Erstmals zeigte Basilikaorganist Elmar Lehnen in Kevelaer die Orgeln.

Besondere Veranstaltung in Kevelaer: Orgelführung: Premiere in der Basilika beeindruckt

Basilikaorganist Elmar Lehnen referiert erstmals über das bedeutendste Musikinstrument der Wallfahrtsstadt. Besucher erleben den Virtuosen hautnah. Zwischendurch zücken sie ihr Handy, um die wunderbaren Momente festzuhalten.

Sie ist die größte ihrer Art – die Rede ist von der Seifert-Orgel der päpstlichen Marienbasilika in Kevelaer. Die deutsch-romantische Orgel hat eine lange Geschichte hinter sich. Der Kevelaerer Basilikaorganist Elmar Lehnen lud Interessierte zu einer Orgelführung ein. Um 14.30 Uhr ging es in der Kerzenkapelle los. Dort steht die älteste Orgel Kevelaers, die der in Issum geborene Orgelbauer Wilhelm Rütter 1840 errichtete. Mit 24 Registern (Pfeifenreihen) gehört das kirchliche Musikinstrument zu den kleineren Modellen. Lehnen gewährte den Besuchern Zugang zur Empore, wo sich der Spieltisch der Orgel befindet. Er forderte die Interessierten auf, den Klängen des neobarocken Musikinstruments zu lauschen, um in Anschluss einen Vergleich zu der größten deutsch-romantischen Orgel, die vom Sohn Ernst Seiferts erbaut wurde, zu ziehen. Lehnen spielte in der Kerzenkapelle weiche Klangfarben, die an Töne unter der Wasseroberfläche erinnerten. Im Anschluss pilgerte die Gruppe zusammen mit ihm rüber zur Marienbasikia.

Dort erzählte der Virtuose die Geschichte der Marienbasilika und Seifert-Orgel. Der Orgelbauer Wilhelm Rütter hatte kein Interesse daran, den neuen und gefragten Orgelstil umzusetzen. Deshalb wurde die größte Orgel des damaligen Deutschen Reiches von einem anderen Orgelbauer, dem Sohn des Kölners Ernst Seifert, im Jahr 1907 mit insgesamt 122 Registern gebaut. Gleichzeitig eröffnete sein Sohn eine Orgelbauwerkstatt in Kevelaer, die bis heute noch rund 30 Mitarbeiter beschäftigt. Der Zweite Weltkrieg ging an dem machtvollen Instrument nicht spurlos vorbei. Zu dieser Zeit wurden das Fernwerk – ein zur Orgel gehörender Klangkörper, der an einer anderen Stelle im Kirchenraum platziert ist – und Teile der Seifert-Orgel zerstört. Einige Register gingen zu dieser Zeit ebenfalls verloren. Auch das Prospekt, wurde größtenteils in den 40er Jahren verbrannt.

Bis heute wird daran gearbeitet, den Originalzustand der Seifert-Orgel wiederherzustellen. Zeitweise wurden Register integriert, die eine Rückbesinnung auf das barocke Klangideal verkörperten. „Aus einem schönen, warmen und weichen Lila wurde durch die barocken Register ein Knatsch-Orange“, bedauert der Kevelaerer Organist. Viele große Orgelspieler wünschten sich die Seifert-Orgel zurück, wie sie einst war.

Elmar Lehnen in seinem „Wohnzimmer“ an der Basilika-Orgel. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Peu à peu wurde die größte deutsch-romantische Orgel, die Lehnen auch als „Kunstwerk“ bezeichnet, wieder in den Originalzustand versetzt. Auch das Fernwerk ist seit 2004 wieder vorhanden. Gegenwärtig fehlen nur noch zwei Register zum Originalzustand. Durch zusätzliche Pfeifenreihen besitzt die Seifert-Orgel heute insgesamt 136 Register und über 10.000 Pfeifen.

Kirchenkenner wissen, dass das Langhaus der Basilika im Vergleich zu anderen Kirchen kurz geraten ist. Lehnen bezeichnet diesen Umstand als Segen, da der Klang der Seifert-Orgel dadurch viel besser in den Hallen der Kirche zur Geltung kommt. Im Anschluss durften die Orgelbegeisterten den Turm hinauf, um den Virtuosen am Spieltisch hautnah zu erleben.

Viele auswärtige Organisten wollen gerne einmal auf diesem mächtigen Musikinstrument spielen, informiert Lehnen. Auch examinierten Orgelspielern empfiehlt er eine vorherige Einweisung. Die Seifert-Orgel ist nämlich im Umgang nicht mit anderen Orgeln zu vergleichen.

Jährlich soll zur Winterzeit künftig eine solche Orgelführung stattfinden. Gruppen können aber auch auf Anfrage einen gesonderten Termin mit dem Organisten Lehnen vereinbaren.

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