Kevelaer: Ein Wagnis: Allein unter "alten Weibern"

Kevelaer : Ein Wagnis: Allein unter "alten Weibern"

Mehr als 250 Frauen kamen gestern zum Möhnefrühstück ins Twistedener Festzelt. Mittendrin RP-Mitarbeiter Christoph Kellerbach. Anfangs war ihm etwas mulmig zumute, dann aber genoss er es, Hahn im Korb zu sein.

Der Auftrag: Ab zum Möhnefrühstück. Vor dem geistigen Auge erscheint ein wilder Mob von mehr als 200 Frauen. Ausgelassen und mit Scheren bewaffnet rennen sie alle auf einen zu, den wahrscheinlich einzigen Mann auf der ganzen Veranstaltung. Dieser Gedanke treibt dem ansonsten coolen Typen die Schweißperlen auf die Stirn.

Schweren Herzens und nervös umher geht es in Twisteden in Richtung des Festzeltes. Am Tag zuvor gab es schon den prophylaktischen Abschied von Freunden und Familie. Wer weiß, in welchem Zustand man zurückkommt, oder ob überhaupt. Doch wenn man schon seinem Ende entgegen sieht, dann wenigstens erhobenen Hauptes! Die Türen des Festzeltes öffnen sich, und ein Schwall warmer Luft schlägt einem entgegen. Ein zaghafter Schritt, dann ein weiterer, und plötzlich. . .

Plötzlich steht der Reporter inmitten des Festzelts, das gefüllt ist mit gut aufgelegten Damen in den buntesten Verkleidungen. Alle haben ihren Spaß und warten darauf, dass das Frühstück um 10.11 Uhr beginnt. Ein paar männliche Kellner laufen vorbei, nirgends sind Scheren beziehungsweise vergleichbare Schneidwerkzeuge zu entdecken. Dabei hat man sich extra eine furchtbare lila Krawatte angezogen. Die Veranstaltung der Karnevalsfreunde Twisteden ist komplett ausverkauft, 266 Besucherinnen sind vor Ort.

Aber was ist das? An einem Tisch sind auch zwei Männer die ganz gemütlich mitfeiern! Heinrich van Bühren und seine männlichen und weiblichen Kollegen von den Provinzial-Geschäftsstellen aus Kevelaer, Weeze und Wemb machen sich einen schönen Morgen, denn; "Hier sind überall tolle, bunt verkleidete Damen, und die Stimmung ist super. Was will man mehr?"

Der Reporter sitzt bei den Minnie-Mäusen der Achterhoeker Karnevalsgesellschaft. "Letztes Jahr waren wir auch schon hier, und es war so schön, dass wir unbedingt wiederkommen wollten", verriet Jutta Eickhoff. Die verdutzte Frage: "Ich störe hier als Mann also nicht?" Yvette Lindeman antwortet: "Nein, nein, hier sind alle gern gesehen, und jeder ist hier richtig nett." Nach und nach wird ausgelost, welcher Tisch zuerst zum Frühstück darf, damit es kein Anstell-Chaos gibt.

Dabei kann man einen Blick auf all die wunderbaren Kostüme werfen. Ein intensiver Farbenrausch fürs Auge. Der Spielclub "Teufelsweiber" ist in detaillierten Steampunk-Verkleidungen anwesend. Die Landfrauen-Tanzgruppe Kevelaer ist als Emojis unterwegs, während die Mitglieder des "Sauhaufens" als farbenfrohe Colibris am Start sind. Sie helfen auch später beim Foto für den Artikel, und generell sind einfach alle Leute im Festzelt richtig gut aufgelegt: Man kann reden, albern sein und hat eine wunderbare Zeit.

Zur Mitte des gestrigen Vormittags hin wird in Twisteden aus dem Möhnefrühstück der Möhneball mit sechs unterschiedlichen Showgruppen, der sich bis in die Abendstunden hinein erstreckt. Doch alle hier Versammelten sehen es locker: "Man bleibt eben so lange, wie man Spaß hat. Hier gibt es keine Pflicht, nur gute Laune", erklärt Kerstin Iland von den Teufelsweibern. "Wir sind hier in Twisteden alle eine große Familie."

Und das ist der Moment, in dem der Reporter begreift. Denn wenn jedes Möhnefrühstück so stattfindet, dann ist eines ganz klar: Frauen feiern besser!

(ckn)