Kreis Kleve: Flughafen muss Geld verdienen

Kreis Kleve: Flughafen muss Geld verdienen

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber eine, die Flughafenchef Ludger van Bebber vor dem Hintergrund einiger Fragen betonte: Der Airport ist auf Profit ausgerichtet und muss im Wettbewerb auch Mitbewerber abdrängen.

Wenige Tage vor Beginn der Osterferien, in denen der Airport Weeze 120.000 Passagiere erwartet, hatte Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber für gestern zum Pressegespräch eingeladen. Nahe liegend, angesichts der rasanten Entwicklung einen Rückblick auf 2009 und einen Ausblick auf dieses und die kommenden Jahre zu werfen. Aber auch ein guter Anlass, Themen aufzugreifen, die in jüngster Zeit mehr oder weniger öffentlich diskutiert worden sind.

Die Zeitarbeitsfirma

So war van Bebber kürzlich von der RP gefragt worden, ob es richtig sei, dass er, Flughafeninvestor Herman Buurman und Sebastian Gillessen die Zeitarbeitsfirma Agello gegründet haben. Das hatte Agello-Mitgesellschafter van Bebber eingeräumt und gestern noch einmal erläutert: "70 bis 80 Prozent unseres Geschäftsergebnisses müssen wir im nicht-fliegerischen Bereich verdienen - mit Gastronomie, Vermietungen und der Parkplatz-Bewirtschaftung. Entlang dieser Wertschöpfungskette machen wir unseren Gewinn, und ich stehe dazu, dass wir als Unternehmen auf Profit ausgerichtet sind.” Deshalb habe man auch eine eigene Arbeitnehmerüberlassung gegründet. Eine, die am Markt tätig sei und nicht nur für den Flughafen, sondern auch für andere Kunden Arbeitskräfte rekrutiere. Es sei völlig klar, dass der Flughafen nicht nur mit Festangestellten arbeiten könne, sondern flexible Leute benötige, die etwa in der Hochsaison arbeiten und in den Wintermonaten andernorts eingesetzt werden können. "Agello” sei eine sehr effiziente Personalüberlassung. Die Mitarbeiter würden mindestens nach Tarif bezahlt. Warum solle man das Zeitarbeitsgeschäft anderen Firmen überlassen?

Bekannt wurde zuletzt auch, dass der Airport außerhalb des Flughafengeländes ein Gelände als zusätzliche Parkfläche anbieten wird. Die Frage eines Journalisten, ob es richtig sei, dass der Käufer des Geländes familiär mit einem Berater des Flughafens verbunden sei, bestätigte van Bebber. Er könne darin aber nichts Ehrenrühriges sehen: Der Käufer habe mehr Geld geboten als die Mitbewerber ­ so funktioniere Wettbewerb. Im übrigen sei das Ganze mit dem Aufsichtsrat abgestimmt. Der Flughafen werde die Fläche als Mieter nutzen. Die Konditionen für die Flughafenkunden wurden noch nicht genannt. Das Parken auf der neuen Fläche wird aber sicher günstiger sein als am Terminal.

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Umbauten

Dort sind einige Umbauten im Gange: Bedingt durch das stetig steigende Passagieraufkommen (2010 werden 2,7 Millionen Fluggäste erwartet) wird der Raum für die Abfertigung knapp. Deshalb sind aus der oberen Etage die Reisebüros verschwunden, die von nun an unten zu finden sind. So entsteht oben Platz für einen neuen Abflugbereich und Richtung Rollfeld für Geschäfte und Gastronomie. Ob irgendwann angebaut werden muss, weil der Airport über die bisher zugelassenen Flugbewegungen bis zum Jahr 2020 hinaus wachsen könnte, darüber werde nachzudenken sein. Der Airport-Chef: "Das würde aber ein komplett neues Genehmigungsverfahren voraussetzen.” Ob der Flughafen Ende 2010 seinen 26,5-Millionen-Euro-Kredit an den Kreis zurückzahlt, sei noch kein Thema.

Pressesprecher Holger Terhorst brachte in Erinnerung, dass neben Ryanair (die Iren bedienen mit acht in Weeze stationierten Maschinen 51 Ziele) auch Hamburg International und demnächst XL Airways Germany Weeze für je ein Flugzeug als Basis nutzen. Wizz Air verbindet den Niederrhein mit vier osteuropäischen Zielen, hinzu kommen 20 deutsche und ebenso viele niederländische Veranstalter.