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Kevelaer: Großer Lehrermangel an Hauptschule

Kevelaer : Großer Lehrermangel an Hauptschule

Die Statistik des Landes weist nach, dass die Schüler-Lehrer-Relation an Haupt- und Realschulen sich stetig verbessert. Rektor Ralph Lenninger staunt: Ihm fehlen mindestens acht Kollegen. Die verbleibenden leisten Überstunden.

Immer mehr Lehrer für immer weniger Schüler — diese Entwicklung teilte das Statistische Landesamt NRW vor wenigen Tagen mit. Ende 2011 waren sowohl an Haupt- und Realschulen, als auch an Gymnasien landesweit mehr Lehrer beschäftigt als in den Jahren zuvor. Und das bei weniger Schülern (Gymnasien wuchsen leicht). Wenn Ralph Lenninger solche Aussagen hört, schüttelt er mit dem Kopf. Der Leiter der Kevelaerer Hauptschule erfährt die Situation anders: Abgesehen von der knappen Stellenbemessung muss er mit acht Langzeitkranken "Schule machen". Und das in der geforderten Qualität, mit individueller Förderung jedes Schülers und möglichst ohne Unterrichtsausfall.

"Einen solch absoluten Notstand habe ich in 35 Jahren Lehrerdasein noch nicht erlebt", sagt der Kevelaerer. 40 Kollegen hat er, darunter auch einige in Teilzeit oder stundenweise an andere (Förder-)Schulen abgeordnet. Und von diesen 40 sind acht für mehrere Wochen krank. Bei mindestens dreien davon geht Lenninger davon aus, dass sie auch nach den Ferien nicht gleich wiederkommen.

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"Das Schlimmste daran ist, dass die Atteste ohne Prognose verlängert werden. Und sollange nicht klar ist, wie lang die Kollegen fehlen, kann ich auch keinen Ersatz beantragen." Denn bis die Stelle ausgeschrieben und neu besetzt wäre, käme der Genesene womöglich schon wieder zurück.

Michael Cuypers, der Rektor der Realschule, hat solche Probleme derzeit nicht. "Ich bin zwar mit zwei Stellen unterbesetzt, das gilt aber nicht als schlecht. Anderen Realschulen im Kreis fehlen vier Lehrer." Cuypers fehlen insbesondere Sport- und Physiklehrer. Externe Bewerber, die sich bei ihm melden, bringen selten die benötigten Kompetenzen mit. Zu seinem Glück ist der Krankenstand gering. Mit Ausnahme jahreszeitlich bedingter Kurzausfälle sind alle Kollegen an Bord.

Rektor Lenninger stimmt der Vermutung zu, dass einige seiner Hauptschullehrer durchaus frustriert sind. Der Beruf ist hart, die Kollegen sind im Durchschnitt über 50 Jahre alt, die Hauptschul-Klientel stellt an die Pädagogen hohe Anforderungen. Bei vielen bestehe ein Disziplin-Problem. "Kleine Klassen und individuelle Lerngruppen sind da ganz wichtig." Stattdessen muss er — wegen des Lehrermangels — Gruppen zusammenlegen. Dass Kevelaers Hauptschule mehrere Ganztags- und GU-Klassen hat (gemeinsamer Unterricht Behinderter und Nicht-Behinderter) macht die Sache nicht einfacher. Letztgenannte müssen parallel von zwei Lehrern unterrichtet werden. "Zu all dem kommt hinzu, dass die Kollegen nicht wissen, was in einigen Jahren aus ihnen wird. Ob sie etwa künftig an einer Sekundar- oder Gesamtschule unterrichten werden." Denn die Schulform Hauptschule läuft bekanntlich aus — auch in Kevelaer.

(RP)