Gymnasium Kevelaer bringt das Stück "Gnadentod" auf die Bühne

Theater in Kevelaer : „Gnadentod“ – zurück in die Nazizeit

Deutsche Geschichte wurde von der Theater-AG der Oberstufe des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums im Konzert- und Bühnenhaus in Kevelaer aufgeführt. Es war ein Stück, das die Zuschauer gefangen nahm.

Der Saal verdunkelt sich und plötzlich ertönen ohrenbetäubender Donner und Schreie durch die Soundanlagen. Der Einstieg in das Theaterstück, geschrieben von Ingrid Storz, ist heftig, jedoch bewirkt es seinen Zweck. Die Nazizeit und der Erste und Zweite Weltkrieg werden durch diese Effekte mit Dramatik eingeleitet. „Für alle, die unsere Geschichte etwas vergessen haben“, mit diesem Satz leitet die Theater-AG des Abiturjahrgangs des Kevelaerer Gymnasiums in die Aufführung ein.

Der „Gnadentod“ war eine schreckliche Maßnahme der Nazis ab 1939 und wird in dem Theaterstück nach einer wahren Begebenheit für die Besucher anschaulich erklärt. Die Zuschauer erleben, was es heißt, dass „nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Gesundheitsstandes der Gnadentod gewährt werden kann“. Diese von Hitler unterschriebene Verfügung brachte vielen Opfern den Tod, auch wenn sie im Ersten Weltkrieg noch als stolze Soldaten für ihr Land gedient hatten, wie der Hauptdarsteller Eugen Bitter in diesem Theaterstück.

Die Aufführung beginnt nach den Audio-Einspielungen mit der Einleitung in das Geschehen. Eugen Bitter, Schuhmacher, engagierter Hobby Musiker und Sozialdemokrat, wacht aus einem Albtraum von seinen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg auf. Der Krieg ist längst vorbei doch es wird schnell klar, dass es Folgen gibt, die Eugen für immer begleiten werden. Auch wenn zuerst alles normal zu sein scheint, verändert sich die Situation, als Hitler und die Nazis immer mehr Macht gewinnen. Noch musiziert Eugen fröhlich auf seiner Geige, doch als auch sein Sohn Max der Hitlerjugend beitritt und eine jüdische Freundin seiner Tochter Lena spurlos verschwindet, kann er nicht mehr ignorieren, was in Deutschland und besonders in seinem eigenen Leben passiert.

Die Ereignisse spitzen sich zu als in der Reichsprogromnacht ebenfalls das Geschäft eines jüdischen Nachbarn zerstört wird, der später von der Gestapo abgeführt wird. Auch in Eugens Familie läuft so einiges schief. Max ist begeisterter Anhänger der NSDAP und hat sich freiwillig an die Front gemeldet. Währenddessen geschieht es. Eugens altes Trauma aus dem vergangenen Krieg kehrt zusammen mit Kopfschmerzen, verursacht durch den Splitter einer Granate, zurück und er wird von Stress und schlaflosen Nächten geplagt. Kurz darauf fühlt er sich zunehmend von zwei SA-Männern verfolgt und seiner Familie wird klar - mit ihm stimmt etwas nicht.

Nach mehreren Halluzinationen und Agressionsanfällen entscheidet er sich, den Splitter in einer Operation entfernen zu lassen und wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Innerhalb von kürzester Zeit erhält die Familie jedoch einen Brief – Eugen sei letzte Nacht verstorben, an einem anderen Standort, als er sich eigentlich befinden sollte.

Anscheinend war er spontan verlegt worden, bevor er auf plötzliche Weise verstarb. Die Familie ahnt, was Eugen zugestoßen ist – es ist der „Gnadentod“.

Die Schauspieler der Theater-AG haben dieses schwierige Thema beeindruckend vorgestellt und konnten sich gut auch in viele verschiedene Rollen hineinversetzen. Sei es ein SA-Mann, eine Ärztin im neurologischen Krankenhaus oder Eugen selbst, der eine harte Zeit durchmacht. Gewiss ist es nicht einfach, anstatt einer unterhaltsamen Komödie dieses ernste und schwierige Thema in einer Schulaufführung vorzustellen, doch die Theater-AG hat diese Hürde gut gemeistert.

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