Ein Turm für die Fledermaus in Weeze

Tierpark Weeze : Ein Turm für die Fledermaus

Strom wird vom Trafo in Weeze schon lange nicht mehr weitergeleitet. Stattdessen sollen sich hier Tiere niederlassen: Oben sollen Greifvögel einziehen, im Keller die fliegenden Nachtjäger. Das Gebäude wird in den Tierpark integriert.

Die Tiere sind bereits in Weihnachtsstimmung. Dafür haben die Knirpse aus dem Franziskuskindergarten gesorgt. Sie haben bunte Sterne gebastelt und mit diesen dann die Gehege im Tierpark dekoriert. Der Weihnachtsschmuck wird nicht die einzige Veränderung auf der Anlage bleiben. Denn, wie berichtet, wird das Gelände umfangreich erweitert. Der Tierpark soll sich künftig auch auf die andere Seite der Bundesstraße erstrecken.

Noch ist davon nichts zu sehen, ein anderer Teil, der künftig zur Anlage gehört, prägt bereits seit vielen Jahren den Bereich: der alte Trafoturm. Inzwischen wird er nicht mehr benötigt. Aber es gab auch von Seiten der Kommune den Wunsch, das Bauwerk zu erhalten. Es sei ein industriehistorisches Denkmal. Ein steinerner Zeitzeuge gewissermaßen, der davon erzählt wie der Strom raus aufs Land kam. An vielen Orten sind Initiativen entstanden, die sich für den Erhalt der Türme einsetzen. Beim Eigentümer Westnetz/RWE ist man von dem Interesse vollkommen überrascht worden. Ständig gebe es Anrufe von Bürgern mit der Bitte, den Turm doch zu retten.

In Weeze wird das passieren. Das Bauwerk soll in den neuen Infopfad einbezogen werden. Die Besucher werden über verschiedene Infotafeln an Arten der Region wie Fledermäuse, Steinkäuze oder Insekten herangeführt. Das Gelände rund um die Tafeln soll so gestaltet werden, dass sich die angesprochenen Arten dort auch wohl fühlen könnten. Einmal soll den Besuchern so gezeigt werden, welche Ansprüche die Tiere an ihre Umgebung haben. Gleichzeitig hoffen die Verantwortlichen natürlich darauf, dass dadurch auch wieder Arten angesiedelt werden. Über QR-Codes können die Infos auch auf Tablet oder Smartphone abgerufen werden.

Start des Infopfades ist im alten Teil des Tierparks. Dort entsteht ein großes Insektenhotel für verschiedene Arten Wildbienen sowie eine Wildblumenwiese. Drei Informationstafeln ergänzen diesen Bereich und informieren die Besucher über Wildbienen und ihre Aufgaben. Von der Veranstaltungswiese und den Bienen geht es durch die Unterführung der B9 hindurch zum Fledermauspfad. Dieser umfasst insgesamt vier Stationen und beginnt an der Erweiterungsfläche des Tierparks. Der Fledermauspfad endet am früheren Trafoturm.

Der Turm soll passend mit Graffiti gestaltet werden. Wie das aussehen soll, zeigt bereits ein Bild am Gebäude. Außerdem sind kleinere Umbauten im Innern geplant, damit die Besucher das Gebäude auch dort erleben können. Über eine kleine Treppe geht es beispielsweise nach oben. Bis zum Frühjahr soll das Projekt realisiert sein, so Tierparkleiterin Marie-Christine Kuypers. Das ist quasi der zweite Schritt für das Erweiterungskonzept im Tierpark. Für den Ausbau des Turms sind 50.000 Euro von der Deutschen Postcode Lotterie bewilligt. Ziel ist, dass sich im Keller des Turms Fledermäuse niederlassen. Die Aussichten dafür sind recht gut. Denn vor einiger Zeit waren Experten mit einem Fledermausortungsgerät in dem Bereich unterwegs. Dabei waren die Beteiligten ganz begeistert, weil drei bis fünf verschiedene Fledermausarten geortet werden konnten. Oben im Turm sollen sich Greifvögel einnisten, daher ist schwer vorstellbar, dass auch unter dem Dach Fledermäuse einziehen.

Was sich dort genau tut, das soll mit dem nächsten Baustein des Konzepts gezeigt werden. Dann ist nämlich vorgesehen, Kameras zu installieren, die Bilder aus dem Turm in einen Container transportieren, der zu einer Art Zooschule ausgebaut werden soll. Hier könnten Kinder dann auf einem Bildschirm den Tieren im Trafoturm in die Augen schauen.

Der Tierpark an der B 9 ist auch über die Feuertage immer geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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