Ausstellung: Heilige treffen auf Superhelden

Ausstellung: Heilige treffen auf Superhelden

Im Niederrheinischen Museum in Kevelaer hat die Ausstellung „Helden und Heilige“ begonnen. Vom Heiligen Petrus bis Supermann schlägt sie einen kulturgeschichtlichen Bogen über Jahrtausende.

König Artus hält den Gralsbecher in der Hand, er ist betrunken und gealtert, aber er trägt eine Krone und sieht trotz menschlicher Schwäche würdig aus. Mit ihm in einer Reihe sind die Jagdgöttin Diana, Batman, Maria Magdalena, Europa und der Heilige Petrus zu sehen. Die großen Gestalten der Sagenwelt und Glaubensheiligen zeigen wie Artus menschliche Züge und menschliche Unzulänglichkeiten.

Die Sechserreihe, die der Gocher Künstler Martin Lersch gezeichnet hat, ist das erste Exponat der Sonderausstellung „Helden und Heilige – Vom Heiligen Petrus bis Supermann“, die jetzt im Niederrheinischen Museum in Kevelaer begonnen hat. „Das Thema verbindet unterschiedliche Kulturräume und Epochen der Kulturgeschichte über vier Jahrtausende“, so Wolfgang Spreen, der sowohl als Landrat als auch als Vorsitzender des Trägervereins des Museums die Eröffnung übernahm.

Veronika Hebben, seit Juli neue Museumsleiterin, betonte in ihrer Einführung besonders die Vielfalt der Objekte. „Jede Gestalt wäre ein eigenständiges Thema, wir möchten aber Verbindungen aufzeigen. In den von Menschen verehrten Figuren mischen sich Glaube und Fantasie, Realität und Fiktion“, sagte sie. Sie dankte ihren Mitarbeitern, dass die Ausstellung in nur drei Monaten fertiggestellt werden konnte.

Im Ausstellungsraum gibt es neben Skulpturen und bildlichen Darstellungen der „Helden“ viel zu entdecken. Heiligenerzählungen zum Beispiel über Nikolaus von Myra oder den Heiligen Georg sind ausführlich nachzulesen. Eine ganze Wand zeigt eine große Zahl von Andachtsbildchen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Die Darstellung des Heiligen Ignatius ist mit kleinen Glitzersteinchen geschmückt und mutet an wie ein Glanzbild aus ferner Vergangenheit. Einige Exponate sind Leihgaben der Dombauhütte Köln, so die Heilige Veronika von Peter Domenicus Fuchs (1829-1898). Zu allen Zeiten wurden Heldengeschichten als Bildergeschichten erzählt.

Die „Irrfahrt des Odysseus“ ist zu sehen aus einem Blatt des „Deutschen Bilderbogens“ um 1900. Nichts anderes als ein Comic, der auch in vielfältiger moderner Ausführung zu sehen ist: Spiderman, Wonder Woman, Avengers – der Musemsbesucher kann nicht nur Seiten aus den Heften betrachten, sondern sie auch in die Hand nehmen und lesen. „Die ersten amerikanischen Action-Helden kamen in den 30er Jahren auf“, betonte Veronika Hebben. Und sie erinnerte daran, dass zu jeder Heldengeschichte auch ein „Bösewicht“ gehört, den der Superheld bekämpft. Für ihn selbst sei die Geschichte meist nicht mit Happy End ausgegangen, für die „Geretteten“ jedoch immer. Zur Heldendarstellung gehört auch der Film.

Deshalb kann man in der Ausstellung auch „Superman Returns“ von Bryan Singer aus dem Jahre 2007 sehen. Die Firma Lego hat eine große Zahl von heldenhaften Spielfiguren hergestellt, die beispielhaft gezeigt werden.

„Unsere Ausstellung soll nicht nur kulturgeschichtliche Epochen verbinden, sondern auch Generationen“, erklärte Veronika Hebben. „Eltern, Großeltern und Kinder können ihre Helden wiederentdecken oder kennen lernen.“ Für Kinder wurde ein Quiz entwickelt.

Nicht nur Informationen über die Heiligen der Kirche und die Superhelden der Kindheit bieten die Auslagen, sie regen auch an, darüber nachzudenken, warum Menschen andere Menschen besonders verehren. „Unglücklich das Land, das Helden braucht“, zitierte Veronika Hebben eingangs den Schriftsteller Bertolt Brecht. „Sicher möchte jeder selber stark sein, aber Helden sind dennoch Teil unseres Lebens, wir brauchen sie“, betonte die Museumsleiterin.

Zur Eröffnung waren zahlreiche Gäste gekommen. Die zehnjährige Victoria Peters sorgte mit drei beeindruckenden Darbietungen auf dem Flügel für einen festlichen musikalischen Rahmen.

Die Sonderausstellung dauert bis zum 21. Oktober. Öffnungszeiten des Museums in Kevelaer sind täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr.