1. NRW
  2. Städte
  3. Kevelaer

Goldschmiede Polders in Kevelaer seit Generationen da

Sakrale Handwerkskunst : Wachwechsel in der Wunderwelt der Steine

Wilhelm Polders IV. geht in Ruhestand, sein Bruder Ludger und dessen Sohn Benedikt übernehmen. Die Familie blickt zurück auf mehr als 150 Jahre Familientradition im Goldschmiedehandwerk. Der christliche Glaube spielte immer eine wesentliche Rolle.

Auf den ersten Blick ist kein Unterschied zu sehen. Wilhelm Polders begrüßt freundlich die Kundin, berät, macht das, was er am liebsten tut: eine Freude. Die Kundin holt ihre in Auftrag gegebene Goldschmiedearbeit ab und ist glücklich. Für Polders ist der Augenblick besonders. Es ist sein offiziell letzter Arbeitstag. Zeit zurückzublicken. Und der Blick reicht weit zurück. Seit 1862 gibt es die Goldschmiede der Familie Polders auf der Hauptstraße in Kevelaer. Weil der Gründer ebenfalls den Namen Wilhelm trug, handelt es sich bei dem angehenden Ruheständler um Wilhelm IV. Sein Bruder Ludger und dessen Sohn Benedikt führen die Familientradition weiter. Beide sind Goldschmiede. Ludger Polders war in den vergangenen Jahren in der Buchhandlung Bercker tätig, verlernt hat er das Goldschmiedehandwerk nicht.

Auf dem Tisch, zwischen den beiden Brüdern Wilhelm und Ludger, liegt eine filigrane Arbeit: ein goldener Reif mit drei Turmalinen. Die Steine zeigen ein helles Rosé und dunkles Grün. „Das ist eine aktuelle Farbkombination“, sagt Ludger Polders. Sein Bruder erzählt von dem Inhalt, der Wirkung, der Freude, die so ein Schmuckstück verbreitet. „Besonders an dunklen Tagen kann man sich an der Wunderwelt der  Steine erfreuen.“ Die Steine sieht er, wie alles im Leben, als Gottesgeschenk. Die Nähe zur Kirche lässt sich nicht leugnen. Regelmäßig hört Wilhelm Polders den Klang der Kirchenglocken von St. Marien, wenn er in seinem Geschäft an der Hauptstraße ist. Wenn er mit dem Rad an der Gnadenkapelle vorbeifährt, schickt er an Maria einen Gruß.

In der Basilika steht auch ein Polders-Werk. Den Tabernakel mit den beiden Engeln und dem lehrenden Jesus hat sein Vater Wilhelm III. gefertigt. Auf sein Lieblingswerk angesprochen holt Wilhelm IV. eine goldene Münze. Die Arbeit hat er gefertigt als Mutter Teresa nach Kevelaer kam. Die Münze zeigt die Mutter Gottes mit dem Schriftzug „Consolatrix Afflictorum ora pro nobis“ („Trösterin der Betrübten, bete für uns“). Möglichst schlicht und nicht zu verspielt sollte die Darstellung sein, sagt Wilhelm Polders. Viele Male ist so eine Münze schon verkauft worden, an Priester, an Eheleute, für Menschen im Krankenhaus, Trauernde, zur Geburt. Unendlich viele Geschichte stecken dahinter, sagt Polders. Auf die Frage, was in seinem Beruf denn mehr zählt, die Kunst oder das Handwerk, zitiert der 64-Jährige: „Handwerk, Werk der Hand, beseelt vom Herzen, geleitet vom Verstand.“ Inspirationen holt er sich unter anderem in der Natur. „Blumen, Blüten, Blätter“, zählt er auf, hätten oft die wunderlichsten Formen, die Wolkenbilder tolle abstrakte Formen. Sein Vater hat einmal eine ganze Kollektion aus nachgebildeten gewölbten Blättern kreiert, in dessen Mitte eine Perle gesetzt wurde. Mit acht Jahren schaute Wilhelm IV. bereits seinem Vater bei seinen Arbeiten über die Schulter, begleitete ihn auf seinen Fahrten zu Kunden. So gesehen kämen über 50 Jahre zusammen, sagt der Kevelaerer lachend auf sein Berufsleben zurückblickend. Wie oft er trotz Ruhestand noch zum Werkzeug greifen wird, weiß er nicht zu sagen. „Ich warte darauf, was die Kunden wünschen und bin da, wenn mein Bruder sagt: ,Komm’ mal vorbei’“, verspricht der 64-Jährige. Ansonsten lautet sein Motto: „Abwarten, was der liebe Gott noch mit einem vorhat.“