Gestaltung der Innenstadt Kevelaer: Neue Perspektive

Kevelaer: Außengastronomie am Kapellenplatz?

Der Kevelaerer Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung tagte im Rathaus. Eine Reihe von Punkten standen auf der Tagungsordnung. Die Themen wurden von den Parteivertretern kontrovers diskutiert.

Eine vollkommen neue Perspektive eröffnete sich den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung in Kevelaer. Und zwar, nachdem Thomas Selders als Vertreter der Kirchengemeinde St. Marien Kevelaer die Stellungnahme des Kirchenvorstands vorgetragen hatte. „Wir können uns grundsätzlich eine Außengastronomie am Kapellenplatz mit einer Tischreihe vorstellen, am Luxemburger Platz auch noch mehr Reihen zulassen.“ Die Kirchenvertreter seien zudem nicht auf eine Wegeführung fixiert. Klare Wege ja, aber schließlich seien drei Vorentwürfe zur Beratung angedacht. Die neue Planung solle möglichst ohne fließenden Pkw-Verkehr gelenkt werden. Selders regte an: „Können wir nicht für den Luxemburger Platz eine neue Vision finden? Wie wollen wir ihn in den nächsten Jahrzehnten haben?“ Auch der Durchgang zum Museum könne optimiert werden.

Wolfgang Röhr nahm die Anregung zur Kenntnis, aber für die Grünen-Fraktion ändere sich trotzdem nicht, dass der Baumbestand an den Plätzen möglichst erhalten bleiben soll. Paul Schaffers (CDU) schwenkte um, dass wegen der möglichen Außengastronomie neue Grundlagen erarbeitet werden könnten. Schließlich meldete sich Bürgermeister Dominik Pichler zu Wort: „Ich ärgere mich über die Entwicklung. Denn ich halte es für unredlich, zuerst eine Stadtplanerin in die Planung rein zu jagen.“ Nach ihrem Entwurf und der darauffolgenden Bürgerversammlung komme dann heraus, dass die Bäume erhalten bleiben sollen. „Es geht hier um Verlässlichkeit der Politik auf kommunaler Ebene. Um klar zu stellen: ich persönlich war schon vor fünf Wochen dafür, dass die Bäume bleiben sollen.“ Nach aller Diskussion könne man sich derartige Planungen sparen, wenn herauskomme: Es soll so bleiben, wie es ist. „Dazu brauchen wir keine Vision!“ Thomas Selders räumte ein, dass zunächst ein Ziel definiert werden solle, um ein vorschnelles Handeln auszuschließen.

Heinz-Josef van Aaken (KBV) erinnerte an die Bürgerversammlung, aus der die Politiker eine klare Meinung mitgenommen hatten. Es gehe ihm prinzipiell um das Kernthema, die Kevelaerer Innenstadt interessant zu machen. Alles solle als ein Ensemble gesehen werden, an dem sie nicht einzeln „herumdoktern“ sollen. Einen roten Faden müsse es geben, und dabei sogar noch die Baudenkmäler mit einbeziehen. Wilhelm Gerats (FDP) sprach von einer Verkettung von Missverständnissen, plädierte für eine Vertagung der Entscheidung.

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Horst Blumenkemper fasste für die Sozialdemokraten zusammen, dass hinsichtlich der Erhaltung des Baumbestandes ein Konsens bestehe. Ihm stoße jedoch auf, dass das Gewicht nun auf die Außengastronomie gelegt werde, aber es im Kern nicht das sei, nicht worauf es ankomme. Er appellierte, das Augenmaß zu behalten. Der Charakter der Kevelaerer Innenstadt müsse erhalten bleiben, und Blumenkemper warnte vor einer „Verschlimmbesserung“. Er drängte auf ein baldiges Ergebnis.

Paul Schaffers betonte, dass auch die Kirchengemeinde sich für den weitgehenden Erhalt der Bäume ausgesprochen habe und man angesichts der neuen Situation erneut beraten sollte. „Es wäre fatal, den ursprünglichen Entwurf jetzt heute durchzuziehen.“ Dem CDU-Antrag, die Vorentwurfsplanung während der Sitzung nicht zu beschließen, wurde von zehn Mitgliedern bei sechs Gegenstimmen entsprochen.

Damit dürfte sich die planerische Entscheidung verzögern, prognostiziert Franz Heckens von der Verwaltung. „Wenn im Einvernehmen mit der Kirche neue, andere Lösungen gesucht werden, verschiebt sich die Zeitachse.“ Angesichts der Sommerferien und des Terminkalenders in den Gremien werde es eng für eine Antragstellung bis Ende 2018. Bei einer späteren Entscheidung um ein Jahr könne erst mit einem Baubeginn 2021 gerechnet werden.