Feier zu 150 Jahre Josefsgemeinschaft Wemb

Historisches Vereinsleben in Wemb: Josefsgemeinschaft wird 150 Jahre alt

Es ist der drittälteste Verein im Ort. Im Mittelpunkt steht der Mann von Maria. Weil er sich schützend vor Maria und das ungeborene Leben stellte, ist er für Pastor Edgar Fritsch ein moderner Held. Die Jubelfeier ist am Sonntag.

Wer 150 Jahre alt wird, der kann auf viel Lebenserfahrung zurückblicken, hat zwei Kriege überstanden und hat angesichts des Alters einen Grund zum Feiern. „Es ist immer noch Arbeit, man wird nicht jeden Tag 150 Jahre“, sagt Heinrich Derksen über die umfangreichen Vorbereitungen für Sonntag. Dann begeht die Josefsgemeinschaft Wemb-Hees-Baal ihr Jubelfest. Derksen ist der Vorsitzende der Gemeinschaft. Als er 1954 geboren wurde, zählte der Verein 105 Mitglieder, aktuell sind es 68. „Eine feste Säule“, nennt Pfarrer Klaus Martin Niesmann die Josefsgemeinschaft. Sie ist der drittälteste Verein in Wemb. „Ich freue mich, dass man diesen großen Heiligen wachhält“, sagt der Pfarrer. Gleichzeitig sei die Gemeinschaft zupackend, den Glauben lebend und handelnd.

Die Fahne der Josefsgemeinschaft aus dem Jahr 1905. Foto: 150 Jahre Josefsgemeinschaft Wemb

Gerade nach den Weltkriegen bildeten die Mitglieder eine Zweckgemeinschaft. „Wenn ein Mann gestorben war, wurde den Witwen geholfen, es wurde Sterbegeld bezahlt und auch Hilfe auf dem Hof angeboten“, erklärt Derksen. Für das Jubiläum wurde die Gründungsurkunde aus dem Jahr 1869 hervorgeholt und Protokolle gewälzt. Marga Hiep übertrug die Schriften aus der Sütter­linschrift. „Die Übersetzung ist für die nachfolgenden Generationen“, erklärt Schriftführer Theo Beermann. Er lobt die Arbeit von Marga Hiep. „Sie hat wirklich mit viel Herzblut übersetzt.“

Das ist die Gründungsurkunde der Josefsgemeinschaft Wemb. Foto: 150 Jahre Josefsgemeinschaft Wemb

Der Vorsitzende Derksen spricht von einem „hohen Durchschnittsalter“, die Jüngsten seien um die 50, 55 Jahre. Mitglied ist auch der älteste Wember Bürger, Josef Willems, mit 96 Jahren. „Jetzt kommt es darauf an, wie kann die Gemeinschaft heutige Fragen aufgreifen?“, sagt Edgar Fritsch. Unter dem Einfluss des Geistlichen Fritsch erlebte die Josefsgemeinschaft 1988 einen Aufschwung. Mittlerweile lebt der Pfarrer im Ruhestand in Xanten. Aber für die Feier kehrt er an seine alte Wirkungsstätte zurück. Dass der Heilige Josef uns heute noch Vorbild ist, daran lässt Fritsch keinen Zweifel. „Er ist derjenige, der Maria beschützt hat“, fasst er die Rolle von Josef zusammen. Immerhin wäre Maria mit einem unehelichen Kind nach damaliger Rechtsprechung wahrscheinlich gesteinigt worden. Josef hat sich an ihre Seite gestellt. Übertragen auf heute sieht Fritsch darin auch den Auftrag zum Schutz des ungeborenen Lebens. Mit Abtreibung ist er nicht einverstanden. Er möchte niemanden verurteilen, „aber ich möchte, dass man alles tut, um den Müttern zu helfen“, sagt er. Josef ist für ihn Sinnbild eines Beschützers.

Was das Kirchenleben angeht, sind die Josefsbrüder im Ort präsent, zum Beispiel beim Reinigen des Glockenraums, sagt Derksen. Einmal im Monat gibt es zudem einen Begegnungsnachmittag im Petrusheim. Der Ehrenvorsitzende Christian Tebest hält den Kontakt zum Petrusheim aufrecht, erklärt Derksen. Seit 1989 ist auch die Wallfahrt zur Josefskapelle in Smakt, in den Niederlanden, eine feste Größe im Vereinskalender. Am Patronatstag, dem 19. März, treffen sich die Mitglieder der Gemeinschaft zu ihrer Jahreshauptversammlung. Dazu hat der Vorsitzende eine Anekdote parat. 1964 gab es für die Teilnehmer der Versammlung Würstchen mit Brötchen, Kaffee und eine Zigarre. Außerdem wurden drei Flaschen Schnaps für alle verteilt. Seit dem Tag gibt es bei jeder Versammlung Würstchen und Brötchen. Bei damals fünf Mark Mitgliedsbeitrag im Jahr (heute fünf Euro) wurden keine Reichtümer angehäuft. Trotzdem gönnte man sich 1905 die Fahne mit dem Spruch „Heiliger Josef, bitte für uns“. In Auftrag gegeben wurde sie in Kevelaer für 200 Mark, am Ende wurden es 235 Mark. Zu besonderen Anlässen, wie Sonntag, wird sie hervorgeholt. Ansonsten ist sie in der Sakristei unter Verschluss.

„Es ist noch so viel zu berichten aus den alten Kirchenbüchern“, sagt Derksen. Anlässlich des Jubiläums wurde einiges zusammengetragen. „Unsere Vorfahren haben viel dazu beigetragen“, sagt der Vorsitzende, dessen Vater und Großvater schon bei der Josefsgemeinschaft waren. Denn eines hat der Verein auf jeden Fall: Tradition. „Wir sind zusammen und bleiben zusammen.“

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