Kevelaer: Helfer fordern Ausländeramt in Geldern

Kevelaer: Helfer fordern Ausländeramt in Geldern

Um früh genug - lange vor Behörden-Öffnung - bei der Kreisverwaltung in Kleve zu sein, reisen Asylsuchende aus dem Gelderland schon am Vorabend an. Dann verbringen sie die Nacht im Freien. Ein unhaltbarer Zustand, sagen Kritiker.

/ GELDERN Auch aus Kevelaer müssen Asylsuchende regelmäßig zum Ausländeramt nach Kleve. Früh morgens machen sie sich auf den Weg, müssen dort viele Stunden warten und dann teilweise sogar unverrichteter Dinge den Heimweg antreten. Sie haben nicht einmal einen Termin bekommen. Die Verantwortlichen des Vereins "Runder Tisch Flüchtlinge" in Kevelaer kritisieren die Zustände schon länger. "Für im Südkreis lebende Geflüchtete und deren Betreuer ist der Weg nach Kleve weit", hatte Ulrich Hünerbein-Ahlers vom RTF bereits Anfang des Jahres in einer Mitteilung der Initiative erläutert. In Kleve müssten sich die Betroffenen in der Frühe, also möglichst schon vor sieben Uhr morgens, um einen Termin bemühen.

Die Ehrenamtler plädieren dafür, eine Außenstelle des Ausländeramtes in Geldern einzurichten. So wäre auch für Flüchtlinge aus Kevelaer die Anfahrt per Bus oder Zug viel kürzer. Zudem werde der Andrang entzerrt, wenn sich die Asylsuchenden auf zwei Stellen verteilen. "Wir appellieren an die Verantwortlichen im Kreis Kleve, im Sinne der Geflüchteten und der sie begleitenden Ehrenamtler, die Einrichtung der Ausländerbehörde in Geldern ernsthaft zu prüfen", so Hünerbein-Ahlers. Jetzt wird darüber in der Marienstadt auch politisch diskutiert. Der Stadtrat wird sich am Donnerstag mit dem Thema befassen; die Grünen bitten die Politik um eine Resolution für die Außenstelle.

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Es muss sich dringend etwas ändern, sagt auch Bernd Claßen. Als Ehrenamtler gibt er mit zwei weiteren Mitstreitern Alphabetisierungskurse für Ausländer in Geldern. "Wenn jemand für einen Termin nach Kleve muss, fährt er mitunter nachts um elf mit dem letzten Zug von Geldern, um morgens bei der Ausländerbehörde eine Nummer zu ziehen." Denn die Leute müssten fürchten, gar nicht mehr dran zu kommen, wenn sie nicht in aller Herrgottsfrühe da seien - per Bus oder Zug gehe das nicht. "So drücken sie sich - auch junge weibliche Asylsuchende - die ganze Nacht in irgendwelchen Hauseingängen und Nischen, um der Kälte zu entgehen", schildert Claßen. "Das ist ein Zustand, das ist doch nicht aufrecht zu erhalten."

Das Amt für Ausländerangelegenheiten öffnet montags, dienstags und donnerstags morgens um 8 Uhr. Wegen der langen Schlangen, die sich schon Stunden vorher bildeten, hat die Kreisverwaltung das Warte-Prozedere zuletzt im Herbst verändert. Ende November wurde in einiger Entfernung vom Amt ein eigener, ausgelagerter Wartebereich in Betrieb genommen. Der öffnet um 6 Uhr früh, es gibt Sitzmöglichkeiten, Wachleute und sanitäre Einrichtungen. Die Besucher holen sich dort der Reihe nach eine Karte ab, mit der sie später Zugang zur Ausländerbehörde erhalten. Dass damit irgendwann Schluss ist, wenn zu viele Leute kommen, sei nötig, um "an den Öffnungstagen eine dauerhafte Überlastung der Ausländerbehörde zu vermeiden", teilt der Kreis Kleve auf Anfrage mit. Und weiter: "Ob Personen bereits am Vorabend nach Kleve reisen, ist nicht bekannt." Man habe aber noch einiges getan, um des großen Andrangs Herr zu werden: ein Terminvergabesystem eingeführt, mehrfach die Öffnungszeiten angepasst, Personal aufgestockt.

(RP)