen Teil der Bahn heraus zu fräsen und den Graben mit einer neuen 30 Zentimeter dicken Tragschicht zu verfüllen."

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Die Reste des alten Deckenaufbaus werden mit 25 Lkw der Gocher Firma AVG abtransportiert und später recycelt. Dazu reißen Fräsen zunächst die Asphaltschicht auf und brechen Bagger anschließend große Betonstücke heraus. "Die Wiederaufarbeitung wird hier auf dem Gelände geschehen", berichtet van Bebber. Weil die Zeit nicht reicht, dasselbe Material wiederzuverwenden, liefern die Laster bereits das neue dampfend heiße Granulat. Während an einer Stelle noch aufgebrochen wird, wird an einer anderen schon verfüllt.

Auf der Baustelle arbeiten rund 70 Beschäftigte von Bauunternehmen und Ingenieurbüros rund um die Uhr. Mehr als 50 Fertiger, Lkw, Flutlichtanlagen und Spezialmaschinen kommen zum Einsatz. Sie reparieren und erneuern ein Stück Landebahn, das in seinem Ursprung aus dem Jahr 1954 stammt. Durch das Gefälle in der Bahn hält eine Seite, deren Unterschicht dünner ist, deutlich weniger aus. Die Folge: Ermüdungsrisse. Die Fachleute verweisen darauf, dass die Erbauer, die an "nur" 15 bis 20 Tonnen schwere Militärmaschinen dachten, nicht einplanen konnten, dass heutige Verkehrsmaschinen rund 100 Tonnen wiegen

Sehr froh sind alle Beteiligten über das gute Wetter. "Wir haben die klimatischen Verhältnisse im November in den vergangenen fünf Jahren überprüft und diese Tage als die vermutlich mildesten ermittelt. Über die Regenwahrscheinlichkeit lässt die Statistik hingegen keine verlässlichen Prognosen zu", erklärt van Bebber. Bechler fügt hinzu: "Es hätte dem Material nicht gut getan, wenn Regen in den Graben laufen würde." So aber ist van Bebber überzeugt, dass am Donnerstagmorgen planmäßig um 6.30 Uhr die erste Maschine wieder Richtung Fuerteventura starten kann.

Bis dahin werden draußen und im Terminal noch kleine Reparatur- und Reinigungsarbeiten durchgeführt, zu denen man bei laufendem Betrieb nur schlecht kommt.

(RP/rl)