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Nachhaltigkeit in Kevelaer : Ehrenamtler tüfteln an 100. Reparatur

Nachhaltigkeit in Kevelaer : Ehrenamtler tüfteln an 100. Reparatur

Bei der Reparier-Bar in Kevelaer werden kaputte Dinge zusammengeflickt. Die Initiative läuft so gut, dass es teilweise Wartezeiten gibt. Klimamanagerin Nina Jordan erzählt, wie das Ehrenamtsmodell funktioniert.

An diesem Dienstag war beim Verein „Reparier-Bar“ in Kevelaer viel los. Es ist ein besonderer Tag: Ein Jubiläum wird an diesem Tag gefeiert. Die 100. Reparatur steht vor der Tür. Die rund 40 Mitglieder im Alter von 40 bis 75 Jahren der Organisation stehen in den Startlöchern. Es wird gebastelt, Kuchen gegessen und vor allem repariert. Der Verein ist schon seit Juli 2019 am Start, um alte Gegenstände zu reparieren und den Nutzern noch etwas Freude daran zu schenken.

„Die Dinge, die hier zu Reparatur abgegeben werden, bekommen am Anfang eine Nummer“ erklärt Klimaschutzmanagerin Nina Jordan wie das System läuft. „Das verhindert nicht nur, dass Besucher übersprungen werden, sondern ermöglicht uns einen Überblick über die Reparaturen“.

In verschiedenen Bereichen sitzen auf diese Kategorien spezialisierte, Reparateure, die ehrenamtlich helfen. „So können wir mehrere Kunden gleichzeitig betreuen“, erklärt Jordan. Die Gegenstände werden in Bereiche wie Elektronik, Feinmechanik oder Textil unterteilt. „Am häufigsten werden elektronische Haushaltsgeräte abgegeben sowie Unterhaltungselektronik.“ Einzige Bedingung der Reparierenden: Die Gegenstände sollen tragbar sein.

Um 17 Uhr geht’s dann los. Die Besucher strömen ein und sofort wird die 100. Besucherin von allen Mitgliedern mit Sekt und Schokolade begrüßt. Ihr Problem ist eine alte, defekte Kochplatte. Die restlichen Besucher warten entweder auf ihre Nummer oder auf einen freien Reparateur. „Oft müssen unsere Gäste warten“, sagt Jordan. Um dafür nicht in der Kälte zu warten, wurde ein Kuchenbuffet eingerichtet.

Schon kurz nach der Öffnung ist im Gebäude viel los und überall arbeiten die Helfer. Aber nicht nur die Mitglieder kümmern sich um die defekten Sachen. Auch die Besucher selbst packen mit an und erwecken ihr Eigentum wieder zum Leben. „Wir wollen zeigen, dass eine Reparatur kein Hexenwerk ist. Wir involvieren unsere Besucher, um denen einige Tipps und Tricks beizubringen, sodass sie künftig nicht für jedes Problem direkt zum Fachmann gehen müssen“, so die Klimaschutzmanagerin. „Wir wollen die Kultur des Reparierens weitergeben.“ Daher bringen auch viele Gäste ihre eigenes Werkzeug mit.

Der 2. Vorsitzende, Helmut Gerritsen, packt beim Wiederherstellen der Objekte selber an und erinnert sich an alle spannenden Montagen — über ein altes Radio, einen Wasserkocher mit defektem Deckel, eine 40 Jahre alte Nähmaschine mit falschem Antriebsriemen, eine CAD-Maus, deren USB-Anschluss umgetauscht werden musste bis zu einem Toaster im Porschedesign, der gar keine Schrauben hatte, sondern nur mit Kabeln zusammengesteckt war. „Als wir damit fertig waren, war ein Tag um“, erinnert er sich im Gespräch mit unserer Redaktion. Nicht alle Aufträge können ausgeführt werden, denn oft sind die Geräte zu alt. „Im Schnitt retten wir die Hälfte“ erzählt Jordan.Doch am Ende des Tages war dies ein gelungener Nachmittag, mit vielen, erfolgreichen Montagen und viel Spaß am Reparieren.