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Der scheidende Schuldezernent Marc Buchholz aus Kevelaer im Interview

Politik in Kevelaer : „Für Schule geben wir das letzte Hemd“

Der Beigeordnete über Kevelaer und warum es wehtut, wenn Eltern ihre Kinder lieber nach Geldern schicken.

Nach 13 Jahren verlässt Sozialdezernent Marc Buchholz Kevelaer. Er wird am 1. April Beigeordneter in Mülheim. Er gehe schweren Herzens, freue sich aber auf seine neue Aufgabe.

Sind Sie gedanklich schon in Mülheim?

MARC BUCHHOLZ Es ist tatsächlich so, dass ich momentan etwas hin- und hergerissen bin. Ich versuche die Kontakte nach Mülheim zu intensivieren, damit es da für mich kein Kaltstart wird. Aber gleichzeitig gibt es noch eine Reihe von Projekten in Kevelaer, die man vernünftig übergeben will.

Welche beispielsweise?

BUCHHOLZ Etwa die Planungen zum Skaterpark oder zum neuen Mehrzweckbecken am Hallenbad. Ich bin dabei, diese Dinge an Ludger Holla, Werner Barz und Ralf Püplichuisen zu übergeben. Und da ist mir eine enge Abstimmung wichtig. Ich will ihnen nicht einfach nur die Akten die Hand drücken, sondern erläutern welche Strategie dahinter steht, welche Gedanken wir uns da gemacht haben. Mich hat es hier gefreut, dass Staatssekretär Matthias Richter vor kurzem beim Besuch in Kevelaer gesagt hat, dass Kevelaer bei der Schule einen Plan zu haben scheint. Und diesen Plan wird die Stadt auch weiterhin haben.

Es gibt ja keine Eins-zu-Eins-Nachbesetzung ihres Postens, sondern eine Neuregelung mit Fachbereichsleitern, ist das die richtige Strategie?

BUCHHOLZ Das ist eine Entscheidung des Bürgermeisters, die er in Abstimmung mit den Fraktionen getroffen hat. Eine Bewertung steht mir da nicht zu.

Aber die Stellen sollen ja intern ausgeschrieben werden.

BUCHHOLZ Ich weiß, dass wir hier fähige Leute im Haus haben, die weitergehende Aufgaben übernehmen können. Alle haben mir gut zugearbeitet, sind im Thema drin. Was an erfolgreichen Dingen in den 13 Jahren passiert ist, ist nur gemeinsam mit den Abteilungsleitern möglich gewesen. Sie haben die Hintergründe und Zusammenhänge entsprechend aufgearbeitet.

Was nehmen Sie von Kevelaer mit nach Mülheim?

BUCHHOLZ Hier in Kevelaer haben wir eine kleine Verwaltung mit kurzen Wegen, das macht auch das Klima aus. Ich habe dadurch auch viel vom operativen Geschäft mitbekommen. Ich denke, dass mir das auch bei meiner neuen Aufgabe in Mülheim helfen wird.

Wenn Sie zurückblicken, wo haben Sie besondere Akzente gesetzt?

BUCHHOLZ Richtig Spaß hat mir die Arbeit mit Schulthemen gemacht. Hier hat mich vor allem gefreut, dass Verwaltung, Schule und Politik viele Dinge gemeinsam auf den Weg gebracht und an einem Strang gezogen haben. Das hat schon mit der Einführung der Offenen Ganztagsschule an den Grundschulen 2006 gut begonnen. Da haben auch Schulleitungen, Eltern und Träger zusammen gearbeitet. Die Politik hat gesagt: Für die Schulen geben wir unser letztes Hemd. Daran haben sich alle gehalten.

In Kevelaer gibt es bald nur noch ein Gymnasium und eine Gesamtschule.

BUCHHOLZ Für eine Stadt wie Kevelaer finde ich das ideal. Wenn  man Eltern fragt, was sie sich wünschen, sagen 90 Prozent „den bestmöglichen Abschluss für mein Kind“. Und das ist mit Gymnasium und Gesamtschule möglich. Wenn mehr Kinder Abitur machen, ist das auch für eine Stadt von Vorteil.

Wenn Ihnen Schule so am Herzen liegt, tut es dann nicht weh, zu hören, dass Eltern aus Wetten ihre Kinder lieber nach Geldern schicken wollen?

BUCHHOLZ Ich bin tatsächlich traurig, wenn sich Eltern nicht für ihre Stadt entscheiden. In der Umgebung gibt es keine vergleichbar attraktive Schullandschaft mit so vielen Angeboten wie bei uns in Kevelaer mit Mensa, Mittagstreff, Sporteinrichtungen, Hallenbad und bald einem Skaterpark.

Was hätten Sie denn aus heutiger Sicht anders gemacht?

BUCHHOLZ Als es die Überlegungen gab, am Rathaus anzubauen, um dort das Jugendamt unterzubringen, hätte man das weiter verfolgen sollen. Statt dessen sind wir an den Hoogeweg gezogen, wir hätten aber besser in der Stadt bleiben sollen.  Aber im Nachgang gibt es ja jetzt die Lösung mit der Virgina-Satir-Schule, das wiegt das wieder auf.

Was bleibt von Kevelaer hängen?

BUCHHOLZ Es war eine tolle Zeit, die Spaß gemacht hat, ich werde auf jeden Fall den Kontakt halten. Eine Besonderheit, die ich schätzen gelernt habe, ist der Bäderverein. Das Freibad ist eine Erfolgsgeschichte. Auch im Rat habe ich viele Politiker erlebt, die sich mit Herzblut und viel Enthusiasmus für ihre Stadt einsetzen.