Heimwerker-Humor bei den „Hammerfrauen“ in Kevelaer

Musical : „Hammerfrauen“ geben in Kevelaer den Ton an

Die Damenwelt im Heimwerkermarkt: Im Konzert- und Bühnenhaus wurde bei dem Musical viel gelacht.

Manchmal hat Frau es nicht leicht: Eigentlich hat Julia (Anastasia Troska) in Marc (Christian Miebach) ja die Liebe ihres Lebens gefunden. Theoretisch, denn sie brachte es nie übers Herz, ihm zu sagen, dass sie nicht nur seine Heimwerker-Anwandlungen nicht mag, sondern auch selber Umbauarbeiten hasst.

Richtig bewusst wird Julia ihre Situation, als sie von ihrem Mann zur anstehenden Hochzeit einen Kurs im Fliesenlegen im örtlichen Heimwerkerladen geschenkt bekommt. Dort trifft sie dann nicht nur auf die beiden Angestellten Enno (Dirk Hinzberg) und Patrick (Marco Billep), sondern auch auf drei eigenwillige Damen: Yvonne (Isabel Varell) ist resolut und durchgreifend, Kim (Eva Löser) sieht den Kurs eher als günstigen Partyersatz und Cornelia (Caroline Beil) ist nur auf den ersten Blick die typisch zurückgenommene Intellektuellengattin, die ihrem Mann mal zeigen will, wie der Kleister gerührt wird.

Als es Julia langsam dämmert, dass sie auf eine Ehe hinsteuert, die bereits mit einer Hausrenovierung und dem Motto: „Splitterwochen, statt Flitterwochen“ beginnt, bekommt sie die absolute Panik. Die durchgeknallten Damen ihres Kurses reagieren so schnell wie überraschend: Enno und Patrick werden zu Geiseln und der Heimwerkermarkt wird kurzerhand besetzt. Doch wie soll das Julia mit ihren Problemen helfen?

Das Musical „Hammerfrauen“ wurde durch das Ensemble von „Die Wühlmäuse – Das Berliner Kabarett-Theater“ auf die Bühne gebracht. Die durchgeknallte Geschichte von Autor Robert Löhr mit Musik und Songtexten von Benedikt Eichhorn und Michael Frowin hält sich dabei nicht mit Kleinigkeiten und subtilen Elementen auf, sondern geht, passend zum Thema, sowohl was Gags als auch Charakterisierungen angeht mit dem Holzhammer vor: Slapstick, deftige Wort- und Gestenspiele sowie der genussvolle Umgang mit Klischees werden großgeschrieben.

Abgerundet wird das Ganze mit exzellentem Timing und viel Spielfreude, was zu zahlreichen Lachmomenten mit Szenenapplaus im gut besuchten Konzert- und Bühnenhaus führte. Das Leitungsteam aus Craig Simmons (Regie), Jochen Kilian (Musik), Betty Dir (Choreografie) und Nini Stadlmann (Umbesetzungsproben) servierte fantastische Musical-Einlagen, die häufig Heimwerker-Utensilien und ähnliche Elemente in die schwungvollen Bewegungsabläufe einbrachten.

Ebenso hatte „Hammerfrauen“, im Gegensatz zu manch anderen Musicals, nicht das Problem, dass die Gesangs- und Tanzmomente die Geschichte ausbremsten, sondern sie führten fast immer die Handlung weiter und vertieften die Emotionen der jeweiligen Charaktere. Dass der Inhalt immer weiter in absurde Dimensionen abdriftete, gefiel den Zuschauern: „Es ist ja komplett verrückt, was da passiert, aber deshalb kann man auch so schön darüber lachen“, meinte Besucherin Jasmin Graf und lobte: „Die gesamte Musik ist einfach nur wunderbar. Besonders gefällt mir die Darstellerin der ‚Julia‘, die ist einfach super!“

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