Radeln und schauen Kunst, Kultur und Natur erfahren

Kevelaer · Die siebte Auflage der Landpartie Niederrhein startete mit vielen hundert Radlern, die in und rund um Kevelaer von einem Kunstort zum anderen fuhren. Besonderes Kennzeichen der Veranstaltung ist die Vielfalt der Aussteller.

 Unter anderem Kunstgewerbliches ist auf dem Naturhof Wetten zu betrachten. Die Landpartie besticht durch die Vielfalt der Exponate.

Unter anderem Kunstgewerbliches ist auf dem Naturhof Wetten zu betrachten. Die Landpartie besticht durch die Vielfalt der Exponate.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Mit dem Rad fahren, kreative Menschen treffen, Kunst erleben, entspannt etwas Leckeres essen, gute Gespräche führen – all dies bietet die Landpartie Niederrhein als Gesamtpaket. Ihre siebte Auflage mit mehr als 200 Kunstschaffenden, die an 24 Orten rund um Kevelaer an drei aufeinander folgenden Wochenenden ihre Werke präsentieren, startete am Samstag bei schönstem Sommerwetter. Viele hundert Teilnehmer besuchten per Rad – manche auch mit dem Auto – die Häuser, Gärten, Ateliers und Werkstätten, von denen jeder einzelne Ort seine ganz individuelle Prägung zeigte.

Wie beliebt die Landpartie ist, war gleich bei Öffnung bei Raphaele und Peter Feldbrügge in ihrem „Atelier der EIGENen ART“ in Schravelen zu bemerken. Dort fanden sich gleich zwölf Gäste auf einmal ein, einige davon Stammgäste. So auch Margret Merz aus Kervenheim. „Ich finde das Konzept ganz wunderbar. So hat man mit dem Fahrrad Ziele, die Ausstellungen sind alle interessant und geben immer wieder neuen Input“, sagte sie. In dem langgezogenen Reihenhausgarten der Feldbrügges zeigte die Gastgeberin ihre Fotografien, zum Beispiel Makro-Aufnahmen von Blüten, berührende Detailstudien von Hortensien oder eine Serie von Kevelaer-Ansichten, in besonderer Weise farbig verfremdet unter dem Titel „Blick-Bunt“.

Drei Künstler stellten außerdem bei ihr aus, unter ihnen Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn mit ihren kunstvoll gestalteten Fliesen und Pflastersteinen aus gebranntem Ton. Farbig oder schwarz ziert jeden Stein ein Linolschnitt-Motiv: Strukturen aus der Natur, immer neue Ornamente, inspiriert auch von Versteinerungen der Karbonzeit. Auf einigen finden sich Fantasie-Wesen, Kelbassa nennt sie „biomorphe Botanik-Fantasien“. Man kann Wege damit pflastern, Beete umsäumen oder sie einfach als Schmuckfliese einsetzen.

 Viele Besucher der Landpartie waren auf Fahrrädern unterwegs, wie hier auf dem Rouenhof.

Viele Besucher der Landpartie waren auf Fahrrädern unterwegs, wie hier auf dem Rouenhof.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die Gastgeberin ist zusammen mit Anne van Rennings Gründerin und Ideengeberin der Landpartie. „Wichtig war und ist uns die Vielfalt, mit der wir möglichst alle erreichen“, so Feldbrügge. Viele der Ausstellungsorte sind eng mit der Natur verbunden. Höfe, Gärten, die Burg Kervenheim oder der Solegarten St. Jakob, überall finden sich Kunst, Kunsthandwerkliches oder alte Kulturtechniken draußen in der Natur.

Zum ersten Mal dabei ist der Naturhof Kevelaer zwischen Winnekendonk und Wetten. Schäferin Dunja Berendsen zog vor einem Jahr mit ihrer Familie in den Bauernhof am Altwettener Weg. Der Kälberstall wurde zum Hofladen umgebaut, im Angebot ist vieles aus Schafswolle und Produkte von anderen regionalen Herstellern. Berendsen hat 19 Künstler gefunden, die sich verteilt auf die drei Landpartie-Wochenenden bei ihr präsentieren. Mit dabei Vivien Loh mit großen Keramiken, die unlasiert einen erdigen Charakter ausstrahlen. Die Formen nennt Loh selbst „brachial“, was sie anstrebe sei Harmonie anstelle von Perfektion, eine natürliche, einladende Haptik statt Künstlichkeit.

Ebenfalls auf dem Gelände des Naturhofs stand Susanne Bracht aus Altenkirchen mit Acryl-Bildern. Die Verwaltungswirtin hat neben ihrem Beruf ein Studium an der Kunstakademie absolviert und erfüllt sich mit dem Malen einen Traum. Für die Landpartie zeigt sie Bauernhof-Motive, Tierporträts, Hof-Szenen. Die Gäste genossen die Atmosphäre von Entschleunigung und Anregung durch die Kunstschaffenden. „Uns sind nicht die Kilometer wichtig, die wir zurücklegen, sondern der Aufenthalt an den Stationen“, so Detlef und Claudia Nowak aus Alpen.

Ein bewusster Begegnungsort ist der Innenhof des Quartiers Klostergarten. Neben einer Vielzahl weiterer Künstler zeigte Bettina Schröter-Glittenberg dort eigene Werke in Acryl, aber auch jene der Teilnehmer eines ihrer Malkurse im Klostergarten. „Malen ist für mich Entspannung und Lebensqualität. Ich möchte Menschen fröhlich machen“, sagte sie. In ihren farbenfrohen Bildern steckt stets ein humorvolles Detail.

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