Im Forstbetrieb Kalbeck bei Weeze entsteht ein Biotop.

Naturschutz in Weeze : Eine Komfortzone für Tiere in Kalbeck

In Zusammenarbeit mit der Heinz-Sielmann-Stiftung entsteht ein Biotop. Der Neuntöter ist erwünscht.

Der Bagger inmitten des dunkelbraunen Schlamms ist nicht zu übersehen. Nur wenige Meter von der Fahrerkabine entfernt macht sich Wasser breit. „Guten Morgen, wird das ein Ententeich?“, ruft ein Radfahrer Max von Elverfeldt zu, der sich das ganze Schauspiel vom Rand anschaut. Er schüttelt den Kopf. Das Ausbaggern im Kalbecker Wald sei zum einen notwendig, hat zum anderen aber auch noch einen hohen Nutzwert für die Tierwelt.

Notwendig wurde das Entfernen des Schlamms, damit Wasser vom Schloss (Regenwasser aus den Dach­rinnen zum Beispiel) und aus dem Wald kommend abfließen kann. Vom neu geschaffenen Biotop fließt es weiter bis zur Niers. Beim Ausbaggern hätte man es belassen können. In Zusammenarbeit mit der Heinz-Sielmann-Stiftung entsteht dort aber ein wertvoller Lebensraum, der tiergerecht gestaltet wird. Förster Frank Koch zeigt auf den „wilden Haufen“ Totholz, der am Rand aufgestapelt wurde. Er wird unter anderem Kröten einen Unterschlupf bieten. Auch sonst lässt man auf der linken Seite der Natur ihren freien Lauf und schaut, was dort nachwächst.

Rund um das Areal standen zuvor Pappeln. Zwei bis drei Dutzend, so schätzt der Förster, sind gefällt worden. Der Grund: Durch den Sturm sind viele umgefallen, und sie waren morsch. Die Blätter der Pappeln hatten ebenfalls dafür gesorgt, dass der ehemalige Graben im Wald immer mehr zu einer Schlammgrube wurde. Auf der rechten Seite des Biotops werden unter anderem Wildapfel und Wildkirsche angepflanzt. Die Sorten sind bewusst gewählt. Ein Experte der Heinz-Sielmann-Stiftung war vor Ort und hat Tipps zur Pflanzung gegeben. „Die haben Erfahrung aus dem süddeutschen Bereich, der Bodensee-Region“, sagt Förster Koch. Die Erfahrungen seien durchweg positiv. Die Tierwelt nahm zu.

Wildapfel und Wildkirsche dienen mit ihrem Blüten vor allem den Insekten. Schlehe und Weißdorn sollen verschiedene Vogelarten anlocken. „Die Goldammer, und wenn es ganz gut läuft auch den Neuntöter“, zählt Koch auf. In dem Gewässer werden Buchten eingearbeitet und Inseln entstehen. Dafür werden unter anderem alte Baumstümpfe eingearbeitet. „Dass es eben nicht einfach quadratisch-praktisch und damit gut ist, die Idee kam auch von der Heinz-Sielmann-Stiftung“, sagt Koch. Die ganze Maßnahme wird etwa einen Hektar umfassen, oder um es besser zu veranschaulichen: „2,5 Fußballfelder“, sagt Koch. Ein Schild soll auf das Modellprojekt „Biotope für Deutschland“ des Forstbetriebs Kalbeck in Zusammenarbeit mit den Familienbetrieben Land und Forst und der Heinz-Sielmann-Stiftung hinweisen. Max von Elverfeldt stellt in Aussicht, neben dem Schild auch eine Bank aufzustellen, damit Besucher des Waldes in Ruhe beobachten können, welche Tiere sich dank des Biotops ansiedeln. Und wer weiß, vielleicht ist auch der seltene Neuntöter dabei.