„Projekt Baum“ in Kervenheim: Hoch hinaus mit den Baumkletterern

„Projekt Baum“ in Kervenheim : Hoch hinaus mit den Baumkletterern

Wenn es mit der Hubbühne nicht funktioniert, steigt das Team von „Projekt Baum“ aus Kervenheim in die Gehölze.

Es scheint wie ein ganz normaler Spaziergang am Morgen, bis ein Rascheln und ein lautes Kratzen die Stille zerreißen. Ein Blick nach oben, schnell fällt auf, dass sich hier nicht ein Vogel oder etwa ein Eichhörnchen in der Krone eines Baumes zu schaffen macht, sondern ein Mensch. Jemand, der eine Kletterausrüstung trägt, lange Seile am Baum reichen bis zum Boden.

„Projekt Baum“ heißt die Firma aus Kervenheim, deren Mitarbeiter beruflich in Baumkronen herumklettern. Das Wohlergehen und die Pflege des Baumes stehen im Mittelpunkt. Das Verkleinern der Baumkronen in privaten Gärten, das Fällen oder Bearbeiten von toten Bäumen, dessen Stamm als Habitat (Lebensraum) für Vögel und Insekten weiterhin genutzt werden kann. Der Chef der vier Mann starken Firma, Hanno Verhülsdonk, ist erster Kletterer und Forstwirt für Baumpflege, Stefan Mattner ist zweiter Kletterer und Fachagrarwirt für Baumsanierung. Bei der Baumpflege wird individuell auf die Bedürfnisse des Baumes geschaut. Aufträge von Kommunen und Privatleuten füllen den Terminplaner der Baumkletterer. Es fallen vielseitige Arbeiten an der frischen Luft an. Ein Baum muss beispielsweise bei Erkrankung oder Beschädigung durch Sturm und Blitzschlag gefällt werden, da er womöglich ein Gebäude oder den Verkehr gefährden könnte. Jedoch sind die Baumexperten auch dazu da, um geschützten Arten einen Lebensraum zu bieten, indem sehr alte Bäume gepflegt werden.

70 Prozent der Arbeiten werden mit Hilfe einer Hubarbeitsbühne erledigt, manchmal sitzen die Baumkletterer jedoch auch selbst in den Bäumen. „Baumkletterer sind im Gartenlandschaftsbau eine Marktlücke“, erklärt Mattner. „Man braucht einen gewissen Hang zum Sport und zum Klettern. Man sollte auch die körperliche Kondition mitbringen“, ergänzt Verhülsdonk. Die Ausrüstung umfasst eine große Auswahl an Werkzeugen die bei der Arbeit auf dem Baum, befestigt an einem Gürtel, benötigt werden. Am wichtigsten ist jedoch die Schneideschutzkleidung, um bei einem Unfall mit einer Kettensäge einer schweren Verletzung vorzubeugen. Die gesamte Ausrüstung kann auch mal ein Gewicht von über fünf Kilogramm auf die Waage bringen. Eine Motor- oder Handsäge wird bei den Arbeiten im Baum ebenfalls benötigt, somit beschweren diese nochmals das Gesamtgewicht der Ausstattung.

„Wenn ich schon seit vier Stunden in der Baumkrone arbeite, bin ich froh, wenn ich vom zweiten Kletterer abgelöst werden kann. Wir müssen immer zu zweit vor Ort sein, damit wir uns im Notfall gegenseitig vom Baum abseilen können oder bei Erschöpfung einen Ersatz haben“, erläutert Verhülsdonk.

Baumkletterer müssen jedes Jahr durch Eignungsprüfungen wie einen Sehtest oder ein EKG ihre Tauglichkeit testen lassen. Rettungskurse, Erste-Hilfe-Kurse und Materialkontrollen sollen über Gefahren bei Routinearbeiten aufklären und vorbeugen und vor allem Notsituationen beherrschbar machen. Jeder Baumkletterer muss einen Kletterschein machen. Um eine Motorsäge in der Höhe benutzen zu dürfen, muss ein erweiterter Kletterschein absolviert werden. Außerdem müssen 200 Stunden Kletteraktivität vorgewiesen werden.

Am meisten schätzen die Kletterer die Arbeit an der frischen Luft und die körperliche Betätigung. „Die Erhaltung und Pflege des Baumes wird immer wichtiger und mehr geschätzt. Somit ist unsere Arbeit sehr wertvoll“, erklärt Hanno Verhülsdonk.

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