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Kevelaer: Geheimnisvoll genesen

Kevelaer : Geheimnisvoll genesen

Im Kevelaerer Museum wurde gestern das Buch über Spontanheilungen vorgestellt, das Wilhelm van Aaken und Heinz van de Linde geschrieben haben. Es dokumentiert 217 Fälle unerklärlicher Genesungen.

Mit leiser, aber fester Stimme trug die 92-jährige Margarete Kreuels vor etwa 30 Zuhörern vor, was sie als junges Mädchen erlebt hatte: In der Pilgerherberge „Zum St. Joseph“ ihrer Eltern logierte 1934 eine Frau, die nach einem leichten Schlaganfall als stumm galt. Immer wieder pilgerte sie in Begleitung ihrer Schwester nach Kevelaer, bis der Wunsch, selber Marienlieder singen zu können, so mächtig wurde, dass genau dies am 3. September 1934 geschah. Maria Spiertz, so hieß die Frau, flüchtete sich zur jungen Grete, die sie in ihrem Zimmer einschloss, damit sie mit dem unerhörten Ereignis erst einmal allein sein konnte.

Diese und 216 weitere Geschichten finden sich in der Sammlung „Ich bin geheilt“, die die beiden pensionierten Lehrer Wilhelm van Aaken (nach der Pensionierung aus Kevelaer verzogen) und Heinz van de Linde aus Goch zusammengestellt haben. Sie listen Spontanheilungen aus vier Jahrhunderten auf. Herausgegeben hat das 240 Seiten starke Buch der Verein für Heimatschutz und Museumsförderung.

  • Kevelaer : Hohe Ehrung für Heinz-Josef van Aaken aus Kevelaer
  • Serie Vor 375 Jahren : Geheilt "van eene besonder Lammicheyt"
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Mirakel-Bücher

Wilhelm van Aaken und Heinz van de Linde haben Archive bemüht, in Bibliotheken geforscht und uralte für den Wallfahrtsort werbende „Mirakel-Bücher“ studiert. Insgesamt fanden sie 217 sauber dokumentierte Genesungsgeschichten. Interessanterweise betrifft kein einziger dieser Fälle die Heilung eines Kevelaerers, wohl aber sind zehn Gelderner verzeichnet. Alle sind von Zeugen bestätigt und auf ihre Langzeitwirkung hin überprüft worden. Museumsdirektor Burkhard Schwering betonte in seiner Begrüßung, mit der Anthologie werde „eine lange Zeit bestehende Lücke geschlossen“. Die Autoren hätten „durch und durch solide“ gearbeitet und neben der reinen Information auch „eine Quelle der Hoffnung“ geliefert. Kirchenmusiker Friedhelm Olfen aus Goch improvisierte eingangs vieldeutig zu dem Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“.

Sind es übernatürliche Wunder, die in dem Buch beschrieben sind, „Mirakel“, wie man im 17. und 18. Jahrhundert sagte? Dazu maßen sich die beiden Lehrer keine Meinung an, wenngleich van Aaken betonte, dass viele Genesungen medizinisch eben nicht erklärbar seien. Vielleicht mit der hohen psychischen Erwartungshaltung, mit einem krisenhaften Zustand der Krankheit, mit einem Kraftschub durch den unbedingten Glauben . . .

Pfarrer Alois van Doornick von der Gemeinde St. Antonius, der gestern die Geistlichkeit der Marienstadt vertrat, stellte in den Raum, ob es vielleicht angebracht wäre, die Wallfahrt mehr auf die Kranken abzustellen, wie es etwa Lourdes tue. Die „Trösterin der Betrübten“ werde ja vornehmlich bei seelischen Nöten um Hilfe gebeten.

(RP)