Dr. Georg Cornelissen über Plattdeutsch in Kevelaer

Vortrag : So klang das Platt zur Franzosenzeit am Niederrhein

Dr. Georg Cornelissen berichtete auf unterhaltsame Art über die Entwicklung des Dialekts in der Region.

Platt ist ein wichtiger Teil des Niederrheins, und das schon seit einer sehr langen Zeit. Heutzutage sprechen immer weniger Menschen diesen Dialekt, und gerade darum ist es wichtig, an ihn zu erinnern und ihn aufrecht zu erhalten. Sprachwissenschaftler Dr. Georg Cornelissen vom Institut des Landschaftsverbandes (LVR) für Landeskunde und Regionalgeschichte veranstaltete jetzt seinen ersten „Vortragsnachmittag“ im Museum, an dem er die Geschichte des platten Dialekts erklärte und dabei vor allem auf das Platt in der Franzosenzeit einging.

Unterteilt war das Programm in vier Vorträge plus drei Tonaufnahmen, die das Platt veranschaulichten und Cornelissen als „Fenster in die Sprachvergangenheit“ beschrieb.

Zum Einstieg erzählte Cornelissen etwas über Dialektproben aus der Franzosenzeit. Anhand des Gleichnisses des verlorenen Sohnes wurden regionale platte Dialekte verglichen und analysiert. Dabei machte er deutlich, wie Platt vor 200 Jahren eigentlich klang. Es wurde schnell klar, dass sich das heutige Platt sehr von dem vor 200 Jahren unterscheidet.

„Der damalige Dialekt stand dem Niederländischen um einiges näher“, so Cornelissen. „Der Dialekt hat sich innerhalb der letzten 200 Jahre immer mehr ans Deutsche angepasst. Es wird auch immer näher ans Hochdeutsche herankommen, doch es wird nie gleich sein.“ Um dies zu unterstreichen, verglich er im zweiten Vortrag Niederländisch und Niederrheinisch. Denn wollten sich Niederländer und Niederrheiner im 19. Jahrhundert miteinander verständigen, sprachen sie platt miteinander, da dies beide Parteien verstanden.

Im weiteren Verlauf erklärte Cornelissen, wie es zu den französischen Lehnwörtern im Platten gekommen ist. Jeder kennt sie – Portemonnaie (Geldbörse) oder Paraplüj (Regenschirm). Doch wie sie es ins niederrheinische Platt geschafft haben, wissen nicht viele.

Geendet hat Cornelissen seine Vortragsreihe mit der Entwicklung des Platt zur Zeit der Preußen. Durch seine lockere und charmante Art sowie seine Leidenschaft für das Thema hat der 65-jährige Winnekendonker es geschafft, das Publikum zu fesseln.

Der selbsternannte „Von Hölzchen auf Stöckchen-Spezialist“ wusste, wie er das Publikum für sich gewinnen konnte und neben Wissen auch Spaß vermittelte. Der Andrang und das Interesse waren groß. Stellenweise wurde aus dem Vortrag eine Diskussions- und Fragerunde.

Der Vortrag vermittelte viel spannendes Wissen und zeigte auf, weshalb das Platt so bedeutend für den Niederrhein und seine Geschichte ist.

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