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Die Mehrheit des Rates Kevelaer ist gegen weitere Flüchtlingsaufnahme.

Ratsdebatte in Kevelaer : Zusätzliche Aufnahme junger Flüchtlinge abgelehnt

Noch vor der Beratung über unbegleitete jugendliche Flüchtlinge im Kevelaerer Rat richtete Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorsitzende der Aktion pro Humanität, sich an das Gremium. Die Ärztin schilderte die katastrophalen Zuständen im Flüchtlingslager auf Lesbos, speziell die Notlage der Kinder.

Sie formulierte die Frage in die Runde, ob die Umstände in Moria bekannt seien und ob die politische Gefolgsamkeit höher stehe als die Mitmenschlichkeit.

Die Ratsmitglieder berieten darüber, ob in der Wallfahrtsstadt über eine mögliche Aufnahmeverpflichtung hinaus bis zu zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) freiwillig aufgenommen werden. Bürgermeister Dominik Pichler erläuterte, dass das Jugendamt die Anzahl von maximal zehn Jugendliche als machbar angesehen hatte. Den Kostenfaktor bezifferte er mit rund 50.000 Euro pro Person pro Jahr. Im Schnitt dauere ein Asylverfahren etwa ein Jahr, so dass 500.000 Euro bei maximal zehn UMF wahrscheinlich wären. Für die CDU erklärte Paul Schaffers, dass seine Fraktion den „Sicheren Hafen“ Kevelaer mitgetragen habe, der nächste Schritt nicht mehr mitgetragen werden könne. Man habe Mitgefühl für die Menschen in den Flüchtlingslagern. Er verwies auf die Verantwortlichkeit der Bundespolitik. „Wir können Signale setzen, können uns nicht Sachen rüberholen, wofür wir nicht zuständig sind, und nicht vorpreschen, weil die Dinge europaweit abgestimmt werden müssen.“ Ulrich Hünerbein-Ahlers von den Grünen fand, dass Humanität eine Einstellung sei, „die man hat oder nicht“. Sie stimmten für die Aufnahme. Günther Krüger (KBV) sprach von einer schwierigen Entscheidung. Auch die KBV-Ratsmitglieder verwiesen wie die CDU auf den Handlungsbedarf auf Bundesebene. Für die Sozialdemokraten erklärte Horst Blumenkemper, dass die Zustimmung, UMF aufzunehmen, gar keine Diskussionsfrage innerhalb seiner Fraktion sei. Ja, sie dürften kommen, die Jugendlichen. Karin Raimondi (SPD) appellierte an den Rat: „Wir reden von Kindern. Jeder nimmt einen kleinen Teil – am Ende kommt was Großes raus.“ Dieses „Kleine“, die einmalige Aufnahme von bis zu zehn UMF, wird es in Kevelaer nicht geben. Die Mehrheit durch CDU- und KBV-Ratsmitglieder lehnte die Beschlussempfehlung ab.