Interview: Karl-Heinz Kandolf: Es mangelt nicht an Widerstand gegen den Flughafen

Interview: Karl-Heinz Kandolf: Es mangelt nicht an Widerstand gegen den Flughafen

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen Fluglärm und Luftverschmutzung spricht über die Zukunft des Airports und seiner Initiative.

Heute Abend wählt Ihre Initiative einen neuen Vorstand, Sie treten erneut an. Was haben Sie in den vergangenen Jahren erreicht?

Karl-Heinz Kandolf Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gefahr von Nachtflug, trotz anderer Beteuerungen, weiterhin besteht. Wird das Angebot an Flugzielen ausgeweitet, wird die Lärmbelästigung steigen. Und Lärm macht bekanntlich krank. Die Bürgerinitiative hat immer wieder das Augenmerk auf die Verluste des Flughafens gerichtet, die nur durch massive Unterstützung des Kreises, der Gewährung von günstigen Krediten und durch die Übernahme von Anteilen am Flughafen, statt der Rückzahlung der Kredite, kaschiert wurden.

Der Flughafen wird nicht von jetzt auf gleich schließen. Was steht ganz oben auf Ihrer Agenda?

Kandolf 2016 wird ein spannendes Jahr. Dann werden die Kredite fällig. Mal schauen, wie sich die Politik, die CDU/FDP-Kooperation und vor allem die SPD, positionieren. Die Initiative wird den Flughafen weiter kritisch begleiten und beobachten.

Was spricht eigentlich gegen den Airport?

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Kandolf Gegen diesen Airport spricht, dass es in der Region viele kleine und unwirtschaftliche Flughäfen gibt, die sich gegenseitig kannibalisieren. Alle kämpfen mit Verlusten und hängen, mangels Passagieren, am Tropf von Kreisen, Städten und Stadtwerken. Der Steuerzahler zahlt den Billigflug durch die Übernahme der Verluste. Der Flughafen in Weeze ist von einem Billigflieger abhängig, der jetzt sein Augenmerk auf Geschäftskunden legt, weil man damit viel Geld verdienen kann. Die Geschäftsreisenden fliegen aber lieber von Köln und Düsseldorf und fahren nicht extra nach Weeze.

Es heißt, Sie führten mittlerweile einen "einsamen Kampf".

Kandolf Es ist schwer, gegen eine so große politische Front die Stellung zu halten. Die Wirtschaftsförderung des Kreises, der Landrat, CDU, FDP und SPD, zum Teil auch die Presse, alle verbreiten Lobeshymnen auf den Flughafen. Mit der Initiative ist immer zu rechnen, das wissen auch die Verantwortlichen. Einsam fühlen wir uns überhaupt nicht, dafür sind wir viel zu nah am Flughafen. Unsere "Kriegskasse" gibt es noch. Wir haben derzeit 200 Mitglieder. Am grundsätzlichen Widerstand der Mitglieder gegen den Flughafen mangelt es nicht. Auch, wenn das nicht immer so nach außen dringt.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KLAS LIBUDA

(RP)
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