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Kevelaer: Hitzige Debatte um Neubau am Bahnhof

Kevelaer : Hitzige Debatte um Neubau am Bahnhof

Die Lebenshilfe Gelderland möchte am Bahnhof ein Wohnheim bauen. Grundsätzlich sehen Politik und Verwaltung das Projekt positiv. Allerdings uferte die Diskussion im Ausschuss aus. Zweimal fiel das Wort "Erpressung".

Der Saal im Rathaus war ungewöhnlich voll bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Eine Klasse angehender Verwaltungsmitarbeiter wollte live erleben, wie Kommunalpolitik gemacht wird. Bei der Debatte um einen Neubau der Lebenshilfe am Bahnhof bekamen die jungen Leute gleich mal einen Eindruck davon, wie zäh manchmal das Ringen um Entscheidungen ist. 90 Minuten wurde über den Punkt debattiert. Am Ende stand ein Beschluss, der manchen immer noch ratlos zurückließ. Bürgermeister Dominik Pichler kommentierte das trocken in Richtung des Nachwuchses: "Liebe Schulklasse, das ist Demokratie."

So sieht der Entwurf für das Wohnheim der Lebenshilfe am Bahnhof aus. Foto: Architekturbüro Verhoeven

Im Kern ging es bei der Debatte um den Wunsch der Lebenshilfe Gelderland, ein Wohnheim am Bahnhof zu errichten. Derzeit unterhält die Einrichtung ein solches Wohnprojekt am Holbeinweg. 1968 zogen dort zwölf Bewohner ein, ein Großteil davon lebt immer noch da und ist mitlerweile zwischen 55 und 65 Jahre alt. Daher sei es nötig, ein Angebot zu machen, das barrierefrei ist. Ein entsprechender Umbau sei im Gebäude am Holbeinweg nicht möglich. Daher möchte die Lebenshilfe gerne am Bahnhof komplett neu bauen. Die Lage dort sei ideal, weil der Standort sehr zentral sei.

Die Verwaltung stand dem Projekt positiv gegenüber, und auch die Politiker hatten grundsätzlich nichts gegen das Vorhaben. Allerdings wünschen sie sich eine städtebauliche Entwicklung für den Bereich. Die hatte auch Architekt Patrick Lehn angemahnt, der im Ausschuss vor möglicher Fehlplanung warnte.

Daraufhin kam eine rege Debatte in Gang. Von mehreren Seiten regten die Politiker an, lieber doch noch einmal ausführlich darüber zu beraten. Man habe erst zu spät von dem Projekt erfahren. Ein Verweis in den Ausschuss für Stadtentwicklung stand im Raum, was den Bürgermeister auf die Palme brachte. Schließlich sei das Thema bereits in diesem Gremium gewesen. "Es wäre fairer gewesen, bereits da zu sagen, dass Sie das Gelände eigentlich überplanen wollen", sagte er.

Siegbert Garisch, Prokurist der Lebenshilfe, führte aus, dass die Enttäuschung bei den Bewohnern groß sein werde, wenn er ihnen mitteilen müsse, dass sich das Projekt verschiebe. "Das fände ich traurig", sagte er. Das wiederum ärgerte Günther Krüger (KBV): "Das ist ja fast Erpressung", meinte er.

Die Debatte nahm weiter Fahrt auf, als Sozialdezernent Marc Buchholz darauf hinwies, dass die Kommune bereits mit der Lebenshilfe gesprochen habe. Angedacht ist, dass die Stadt das Haus an der Holbeinstraße nach dem Auszug der Lebenshilfe übernimmt, um dort junge Flüchtlinge unterzubringen, die jetzt noch im Kompass leben. "Wenn aus diesen Plänen nichts wird, müssen wir Häuser anmieten oder einen Neubau planen und entsprechendes Geld in den Haushalt stellen." Das wiederum war dann für CDU-Fraktions-Chef Paul Schaffers "Erpressung". Buchholz dagegen wollte seine Ausführungen lediglich als "Information" verstanden wissen. Schließlich signalisierten die Politiker, dass sie der Lebenshilfe den Bau ermöglichen und gleichzeitig die Chance für die städtebauliche Entwicklung nutzen wollen. Beschlossen wurde daher, den Verkauf des Gebäudes an die Lebenshilfe zu empfehlen, parallel soll für die Fläche am Bahnhof eine Bauleitplanung entwickelt werden.

Was das jetzt konkret für den Zeitplan des Baus bedeutet, wird sich zeigen. "Wir gehen davon aus, dass gebaut werden kann", sagt Siegbert Garisch.

Offen ist, was nach dem Beschluss mit dem Wunsch einer Anwohnerin ist, die gerne einen Teil der Fläche am Bahnhof kaufen und dort Parkplätze anlegen würde.

(RP)