Kevelaer: Gepackt von der Sammelleidenschaft

Kevelaer: Gepackt von der Sammelleidenschaft

Beim 48. Grenzlandtauschtag des Briefmarkensammler-Vereins Kevelaer feierte die Gemeinschaft ihr 60-jähriges Bestehen. Die verschiedenen Exponate ließen die Vielfalt der Philatelie erkennen. Viele Besucher kamen.

Der Tauschtag des Sammelvereins zeigt, dass auch kleine Dinge manchmal einen großen Wert haben können. Helmut Schraets, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Briefmarkensammler-Vereins, erklärt, dass Markensammeln ein Hobby ist, in das man viel Zeit, aber auch Geld investieren muss. Das lässt sich auch an den 40 verschiedenen Exponaten der Sammler erkennen, bei denen jeweils die Briefmarken unter einem Thema zur Schau gestellt sind. Unter anderem "Preußen am Niederrhein" oder "Kevelaer im Spiegel alter Ansichtskarten" zeigen interessante geschichtliche Entwicklungen in der Region anhand von Postkarten, Briefmarken und Stempeln.

Die Aussteller haben sich viel Mühe gegeben, um bei dem Tauschtag vielfältige Exponate zeigen zu können. Auf den ersten Blick lässt sich der Wert der Briefmarken meist nicht erkennen, denn oft kommt es auf den Anlass der Briefe oder auch Stempel an, die zu einer bestimmten Zeit gemacht wurden, bemerkt Helmut Schraets. Ein Beispiel seien Briefstempel aus den USA in den fünfziger Jahren. Dort wurden amerikanische Einschreibebriefe eine Zeit nicht mehr gestempelt, und die Postmeister mussten ihre Stempel in Eigenregie entwickeln. "Diese Briefe sind schnell 150 bis 300 Euro Wert", erläutert Helmut Schraets. Die Briefmarken verlieren also manchmal sogar ihre Bedeutung, wenn man sie von den Briefen trennt, da oft der Anlass oder der Stempel ausschlaggebend für den Wert sind. Ein weiteres Beispiel dafür seien alte Liebesbriefe aus Helmut Schraets Familie, die lange unter Geheimhaltung aufbewahrt wurden und so einen großen inhaltlichen Wert haben.

Helmut Schraets berichtet von seinen Anfangsfehlern, als er begann, Briefmarken zu sammeln. Er hatte damals im Alter von sieben Jahren eine Kiste mit Briefmarken von seinem Vater erhalten, die sogar noch aus der Vorkriegszeit stammen. Er hat wie viele andere den Fehler gemacht, alle Marken auszuschneiden oder sie sogar falsch anzukleben, so dass sie durch falschen Kleber unbrauchbar waren. Doch im Verein hat er durch den Kontakt mit anderen Sammlern vieles dazu gelernt und konnte solche Fehler später vermeiden.

Auch die Jugendgruppe ist bei dem Tauschtag vertreten. Helmut Schraets unterstützt die Jugendlichen in der Organisation und hilft ihnen, Fehler zu vermeiden, die er früher selbst gemacht hat. Zusammen mit den jungen Sammlern hat er Teile seines Lebens in Briefmarkenbildern oder Stempeln dargestellt, wie zum Beispiel Tätigkeiten aus seinem Beruf als Lehrer oder seine Lieblingsband, die "Rolling Stones".

  • Goch/Kevelaer : Von der Sammelleidenschaft gepackt

Außerdem kommt der Jugendgruppe ein Teil des Erlöses aus der Tombola zugute. Leider habe der Verein im Moment wenige jugendliche Mitglieder, da der Nachwuchs fehlt. Helmut Schraets erinnert sich noch gut an seine Jugendzeit, in der mehr als die Hälfte seiner Klassenkameraden Briefmarken gesammelt habe. Dieses Hobby ist leider heute nicht mehr so im Trend. Trotzdem haben die Mitglieder der Jugendgruppe viel Spaß am Sammeln und freuen sich über den Teil des Erlöses, der ihnen von der Tombola zugute kommt. Die anderen Teile gehen zum einen an die Loskäufer mit den Preisen und zum anderen an soziale Einrichtungen für hilfsbedürftige Kinder oder an Stiftungen, die sich für notleidende Menschen einsetzen.

Helmut Schraets hat sich auf Feistempel spezialisiert und ist vereinzelt nun schon seit sieben bis acht Jahren auf der Suche nach bestimmten Briefen oder Karten mit besonderen Stempeln. Solche Einzelstücke haben in den meisten Fällen auch ihren Wert. Deswegen werden von ihm auch einige Exponate der Ausstellung als "Geldsammlung" bezeichnet. Viele Sammler haben durch ihre jahrelange Arbeit eine große Menge an wertvollen Einzelstücken angesammelt. Zum Beispiel die "Preußen am Niederrhein"-Sammlung von Dr. Johannes Horlemann sei ein sehr außergewöhnliches und deswegen auch nicht preiswertes Exponat. Die Postkarten und Briefe stammen aus der Zeit von 1850 bis 1867, sind Einzelstücke und vor allem sehr schwer zu finden.

Helmut Schraets hat außerdem eine Motivsammlung zum Thema "Der Stern von Betlehem" entwickelt. Dies sind Marken und Karten mit Motiven aus der Astronomie und Planetenkonstellationen. Besonders selten sei eine Ansichtskarte aus einem Offizierslager im Zweiten Weltkrieg in Pommern, in dem die Postkarten im Lager selbst zu Weihnachten entworfen und gedruckt wurden.

"Es gibt viele Dinge, die auf den ersten Blick leicht zu beschaffen aussehen, jedoch meistens sehr aufwendig aufzutreiben sind", sagt Helmut Schraets. Es lässt sich also erkennen, dass besonders kleine Dinge einen großen Aufwand, viel Geduld und auch Kosten fordern, dann aber umso mehr Qualität und Wert besitzen. Die Mitglieder des Briefmarkensammlervereins können sich über eine spannende Jubiläumsausstellung und einen erfolgreichen Tauschtag freuen.

(RP)