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Im Streit um den Wolf im Raum Wesel wird der Ton schärfer

Kreis Wesel : Nabu: „Problemschäfer statt Problemwolf“

Im Streit um den Wolf attackiert Nabu-Mann Peter Malzbender jetzt die Tierhalter. Er spricht von „verbal-ketzerischer Hatz“.

Es ist eine kleine Kehrtwende des Nabu-Kreischefs Peter Malzbender: Zeigte er sich beim Thema Wolf bisher den Problemen der Schäfer im Kreis Wesel zugetan und schloss einen Abschuss des Tieres nicht aus, so sieht er nun die Schäfer in der Pflicht, ausreichend Vorkehrungen zu treffen. In einer jetzt versandten Mitteilung redet Malzbender nun sogar von „Problemschäfern“ statt eines „Problemwolfes“. Er spricht von „Rufmord“ gegen den Wolf.

Die Nabu-Kreisgruppe werde „ab sofort der bisher vollkommen unbegründeten, verbal-ketzerischen Hatz auf den Wolf in unserer Region massiv entgegentreten“, kündigte Malzbender mit scharfer Rhetorik an. „Wir scheuen uns auch nicht, Stimmungsmacher und Lügner beim Namen zu nennen. Ich betone auch ausdrücklich, dass bisher schon einige Wolfsrisse in unserer Region nachgewiesen wurden, aber wir dennoch nach geltenden Experten-Vorgaben keinen Problemwolf bei uns haben.“

Kritik übt Malzbender insbesondere am aus seiner Sicht „unsachlichen“ Auftreten des Vorsitzenden des Kreisschafzuchtvereins, Maik Dünow. Der Berufsschäfer hatte unlängst Schafe in der Schwarzen Heide verloren. Als mutmaßlicher Verursacher gilt der Wolf GW954f (GW steht für „German Wolf“, das f für „female“, also weiblich). Die Landesbehörde Lanuv prüft den Fall gerade. Viele der Forderungen Dünows seien unangemessen, sagt Malzbender. Das Szenario zu den Rissen aus Dünows Herde in der Schwarzen Heide sei „äußerst nebulös“, behauptet Malzbender. Die Bilder vermittelten, dass die Zäune zu niedrig waren. Außerdem hätten die großen Pyrenäenschutzhunde „wohl vollkommen versagt“, sagt Malzbender. Dünow habe sich offenbar „Schoßhündchen“ ausgeliehen, und dies nur für einige Wochen von einem Schäfer aus Brandenburg. Normalerweise habe ein Wolf gar keine Chance gegen diese Herdenschutzhunde.

Wie umgehen mit dem Tier, das zahlreiche Schafe gerissen hat? Diese Frage beschäftigt den Niederrhein weiter. Malzbender stimmt Dünow zu, dass Weidetier-Schutzmaßnahmen vom Landesministerium viel eher hätten auf den Weg gebracht werden müssen. Angesichts von 20 Wolfrudeln im benachbarten Niedersachsen sei die Wanderung nach NRW erwartbar gewesen. Die Schäfer hätten aber auch viel eher Schutzzäune fordern müssen, sagt Malzbender. „Und zwar noch bevor der erste Wolf hier als sesshaft deklariert wurde.“

Nabu-Mann Malzbender ist überzeugt, dass sich auf Dauer ein Rudel niederlassen wird. Das sei sehr wahrscheinlich, sagte er schon vor einiger Zeit gegenüber der Rheinischen Post. Und für den Wolf sei auch der Rhein kein Hindernis. Das Tier könne nachts über die Brücke auf die andere Seite kommen. Dass so etwas möglich ist, ist bekanntlich belegt. Ein Wolf, der mit einem Sender ausgerüstet war, spazierte über die Rheinbrücke in Emmerich Richtung Weeze, kreuzte dort irgendwie die Autobahn 57 und verschwand schließlich Richtung Niederlande/Belgien.

Kritik am Ministerium, das nun viel flotter mit umfassenderen Mitteln für Entschädigungen sorgen solle, stellte die Kreisbauernschaft in Wesel ins Zentrum ihrer Positionen. Vorsitzender Johannes Leuchtenberg erklärt, dass neben Materialkosten auch der Aufwand für Schutzmaßnahmen, Pflege der Anlagen sowie Betreuung verletzter Tiere abgegolten werden müssten. Beschränkungen von Zuwendungen für Einzelbetriebe gemäß EU-Vorgaben seien nicht akzeptabel. Rindviehhalter Hartmut Neuenhoff bringt weitere Problemfelder auf den Tisch. Einige seiner Tiere, die im Sommer eine Begegnung mit dem Wolf hatten, waren jetzt immer noch so traumatisiert, dass er eine gute Woche brauchte, um sie einzufangen und nach Hause zu bringen.