Nachbarn nach Kinderleichenfund in Weeze entsetzt: "Eigentlich eine ganz bürgerliche Familie"

Nachbarn nach Kinderleichenfund in Weeze entsetzt : "Eigentlich eine ganz bürgerliche Familie"

Ein Landwirt hat auf seinem Hof in Weeze (Kreis Kleve) zwei Babyleichen gefunden. Seine Tochter hat bei der Festnahme gestanden, ihre Kinder kurz nach der Geburt getötet zu haben. Ihre Leichen versteckte sie auf dem Dachboden und einem Heuboden des Hofes.

Die Sonne scheint. Fünf alte Traktoren stehen auf dem Hof, der von Maisfeldern flankiert wird. Überall sprießt die Natur. Nichts deutet auf ein Verbrechen hin. Kaum vorstellbar, dass an diesem scheinbar so idyllischen Hof in Weeze eine solch schreckliche Tat begangen wurde. Auch einer Nachbarin fällt es schwer, sich einen solchen Fall in ihrem Umfeld vorzustellen - schließlich kennt man sich hier am Rande von Weeze. "Das ist eigentlich eine ganz bürgerliche Familie. Nur, dass die Mutter früh weg war", sagt sie. Seit dem Wegzug der Mutter war der Vater alleinerziehend. Zuletzt wohnte die Tochter nicht mehr fest auf dem Bauernhof, war jedoch öfters in ihren alten Zimmern.

Die 24-Jährige Tochter des Landwirtes, dem der Hof gehört, hatte ihre Kinder innerhalb eines Jahres lebend zur Welt gebracht, informiert die Polizei. Nach der Tötung im November 2012 und im September 2013 habe die Frau die toten Kinder zunächst in ihrem Zimmer versteckt und dann eine Leiche auf dem Strohspeicher und die andere auf dem Dachboden des Hauses. Gegen die Frau wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Vater rief die Polizei

Der Vater der 24-jährigen hatte die Polizei am Montagabend angerufen und auf dem Bauernhof in Empfang genommen. Er führte die Beamten auf den Dachboden des Wohnhauses, wo sie einen in Handtücher eingewickelten toten Säugling fanden, meldet die Polizei. Danach führte der Mann sie zu einem auf dem Hof gelegenen Strohspeicher. Dort lag die stark verweste, skelettierte Leiche eines weiteren Neugeborenen. Der Mann gab an, er habe die beiden toten Kinder nach den Angaben seiner Tochter gefunden.

Die 24-Jährige wurde kurz nach der Entdeckung der getöteten Säuglinge ausfindig gemacht: Gegen 22.13 Uhr wurden Polizisten aus Geldern zu einer Ruhestörung und Sachbeschädigung gerufen. Sie stellten fest, dass es sich bei der angegeben Adresse um die Anschrift der Mutter der 24-Jährigen handelte, die geschiedene Ehefrau des Bauernhof-Besitzers. Dort fanden sie auch deren Tochter.

Blutspuren im Bauernhof

Die Untersuchungen der Mordkommission in der Nacht zu Dienstag ergaben, dass es sich bei dem toten Kind auf dem Dachboden um einen Jungen handelte. Im Obergeschoss des Hauses, in dem sich Schlafräume und ein Badezimmer befanden, wurden in Zimmern, die die Tochter nutzte, umfangreiche Blutspuren gefunden, meldet die Polizei. Auch im Flur und Badezimmer gab es solche Spuren.

"Die junge Frau konnte uns in der Vernehmung den Grund für die Tötung nicht wirklich schlüssig und nachvollziehbar darstellen", teilt Gerd Hoppmann, Leiter der Mordkommission mit. "Dies ist aber in fast allen Fällen so gewesen, die wir schon bearbeiten mussten."

Die Tötung eines Kindes in den ersten 24 Stunden nach der Geburt bezeichnet man als Neonatizid. "Wir haben uns intensiv mit diesem Phänomen befasst und festgestellt, dass die Fälle oft Parallelen aufweisen", sagte Hoppmann. "Die Besonderheit in diesem Fall, die uns mehr betroffen gemacht hat als in anderen Fällen ist, dass die junge Frau innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal ihr neugeborenes Kind getötet hat."

Die Staatsanwaltschaft Kleve ordnete die Obduktion der Säuglingsleichen in der Rechtsmedizin in Duisburg an.

Weitere Schwangerschaften werden geprüft

Im Anschluss an die Spurensicherung am Tatort ließen die Beamten der Mordkommission das Hofgelände mit Leichenspürhunden absuchen. Sie fanden jedoch nichts. Gegen die 24-Jährige wurde Haftbefehl wegen Totschlages in zwei Fällen erlassen. Neben den Ermittlungen zu der Persönlichkeit der 24-Jährigen wird durch die Mordkommission auch untersucht, ob möglicherweise noch weitere Schwangerschaften bestanden haben.

Von Marcel Kleigeld, ergänzt durch Agenturmaterial

(top/lnw )
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