Kevelaer: Halbzeitbilanz im Twitterformat

Kevelaer: Halbzeitbilanz im Twitterformat

Es war eine Riesenüberraschung. In der früheren CDU-Hochburg Kevelaer wurde ein SPD-Mann Bürgermeister. Auch 2020 will er wieder antreten. Jetzt startet er in den zweiten Teil der Wahlperiode und zieht eine erste Bilanz.

Die musste kurz und bündig ausfallen: Für die Fragen von Sebastian Latzel blieben ihm nur 280 Zeichen pro Antwort.

Wie nutzen Sie selbst Twitter und soziale Medien?

Pichler Ich nutze Facebook, das muss reichen. Ich habe eine private und eine Politikerseite und kommentiere die Kommunal-, Landes- und Bundespolitik. Es wird schon genug getwittert, das muss ich nicht auch noch machen.

Wie fühlt man sich als Bürgermeister?

Pichler Meist beschäftigt. Wenn etwas gelingt, freue ich mich, ich arbeite für meine Heimatstadt. Doch wie immer im Leben muss man auch als Bürgermeister mit Rückschlägen klarkommen. Ich nehme gern am gesellschaftlichen Leben teil, auch in den Ortschaften, und das macht große Freude.

Was hat Ihnen am meisten Freude bereitet?

Pichler Die etwas überraschende Entscheidung des Rates pro Mehrzweckbecken in meiner ersten Ratssitzung als Bürgermeister.

Was hat Sie am meisten geärgert?

Pichler Dass ich bei den Kindergartenbeiträgen keine Mehrheit für eine Senkung bekommen habe. Gerade kinderreiche Familien benötigen finanzielle Entlastung. Das habe ich schon gefordert, als ich noch einfaches Ratsmitglied war.

Welche Entscheidung würden Sie heute anders treffen?

Pichler Die Bürger haben bei den Planungen zur Hauptstraße und zum Mechelner Platz nicht den Eindruck gehabt, dass ihre Meinungen und Einwände beachtet werden. Ich kann nachvollziehen, woran das liegt, und würde das versuchen zu korrigieren.

Wie hat sich das Amt auf Ihr Familienleben ausgewirkt?

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Pichler Ich hatte ja schon als selbständiger Strafverteidiger wenig Zeit, aber gerade an den Wochenenden ist die freie Zeit für die Familie noch weniger geworden. Wir versuchen uns zu arrangieren und freuen uns auf die gemeinsamen Urlaube.

Was sagen Sie den Saunafreunden, wenn die sagen, eine Schließung der Sauna sei nicht nötig gewesen?

Pichler Es gibt zu vielen Fragen unterschiedliche Blickwinkel. Um das Mehrzweckbecken zu realisieren, war die Schließung erforderlich. Das wurde vom Kevelaerer Rat mehrheitlich auch so entschieden. Manchmal kann man mit einer Entscheidung nicht alle glücklich machen.

Welche Wünsche haben Sie zum Verkaufsoffenen Sonntag?

Pichler Rechtssicherheit. Darüber hinaus hoffe ich, dass die Aufstockung auf demnächst acht verkaufsoffene Sonntage tatsächlich den Handel in der Stadt stärkt.

Was sagen Sie Kevelaerern, die über die Baustellen stöhnen?

Pichler Die betroffenen Unternehmer kann ich gut verstehen. Sie und die Kevelaerer Bürger kann ich nur um Geduld bitten. Wir tun unser Bestes, die Bauzeit möglichst kurz zu halten.

Wie oft telefonieren Sie noch mit Axel Stibi?

Pichler Vielleicht zwei- oder dreimal im Jahr. Das ist meist anlassbezogen. Und wir sehen uns zweimal im Jahr, weil er bei der Wallfahrtseröffnung und zum Wallfahrtsabschluss weiterhin nach Kevelaer kommt. Wir haben ein gutes Verhältnis.

Wie oft waren Sie seit Ihrer Wahl noch im Gerichtssaal?

Pichler Einmal noch, allerdings in einer alten Gebührenstreitigkeit mit einer Exmandantin. Ansonsten muss ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagen: Kein einziges Mal. Ich war sehr gerne Strafverteidiger und bilde mich auch weiterhin in diesem Bereich fort.

Warum wollen Sie noch einmal kandidieren?

Pichler Manche Dinge sind begonnen und noch nicht abgeschlossen, andere Dinge habe ich noch vor. Fünf Jahre sind zu kurz, wenn man die Chance erhält, seine Heimatstadt gestaltend zu begleiten. Es gibt immer noch viel zu tun, was ich erledigen möchte.

(RP)
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