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Die neue Lebensperspektive: "Zuhause ist, wo es uns gefällt"

Pedeln zwischen Oberhausen und Kevelaer : „Zuhause ist da, wo es uns gefällt“

Vera und Claus Niederau pendeln zwischen Oberhausen und Kevelaer. Zu Fuß und mit dem Rad erkunden sie den Niederrhein. Die Künstlerin und der Mediziner fühlen sich an beiden Orten wohl.

Zum Aquarellmalen benötigt Vera Niederau nicht viel Platz. Eine Fensternische am Schreibtisch mit Blick in den Garten, eine Auswahl an Pinsel und Farben, und schon entstehen ihre Aquarellbilder. „Wenn ich etwas zu Papier bringe, ist es für mich wie ein Spiel aus Wasser und Farben. Habe ich den Pinsel einmal angesetzt, kann ich ja nicht mehr viel korrigieren“, sagt die Künstlerin, die neben dem Atelier in Oberhausen nun auch Kevelaer als Lebens- und Schaffensort auserkoren hat.

Die niederrheinische Landschaft und Wallfahrtsstadt biete ihr eine solches Füllhorn von Motiven, beschreibt die gebürtige Pfälzerin. Himmel, Licht, Landschaft, Details in der Stadt und auf dem Dorf, die überwiegend gegenständlichen Bilder erzählen ganz eigene Geschichten von heiterer Gelassenheit und träumerischer Lebensbejahung. Inspiriert vom Niederrhein hatte die Künstlerin im vergangenen Jahr erstmals einen Kalender mit Bildern aus Kevelaer herausgegeben. Einen solchen wird es auch für 2022 geben, mit lokalen Darstellungen auf den Monatsblättern, beispielsweise Gnadenkapelle, Kapellenplatz, Gradierwerk, Arche-Noah-Brunnen, Geschäfte und Fassaden. In Oberhausen engagiert sich Vera Niederau seit vielen Jahren ehrenamtlich mit einem Adventskalender für den Lions-Club. In der Südpfalz und im Elsass beteiligt sie sich mit ihren Aquarellen an der Wanderausstellung „Landlust“ bis April 2022.

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Das Ehepaar Vera und Claus Niederau entschied sich nach langem Sondieren für einen Rückzug ins Private in der Wallfahrtsstadt Kevelaer, gestaltete ein denkmalgeschütztes Stadthaus für die individuellen Ansprüche. „Hier ist es so schön, und wir müssen nicht einmal ins Auto steigen, um beispielsweise irgendwo essen zu gehen“, sagt Claus Niederau. Nach jedem Frühstück überlege sich das Paar eine neue Strecke, die sie zu Fuß oder mit dem Rad erkunden wollen. „Ich habe hier mal die schönsten Spazierwege in einer Kladde beschrieben und bewertet, für den Fall, dass unsere Freunde uns mal besuchen wollen“, erzählt die 62-Jährige.

„Zuhause ist da, wo es uns gefällt“, begründen Vera und Claus Niederau der Hin- und Herpendeln zwischen Oberhausen und Kevelaer und wollen sich im Moment nicht so recht den Begriff „Zuhause“ lokalisieren. Dem renommierten Mediziner, Professor auf Lebenszeit an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und Chefarzt an einem großen Oberhausener Krankenhaus, sei es nicht schwergefallen, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Bei seiner Schilderung, worin der 67-Jährige Experte für Leber- und seltene Erkrankungen sich immer noch engagiert, scheint allein der Tagesablauf ausgefüllt. Er ist Vorstandsvorsitzender des ambulanten Hospizvereins mit 250 Ehrenamtlichen in Oberhausen sowie der Vorsitzende der Leberstiftung, gehört dem Aktions-Ausschuss des Lionsclubs Oberhausen an. „Literatur, Kunst und Küche“, stellt Claus Niederau nun in den Fokus.

Wobei das Kochen schon immer seine besondere Leidenschaft war. „Die Küche, das ist seine Domäne. Das geht bei ihm weit bis in die Molekularküche“, beschreibt die Ehefrau, dass er für kulinarische Genüsse aus der Küche im Freundeskreis bekannt ist. Weiterhin schreibe er wissenschaftliche Texte in seinem medizinischen Spezialgebiet. Claus Niederau bekennt sich als Beuys-Fan, der einmal die Maxime verkündete: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Mit Vera Niederau als Malerin seien die schönen Künste in der Familie stets präsent gewesen, bekennt Claus Niederau. Selbst die Corona-Phase hat das Ehepaar produktiv genutzt, indem es jeweils sehenswerte Internet-Präsenzen auffrischte.