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Kevelaer: Elisabethstift lässt Wohlfühlfaktor prüfen

Kevelaer : Elisabethstift lässt Wohlfühlfaktor prüfen

Ein Gutachter hat das Kevelaerer Altenheim besucht und überprüft. Das Haus bewirbt sich damit bereits zum wiederholten Mal um den "Grünen Haken" für Lebensqualität in Seniorenheimen.

Ob in Seniorenheimen alles nach Recht und Gesetz geschieht, ob staatliche Vorgaben eingehalten und die Pflege fachmännisch geleistet wird — darum kümmern sich unter anderem der Medizinische Dienst und die Heimaufsicht. Was Ferdinand Reuter und seine etwa 90 Mitstreiter leisten, ist etwas anderes. Sie prüfen den "Wohlfühlfaktor" der Häuser. Wie sie die Heime, die sie besuchen , bewerten, ist im "Heimverzeichnis" nachzulesen. Diverse gemeinnützige Gesellschaften unterstützen die "Gesellschaft zur Förderung der Lebensqualität im Alter". Angestoßen hatte sie das Bundesverbraucherministerium.

Ins Kevelaerer Elisabethstift kommt Reuter jedes Jahr — alle zwölf Monate wird eine Wiederholung der Prüfung fällig, an denen die Häuser freiwillig teilnehmen. Leiterin Sabine Klucken freut sich, wenn sie die aktuelle Urkunde mit dem Gütesiegel in die Eingangstür und neben ihr Büro hängen kann. "So können Bewohner und Gäste gleich sehen, worauf es uns ankommt." Klucken und ihr Team sehen den "Grünen Haken" (das Signet für die Verbraucherfreundlichkeit) als Bestätigung ihrer Arbeit.

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Reuter ist einer der Ehrenamtler, die in einem Seminar für die Aufgabe geschult wurden. Vorrangig Rentner und Pensionäre engagieren sich in diesem Bereich — viele hatten früher beruflich mit dem Thema zu tun. "Man muss aber nicht Spezialist sein. Es geht ja weniger um fachliche Dinge als vielmehr darum, zu erkennen, wie es dem Gegenüber geht." Deshalb unterhält sich Reuter nicht nur mit der Leiterin des Altenheims, sondern vor allem auch mit den Bewohnern. In die Gesprächsrunde mit dem Heimbeirat nimmt er eine dicke Kladde mit.

Das "Heimverzeichnis" hat einen ausführlichen Fragenkatalog entwickelt, der die Befindlichkeit der Bewohner abfragt. Viel Raum ist darin dem Thema Essen gewidmet. Das ist für ältere Menschen besonders wichtig, "weil neben den festen Terminen am Ende des Tages zu viel Zeit übrig bleibt", weiß Reuter. Zufrieden ist er, wenn die alten Menschen unter mindestens zwei Gerichten wählen können und auch mal Sonderwünsche berücksichtigt werden. "Das ist bei uns oft möglich, weil wir die Küche im Haus haben", sagt Sabine Klucken. Vor dem Essen wird in dem Haus des "Deutschen Ordens" übrigens gebetet. "Wer das für sich ablehnt, stellt die Ohren eben auf Durchzug", erklärt die "Chefin" schmunzelnd. Essen ist natürlich nicht alles, um zufrieden durch den Tag zu kommen: Eine Vielzahl anregender Beschäftigungsmöglichkeiten wird ebenfalls gern gesehen.

"Selbstbestimmung ist ein ganz wichtiges Thema", betont der Gutachter. Er fragt ab, ob pflegerische oder therapeutische Maßnahmen von den Bewohnern auch abgelehnt werden können. Etwa, wenn dem Betroffenen das Duschen zu anstrengend ist oder er mal länger schlafen möchte. "Ich möchte den Leuten vermitteln, dass sie im Heim ein Zimmer mieten und Versorgung und Pflege einkaufen, also Rechte haben", sagt Reuter. Angesichts eines weißen Kittels stramm zu stehen, sei nicht nötig.

(RP)