Emergency Eye hilft jetzt auch bei Notfällen in Kevelaer

Sicherheit in Kevelaer : Wenn Retter sich aufs Handy schalten

Der Kreis Kleve setzt bei Notfällen jetzt auf das „Emergency Eye“. Die Einsatzkräfte können über das Handy von Zeugen sehen, wie die Situation vor Ort ist und Hilfestellung geben, auch in Kevelaer und Weeze.

Sicherheit stand auch diesmal bei der Kirmes in Kevelaer im Fokus. Und im Vorfeld konnte Thomas Jäger von der Polizeiwache Kevelaer auf ein ganz neues Instrument für den Notfall hinweisen. „Emergency Eye“ nennt sich das Projekt, das knapp gefasst auf die Hilfe im Notfall per Smartphone setzt. „Die Leitstelle schaltet sich quasi auf das Handy drauf und kann sich so einen Einrduck von der Situation verschaffen. Die Experten können dann direkt erste Tipps geben, während der Rettungswagen unterwegs ist“, erläuterte Jäger.

Das System, das ganz neu im Kreis Kleve im Einsatz ist, ist mit vielen Erwartungen gestartet worden. In der Praxis soll es ganz einfach funktionieren, erläutert Ruth Keuken, Sprecherin des Kreises Kleve. „In einem Notfall wähle ich wie sonst auch die 112 und werde so mit der Rettungsleitstelle verbunden.“ Geht es um eine Situation, in der es wichtig ist, auch einen Eindruck von der Umgebung zu bekommen, wird die Einsatzstelle jetzt immer fragen, ob sie das Smartphone des Anrufers nutzen dürfen. Gibt der seine Einwilligung, schickt die Leistelle einen Link auf das Handy. Wenn dieser bestätigt wird, haben die Retter aus der Ferne Zugriff auf das Handy. Sie können es orten und so punktgenau die Notfallstelle bestimmen. Zudem haben sie über die Kamera einen Blick auf die Situation.

Stellt sich die Frage nach dem Datenschutz: Was kann die Leitstelle alles auf meinem Smartphone ausspionieren? „Da muss sich niemand Sorgen machen“, versichert Ruth Keuken. Es werde nur ein sogenannter Tunnel geschaffen. Tunnel, weil die Retter nicht rechts und links in die Daten reinschauen können, sondern wirklich nur Zugriff auf die Kamera haben. Es würden auch keinerlei Daten gespeichert. Zudem könne jeder Nutzer den Tunnel sofort abschalten und die Verbindung trennen, wenn er Bedenken hat.

Doch dann reißt auch der Kontakt zu den Rettern ab. Und der könne im Notfall Leben retten, so Ruth Keuken. Denn das „Emergency Eye“ ist keine Zukunftsvision, sondern bereits im Einsatz und wird auch immer wieder genutzt. Gerade erst konnten die Retter so bei einem schweren Verkehrsunfall Hilfestellung aus der Ferne geben. In der vergangenen Woche gab es ein schweres Unglück auf der A3. Ein Auto war hinter Emmerich-Elten mit einem Reisebus kollidiert. Fünf Personen wurden verletzt, ein Rettungshubschrauber musste auf der Autobahn landen. „Hier hat das Emergency Eye wertvolle Hilfe geleistet. Die Rettungskräfte bekamen über die Kamera einen Eindruck über die Schwere der Verletzungen“, erläutert Elke Sanders vom Kreis Kleve. Drei Personen standen zudem unter Schock. Die Leitstelle konnte den Ersthelfern vor Ort Anleitungen geben, wie man sich am besten um sie kümmert, bis die Einsatzkräfte eingetroffen waren.

Auf der Kirmes in Kevelaer brauchte die neue Technik nicht zum Einsatz zu kommen.

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