Gründer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Weeze begraben

Weezer Geschichte : Erinnerung an Siegfried Eulen

Der Gründer des 100 Jahre alten Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist in Weeze bestattet.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Einer seiner Gründer, Siegfried Eulen, ist in Weeze bestattet. Aus diesem Anlass findet am Sonntag, 10. November, um 15 Uhr im Bürgerhaus Weeze eine Veranstaltung statt, in der die wechselhafte Geschichte des Volksbundes und die Rolle Eulens vorgestellt werden. In einer anschließenden Podiumsdiskussion werden die Besonderheiten der deutschen Erinnerungskultur diskutiert.

Bereits um 13 Uhr bietet die Gemeinde Weeze eine Führung über die Kriegsgräberstätte Weeze, Uedemer Straße 25, an. Beide Veranstaltungen sind öffentlich und kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon 0221 2577169.

Die Geschichte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge beleuchtet der Historiker Wolfgang Kruse. Er ist Experte für die Geschichte des Vereins. Gemeinsam mit drei weiteren Historikern hat er die Geschichte des Volksbundes wissenschaftlich erforscht. In Weeze wird er besonders auf die Rolle Siegfried Eulens eingehen.

Anschließend diskutieren Historiker und Nicht-Historiker mit Prof. Kruse über die Besonderheiten deutscher Erinnerungskultur. Es wirken mit: Weezes Bürgermeister Ulrich Francken, Christiane Underberg, Landtagsabgeordneter Günther J. Bergmann, Bünyamin Werker (Universität Köln) und Ralph Trost (Ruhr-Universität Bochum). Moderiert wird die Veranstaltung von Jens Krepela.

Eine bekannte Besonderheit von Weeze ist der internationale Flughafen. Weitaus weniger bekannt ist eine andere Besonderheit: die Siegfried-Eulen-Straße. Nirgendwo sonst gibt es eine Straße, die nach Siegfried Eulen benannt ist.

Wer war dieser Siegfried Eulen, der am 23. September 1890 in Cloppenburg geboren wurde und am 20. Januar 1945 in Weeze verstorben ist? Dr. Siegfried Emmo Eulen, so sein vollständiger Name, war im Ersten Weltkrieg so genannter „Gräberoffizier“ und hat sich in dieser Funktion um die Bestattung gefallener deutscher Soldaten gekümmert. Diese Tätigkeit ließ ihm auch nach dem Krieg keine Ruhe. Gemeinsam mit anderen ehemaligen Gräberoffizieren gründete er am 16. Dezember 1919 eine Organisation eigens zu diesem Zweck. Der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“, so der Name des Vereines, sollte auf den ehemaligen Schlachtfeldern, die alle jenseits der deutschen Grenzen lagen, nach gefallenen Soldaten suchen, sie identifizieren und auf ordentlichen Friedhöfen würdig bestatten.

 Eulen blieb dem Verein sein Leben lang treu und gestaltete den Volksbund bis zu seinem Tod maßgeblich mit – in der „Weimarer Republik“, im „Dritten Reich“ und während des Zweiten Weltkrieges. Dabei vertrat er nationalistische Positionen, näherte sich den Nationalsozialisten an und trat 1933 der NSDAP bei. Dem von ihnen verursachten Zweiten Weltkrieg fiel er schließlich selbst zum Opfer. Eulen, der sich einen großen Teil seines Lebens um Kriegsgräber gekümmert hatte, erhielt nun selber eines – und zwar auf der Kriegsgräberstätte Weeze.

Der von ihm gegründete Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge pflegt im Auftrag der Bundesregierung mehr als 2,8 Millionen Kriegsgräber beider Weltkriege. Darüber hinaus organisiert er internationale Jugend- und Bildungsprojekte, an denen jährlich bis zu 20.000 junge Menschen teilnehmen. In diesem Jahr begeht er den 100. Jahrestag seiner Gründung. Aus diesem Anlass hat er seine Geschichte wissenschaftlich erforschen lassen. Vier Historiker haben im September das Buch „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Entwicklungslinien und Probleme“ (erschienen im Bebra Wissenschaftsverlag) vorgelegt. Auch Eulen und seine Rolle werden darin ausführlich beschrieben.

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