Weeze: Der Niersverband braucht mehr Geld

Weeze: Der Niersverband braucht mehr Geld

Die Schere zwischen Beitragseinnahmen und Kosten geht immer weiter auseinander. Daher werden die Bürger für Abwasser tiefer in die Tasche greifen müssen. Im Raum steht eine Erhöhung im kommenden Jahr um rund 40 Prozent.

Das Bild, das Dietmar Schitthelm am Ende seiner Präsentation zeigte, sagte eigentlich alles. Dort war ein völlig zerstörter Turboverdichter zu sehen. Schaden: eine Million Euro. Bester Beweis für den Sanierungsbedarf in Anlagen des Niersverbandes. Kein Einzelfall: In vielen Bereichen herrscht ein Sanierungsstau. Es muss dringend etwas passieren, und dafür ist Geld nötig. Eben das hat der Niersverband aktuell nicht. Denn über Jahre hat der Verband mehr Kosten gehabt, als an Beiträgen hereingekommen ist. Satte 19,3 Millionen Euro beträgt die Differenz im Ansatz für das Jahr 2017. Die Rücklagen sind zusammengeschmolzen. Ganz klar, zusätzliches Geld ist nötig.

Diese Situation hatte Schitthelm, Vorstand des Niersverbandes, der Verbandsversammlung bereits geschildert. Jetzt erläutert der Chef des Niersverbandes auch den betroffenen Kommunen vor Ort nach und nach wie ernst die Lage ist.

Weeze war die erste Gemeinde, in der er bei einer Präsentation mit Zahlen und Grafiken deutlich machte, dass es ohne Beitragserhöhungen kaum gehen wird. Drei verschiedene Varianten stehen im Raum. Einmal würde es im kommenden Jahr eine saftige Erhöhung um rund 40 Prozent geben. Danach wäre die Situation dann wieder einigermaßen im Griff. Auch die Rücklagen würden sich stabilisieren. Die zwei anderen Varianten sehen jeweils kleinere Steigerungen über mehrere Jahre vor. Das würde eine Streckung bedeuten, gleichzeitig aber auch dazu führen, dass die Rücklagensituation noch einige Jahre angespannt wäre.

Die Erhöhung um 40 Prozent würde für einen Vier-Personen-Haushalt Mehrkosten zwischen 50 und 60 Euro im Jahr ausmachen. Den Spitzen der Kommunen stellte Schitthelm die Modelle bereits vor. Im Kreis Kleve sei der überwiegende Tenor gewesen, die 40-Prozent-Lösung zu wählen. Das sei die wirtschaftlichste Lösung.

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Schitthelm machte in der Sitzung deutlich, dass eine Sanierung dringend nötig sein. In manchen Anlagen gebe es die Gefahr eines Totalausfalls. In der Kläranlage Wachtendonk etwa hatte es im April 2016 gebrannt, sechs Stunden stand das Klärwerk still.

Um Kosten zu sparen, sollen Klärwerke zusammengelegt werden. So ist angedacht, die Anlagen Wachtendonk, Herongen und Straelen aufzulösen. Das Abwasser würde dann in Grefrath gereinigt. Die Bürger würden davon nichts merken. Für die ändere sich nichts. Es gebe nur zeitweise eine Baustelle. An den Klärwerken würde dann eine Pumpstation eingerichtet, die das Abwasser nach Grefrath pumpt.

Nach Weeze will Schitthelm auf Anfrage weitere Kommunen besuchen. Bürgermeister Ulrich Francken lobte ausdrücklich die Arbeit des Niersverbandes. "Er nutzt auch die Möglichkeiten, um Energie und Kosten zu sparen", sagt Francken. So sei etwa am Klärwerk Weeze ein Windrad geplant gewesen. Wegen des Konzeptes für Weeze sei das aber nicht umzusetzen gewesen. Um den Verband schnell wieder auf sichere finanzielle Füße zu stellen, wird Francken den Politikern empfehlen, die 40-Prozent-Variante zu wählen.

Die Entscheidung fällt aber nicht in den Räten der Städte und Gemeinden, sondern in der Verbandsversammlung. Vor den Sommerferien soll die Marschrichtung stehen. Der Beschluss soll im Dezember gefasst werden. Die Beitragserhöhung steht für 2019 an.

(zel)
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