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Die Innenstadt von Kevelaer ist in Coronazeiten menschenleer

Kevelaer im Kontaktverbot : Die große Stille in der Stadt

Das Kontaktverbot sorgt für eine menschenleere Marienstadt. Der Bürgermeister glaubt, dass weitere Verschärfungen problematisch werden könnten.

Die Kerzen sind der Indikator. An der Zahl der Lichter am Kapellenplatz ist in der Wallfahrtszeit deutlich abzulesen, wie gut der Zuspruch in der Marienstadt ist. Und üblicherweise sind die schmiedeeisernen Ständer an der Kerzenkapelle auch außerhalb der Wallfahrtszeit ein Lichtermeer. Wer Kevelaer besucht, zündet eine Kerze an, geht kurz in sich. Das gehört auch für viele Einheimische als festes Ritual bei einem Besuch in der City dazu.

Am Kapellenplatz brennen nur wenige Kerzen. Foto: Latzel

Doch jetzt brennt hier kaum eine Kerze. Fast alle Ständer sind leer. Wo sonst auch in der Woche zumindest einige Spaziergänger unterwegs sind, herrscht die große Leere. Ein älteres Paar ist mit dem Fahrrad gekommen und hält vor dem Gnadenbild kurz an. Das kleine Bild der Gottesmutter Maria, der Consolatrix Afflictorum (Trösterin der Betrübten), ist bereits vor dem Start der Wallfahrtssaison zu sehen, um ein Zeichen zu setzen, dass Kirche sich öffnet wenn vieles andere schließt. Gemeinsam betet das Paar ein „Gegrüßet seist du Maria“.

Wenige Meter dahinter arbeiten zwei Handwerker an der Fassade des Priesterhauses. Zu hören ist davon nichts. Überhaupt ist es diese große Stille, die sich als Eindruck festsetzt. Keine Stille der Entspannung, eine Stille der Anspannung, der Ruhe vor der Sturm. Das Kontaktverbot hinterlässt auch in der Marienstadt Spuren.

Die Straßen in Kevelaer sind menschenleer. Foto: Latzel

Glücklicherweise, wie Bürgermeister Dominik Pichler findet. Die Leute scheinen den Ernst der Lage erkannt zu haben und sich an die Auflagen zu halten. Das Land habe deutlich gemacht, man werde die Bestimmungen „energisch und konsequent“ umsetzen. Solche Klarstellungen seien wichtig.

Die Skulptur von Hendrik Busmann ist fast alleine in der Stadt. Foto: Latzel

Das Ordnungsamt ist mit drei Mitarbeitern unterwegs, auch bei diesen Kontrollgängen habe man bislang keine größeren Verstöße festgestellt, so Ordnungsamtschef Ludger Holla. Bei Vergehen hat das Land empfindliche Strafen angekündigt, was die Verantwortlichen vor Ort etwas bedauern. Sie hätten sich etwas mehr Spielraum gewünscht. Üblicherweise habe man als Kommune die Möglichkeit, zur Abschreckung ein Verwarngeld von 20 Euro zu verhängen. Das habe man beispielsweise vor längerer Zeit getan, um das Sonntagsöffnungsverbot durchzusetzen. In der momentanen Situation gibt es diesen Spielraum nicht mehr. Die Stadt müsste direkt 200 Euro Bußgeld verhängen, weil es um einen Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz geht.

Geschäfte und Cafés sind geschlossen. Foto: Latzel

Diese Strafe wäre beispielsweise für die fünf Jugendlichen fällig, die in der Bahnstraße zusammenstehen und auf ihr Handy schauen. Das Kontaktverbot erlaubt nur zwei Personen.

Eine Ausnahme freilich beim Gang durch die Stadt, die bis auf ein paar einzelne Passanten menschenleer ist. „Geschlossen“ steht auf Schildern an den Geschäften, einige bieten einen Lieferservice an, „Hoffentlich sehen wir uns gesund wieder“ steht auf dem Schild an der Tür eines Eiscafés. Ein Laden hat die Osterartikel bereits um 40 Prozent reduziert. Drei Wochen vor Ostern. Ein Kunde ist trotzdem weit und breit nicht zu sehen.

Wie lange Kevelaer in dieser Stille verharrt, weiß keiner. Aber der Bürgermeister ist sicher, dass man bei den Einschränkungen ins Privatleben jetzt am „Peak“ angekommen ist, wie er es ausdrückt. Weitere Verschärfungen seien kaum noch möglich. Wichtig sei auch, dass die Maßnahmen in absehbarer Zeit wieder zu lockern. Auf Dauer sei das nicht durchzuhalten.

Trotz aller Krise gibt es Dinge, die Hoffnung machen. Es gebe viele Anrufe von Bürgern, die sich bei der Stadt melden und helfen wollen, berichtet Holla. Es gebe viele Hilfsangebote. Es tue gut, zu sehen, dass die Leute wieder mehr an andere denken. „Kevelaer wächst zusammen“, sagt der Bürgermeister und meint das natürlich nur symbolisch. Denn Nähe ist in diesen Zeiten eher ein Problem.