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Drive-In-Gottesdienst am Ostermontag in der Kevelaerer Ortschaft Achterhoek.

Drive-In-Gottesdienst in Achterhoek : Im Auto die Ostermesse erleben

Autogottesdienst in Achterhoek

266 Fahrzeuge machten sich am Montag auf den Weg zum Drive-In-Gottesdienst nach Achterhoek. Frank Bublitz, Pastor der evangelischen Gemeinde Sonsbeck, predigte mit Manfred Babel, katholischer Pastor in Winnekendonk.

Noch vor knapp einem Monat hätte sich wohl kaum jemand vorstellen können, dass sich am Ostermontag 266 Fahrzeuge auf den Weg nach Achterhoek machen, um dort eine Messe im Auto zu feiern. So auch Joachim Weber, der aus Rheinberg anreiste: „ Wir sind das erste Mal hier in der Region und haben von der Messe aus der Zeitung erfahren. Grundsätzlich habe ich es vermisst, dass wir keinen Ostergottesdienst feiern können. Wir sind sehr zufrieden mit dem, was hier passiert ist. Ein wunderschöner Gottesdienst“. Das Angebot wurde sehr gut angenommen und so standen mehrere Reihen Autos vor der von „Radio Niederrhein“ errichteten Bühne.

 „Es waren nur drei Parkplätze frei. Mit zwei Menschen pro Auto gerechnet, nahmen über 500 Menschen an der Messe teil. Wir sind sehr froh darüber, dass es so genau gepasst hat. Bei einer Überfüllung hätte die Polizei Autos abweisen müssen“, berichtete Frank Bublitz. Er ist Pastor der evangelischen Gemeinde in Sonsbeck und hielt die Messe gemeinsam mit Manfred Babel, Pastor der katholischen Gemeinde in Winnekendonk. Begonnen wurde die Messe durch das Glockengeläut des Münsteraner Doms aus den Lautsprechern. Babel hieß die Versammelten willkommen: „Ich grüße sie Brüder und Schwestern. Es ist schön, dass wir hier Gottesdienst feiern können über die Grenzen der Städte und Gemeinden hinaus, über die Grenzen der Konfessionen hinaus. Diese existieren an Ostern nicht“.

Der ökumenische Gottesdienst war auf die Idee des Achterhoeker Vereins Natur und Kultur hin entstanden und wurde durch die Mithilfe vieler Menschen möglich. So waren viele Helfer des Vereins NuK, des Schützenvereins, der Ffreiwilligen Feuerwehr, Mitglieder der Polizei und des DRK sowie ein Notarzt dabei. Die Helfer wiesen die Wagen mit Warnweste und Atemschutzmaske ein auf ihre Plätze und klemmten Liedzettel unter die Windschutzscheibe. Statt von einer Orgel wurde der Gottesdienst von einem Keyboard und Gabriele Schepers-Wittig begleitet, die alle dazu ermutigte mitzusingen. „Wir freuen uns, dass wir hier nicht nur virtuell, sondern doch ganz real miteinander Gottesdienst feiern können“, betont Babel. Bublitz stimmt zu: „Uns fehlt da ganz viel, wenn wir nicht Gottesdienst feiern können. Hier saßen auch alle verschlossen in ihren Autos, aber sie hatten die Fenster runter, haben mitgesprochen, mitgesungen und gehupt“. In seiner Predigt schaute Babel voller Hoffnung in die Zukunft und auf die positiven Veränderungen, welche wir mitnehmen könnten aus der Situation: „Was wäre aber, wenn wir umdenken würden? Wie sieht die Welt nach dem Virus aus? Vielleicht etwas bescheidener, freundlicher, ökumenischer?“. Die Osterbotschaft stand damit ganz unter dem Motto: „Gottes Ziel mit uns ist das Leben. Und die Zukunft wird nicht dem Corona-Virus gehören“, eine Aussage von Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche Westfalen. Doch nicht nur die Predigt, auch die Fürbitten waren angepasst an die aktuelle Situation. So bat Bublitz nicht nur für Segen für die Ärzte und Krankenschwestern, sondern dankte auch für „die Mikrofone, die Kameras, die über uns fliegende Videokamera, die PCs und das Internet. Herr habe Dank für unsere Handys. Auch das muss mal gesagt werden. Herr Danke, dass unser Auto noch läuft.“ Das ökumenische Duo sorgte auch für das ein oder andere „Osterlachen“, als der Sonsbecker Pastor Schwierigkeiten hatte die Osterkerze anzuzünden: „Stell dir vor, es ist Ostern und der dämliche Pfarrer schafft es nicht, die Osterkerze anzuzünden. Lieber Gott, so hilf mir, diese Kerze anzuzünden“. Als Zeichen der Hoffnung ziert die Osterkerze dieses Jahr ein Regenbogen. Ferner hoffen die Pastoren nächstes Jahr wieder einen Gottesdienst mit so vielen Teilnehmern unter freiem Himmel feiern zu können – vielleicht dann ja ohne Autos.