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Kevelaer: Eine-Welt-Laden im neuen Glanz

Kevelaer : Eine-Welt-Laden im neuen Glanz

Heute öffnet das Geschäft am Kapellenplatz 33 erstmals seine Türen. In seiner Geschichte hatten die Mitglieder des Vereins noch nie eine Fläche in so exponierter Lage. Die Ideale sind aber gleich geblieben: Chancen schaffen.

Mit einem beherzten Griff ins Regal zieht Elisabeth Heeser eine Tafel Schokolade aus dem Regal, ihre Lieblingssorte: Marzipan-Orange. Sie ist die Vorsitzende des Eine-Welt-Vereins Kevelaer. Die neue Heimat der Schokolade ist direkt am Kevelaerer Kapellenplatz, Hausnummer 33, unweit der Eisdiele. Heute, an Valentinstag, öffnet der Eine-Welt-Laden und die Lieblingssorte von Elisabeth Heeser ist nur eine von vielen Dingen, die dann gekauft werden können.

Das Ladenlokal ist hell, besticht mit einem aparten Fliesenboden und der massiven Holztheke. "Besser geht nicht", sagt Elisabeth Heeser über die neue Lage. Denn vorher war das Geschäft an der Maastraße 2. "Im Hinterhof", sagt Artur Elders-Boll. "Man fand uns einfach nicht", fügt Elisabeth Heeser als Erklärung an. Das wird sich nun ändern. Unweit der Basilika ist der Laden kaum zu übersehen und die ersten Passanten schauen sich bereits interessiert die Schaufensterdekoration an. Schaufenster, die hatte es am alten Standort in der Maasstraße auch nicht gegeben.

Das neue Domizil der Eine-Welt-Mannschaft am Kapellenplatz gehört Dr. Horst-Dieter Gnisa aus Pulheim. "Wir haben zusammen Abitur gemacht", sagt Artur Elders-Boll. Das Haus, in dem sich der Eine-Welt-Laden nun befindet, war Gnisas Jugendhaus. An der historisch anmutenden Theke hat bereits der Großvater, Jakob Franchi, gestanden. Theke und Fliesenboden atmen Geschichte, das Haus stammt aus dem Jahre 1880. "Wir haben den Raum zu einem sehr günstigen Mietpreis bekommen", sagt Elders-Boll, weil Dr. Gnisa aus Verbundenheit zu Kevelaer etwas zurückgeben wolle. "Einfach etwas Gutes tun", nennt es Elders-Boll.

Auch der Eine-Welt-Verein Kevelaer hat seine Geschichte. In diesem Jahr wird das 25-jährige Bestehen gefeiert. Der Eine-Welt-Verein heißt eigentlich IPEW, Initiative für Partnerschaft in der Einen Welt. "Wir waren alle in der Pax-Christi-Gruppe", sagt Gründungsmitglied Margret Wehner. Das war 1991. "Wir haben gegen den Golfkrieg protestiert, Mahnwachen an der Antoniuskirche abgehalten, Friedensgebete gebetet, alles ökumenisch", erinnert sie sich an die Anfänge. "Dann kam die Idee, einen gerechten Beitrag zu leisten, für Frieden in der Welt." Es sei eigentlich genau das, was Politiker heute fordern, ergänzt Elisabeth Heeser: gute Lebens- und Arbeitsbedingungen schaffen, damit Menschen nicht aus ihrer Heimat fliehen müssen. "Eine Perspektive schaffen", das wollen sie mit den fair gehandelten Produkten in ihrem Laden. Aber das ist nicht alles. Die Überschüsse werden natürlich wieder eingesetzt für die Aktion Humanität, Misereor-Projekte und andere gemeinnützige Zwecke. "Es ist der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein", sagt Margret Wehner. "Aber es ist ein Tropfen im Ozean, der nicht verloren geht", zitiert Elisabeth Heeser den Unesco-Botschafter Peter Ustinov. Dass Gutes durchaus schmackhaft sein kann, wird spätestens bei der Schokolade deutlich. Was der Laden sonst noch zu bieten hat? Einfach mal vorbeischauen.

(RP)