Weeze: Fußball statt Videos: ,PietSmiet' aufm Platz

Weeze: Fußball statt Videos: ,PietSmiet' aufm Platz

Der Schwager des angesagten Youtubers Peter Smits hat den 28-Jährigen dazu gebracht, Weezer Kickern neue Sportkleidung zu spendieren und mit ihnen über seinen Beruf zu sprechen. Autogramme waren angesagt.

Irgendwo muss auch ein Star geboren sein - warum nicht in Weeze? Der junge Mann, der am Samstagmittag auf dem Sportplatz des TSV Weeze auflief, na ja, zum Platz schlenderte, hat in gewissen Kreisen inzwischen den Status einer Berühmtheit. Und diese Kreise sind weitläufig: 2,2 Millionen Abonnenten sollen der Youtuber Peters Smits und seine Freunde haben, die gemeinsam den Let's-Play-Kanal "PietSmiet" und einige Nebenkanäle betreiben. Weil er den Jungs aus seinem Heimatort zu einem Satz neuer Trikots und Trainingsjacken verhalf, bestand für die D-Jugend-Kicker des TSV jetzt die Chance, ihr Idol mal ganz aus der Nähe zu erleben.

Es geht vorwiegend um Gaming bei den Videos, die die "Jungs" aus Weeze und Kevelaer drehen und mit denen sie Riesenerfolg haben. Foto: Settnik

Mit 28 Jahren hat der in Weeze aufgewachsene Gamer durchaus die Größe, zu erkennen, dass einigen der Elfjährigen wohl ein Besuch von Cristiano Ronaldo oder Toni Kroos lieber gewesen wäre. Sie sind schließlich begeisterte Kicker und Zocker höchstens nebenbei. Aber ein Autogramm wollten sie dann doch alle haben - auf T-Shirts, Karten, sogar auf dem Handy. Auf ihren neuen Jacken steht sowieso geschrieben, mit wessen Hilfe sie nun Tore schießen: "PietSmiet", der im Logo ein Mikrofon und einen Controller für die Videokonsole untergebracht hat. "Will mehr als nur spielen" steht darunter, was ja für Gaming ebenso gut passt wie fürs Fußballspielen.

Peter Smits, kreativer Kopf seines Unternehmens. Foto: settnik

Der Typ, der sich da in Jeans und Sweatshirt der Mannschaft und dem Trainerteam nähert, sieht erfreulich normal aus. Wer ihn nicht aus seinen Videos kennt, wird ihn für einen großen Bruder eines Spielers halten und natürlich erkennen, dass er der Sohn von Peter Smits aus der Gemeindeverwaltung ist. Denn mit dem Chef des Bauhofs hat er viel Ähnlichkeit. An diesem Nachmittag sind Eltern, eine Schwester, Oma und Schwager mit auf dem Platz. Letzterer ist einer der D-Jugend-Trainer und hat die Trikotspende samt Besuch angeleiert. Hanno Elbers weiß von den 2,2 Millionen Abonnenten, vom Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern, davon, dass in der Branche jeder den Bruder seiner Ehefrau kennt. "Aber wenn er anfängt zu spinnen, holen wir ihn wieder auf die Füße", sagt er.

Vater Peter Smits ist einfach stolz auf seinen Jungen, der "ein unheimlich vernünftiger Kerl" sei. Dass er sein Studium der Medienwissenschaften schon nach den ersten Semestern schmiss hätte vielleicht manche Eltern aufgeregt. "Aber wenn jemand schon mit Anfang 20 sein eigenes Geld verdient, hat man schlechte Karten . . ." Smits "Senior" ist selbst begeisterter ComputerMensch und fand nicht schlimm, dass sein Sohn um Sport einen Bogen machte. "Ich hab' ihn mit dem gefüttert, was wir beide mochten, und das waren eben Computerthemen. Ein Praktikum bei einer Computerzeitschrift hat ihn damals endgültig auf die Spur gebracht."

  • Fußball statt Videos : PietSmiet aufm Platz

Youtuber als Berufswunsch: Davor warnt Piet Smiets allerdings. "Super, wenn's klappt, aber bei den allermeisten ist das nicht so. Viele von euch möchten ja vielleicht auch Fußballstar werden, aber ob es dazu kommt, ist doch eher ungewiss", mahnt er die Jungs. Als er mit Kumpel Dennis Brammen, ebenfalls aus Weeze (und heute mit Smits zusammen Geschäftsführer des Unternehmens ,PietSmiets'), Jonathan Apelt aus Wemb, Sebastian Lenßen aus Kevelaer und einem Duisburger Studienfreund begann, Videos zu drehen und sie hochzuladen, war ja auch keinesfalls abzusehen, was passieren würde. Nicht wenige können das bis heute nicht fassen: Ein Millionenpublikum damit begeistern, zu zeigen, wie man morgens seinen Saft trinkt? Oder andere beim Spielen zugucken lassen?

"Das ist doch beim Fußball schauen auch nicht anders", sagt der 17-jährige Fan Joel, der behauptet, etwa die Hälfte der 19. 000 PietSmiet-Videos gesehen zu haben. Einige machen was, andere sehen es sich an, lernen was, haben Spaß: "Darum geht's."

Tatsächlich dankt einer der jüngsten Fans für einen Tipp, der etwas damit zu tun hat, wie man ohne eigene Konsole mittels eines Controllers und einer minimalen Extra-Investition sogar aufwendige Spiele auf dem Handy spielen kann. Ist hoffentlich legal.

Allen genervten Eltern versichert der 28-Jährige, dass nichts dagegen spricht, neben Videospielen auch noch andere Hobbys zu haben. "Ich war zum Beispiel bei den Messdienern und lange bei den Pfadfindern", sagt der Weezer. Bloß mit Sport hatte er nie was am Hut. Da guckt er lieber anderen beim (Fußball-)Spielen zu.

(RP)