Kevelaer: Heimatwissen ins Internet retten

Kevelaer: Heimatwissen ins Internet retten

Bräuche, Traditionen, Geschichte: Was an Wissen früher der Opa an den Enkel weitergab, geht heute oftmals verloren. Die VHS will das ändern. In Zusammenarbeit mit Wikipedia werden Autoren mit "Silberwissen" gesucht.

Kevelaer/Weeze Über Musiker wie Lady Gaga oder die Rolling Stones gibt es im Internet einen nicht enden wollenden Pool an Informationen. Sucht man jedoch Artikel über die Historie von Kevelaerer Kirchen oder Traditionen, bekommt man weitaus weniger und lückenhaftere Treffer auf den Suchseiten. Selbst das Online-Lexikon Wikipedia (Wiki) stößt da an seine Grenzen. Doch das soll sich ändern: In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) Goch/Kevelaer/Uedem/Weeze sucht Wiki Autoren, die mit lokalem Wissen glänzen.

Das kostenlose Projekt "Silberwissen" wird in der neu eröffneten Computerwerkstatt in der Öffentlichen Begegnungsstätte Kevelaer angeboten. "Wir wollen jeden ansprechen, der Interesse hat, sein Wissen auf Wikipedia mit der Öffentlichkeit zu teilen. Um mitzumachen, muss niemand vorher eine Doktorarbeit schreiben", erklärt VHS-Direktor Theo Reintjes. Ob Hausfrau, Fachmann für einen bestimmten Beruf oder eine außergewöhnliche Sportart, oder Heimatforscher — der Bandbreite ist bei diesem Projekt keine Grenze gesetzt. Auch nicht vom Alter her: " Es heißt zwar Silberwissen, aber das soll kein K.O.-Kriterium für Jüngere sein", sagt Reintjes.

Auf einem ersten Informationsabend können sich Interessierte darüber informieren, welches Wissen für Wiki-Einträge interessant ist, worüber man schreiben kann, und wie man es umsetzt. Wer dann Blut geleckt hat, der kann an dem zweitägigen Workshop teilnehmen, in dem es ans Eingemachte geht, nämlich ans Schreiben. "Wir glauben, dass gerade die ältere Generation, die schon in Rente ist, die Zeit und auch viel zu berichten hat. Dieser Wissensschatz der Zeitzeugen sollte nicht einfach verloren gehen", untermauert Stefan Reudenbach, Leiter der Begegnungsstätte.

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Auch Reinhard Peters, Fachbereichsleiter EDV der VHS, ist glücklich über die Zusammenarbeit mit Wikipedia. "Wir sind sehr froh, dass wir den Kursus kostenfrei anbieten können, da der Dozent von Wikipedia selbst kommt", sagt er.

Kreativ arbeiten und in die Geheimnisse von Wikipedia eingeführt werden die Teilnehmer im neuen Computerraum in Kevelaer. Den hat die VHS erst im März bezogen, nachdem die ehemaligen Räume in Weeze aufgrund von Sparmaßnahmen gekündigt werden mussten. Insgesamt zehn Computerplätze gibt es. "Sollte die Resonanz sehr groß sein, bekommen wir das auch hin. Vielleicht bieten wir dann einen Folgekursus an", versichert Reudenbach.

Nicht nur selber schreiben, auch verquere Artikel korrigieren und ergänzen können die Teilnehmer. Zudem biete sich gerade für Heimatforscher eine ideale Plattform.

(RP)
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