Weeze: Der gute Geist vom Airport

Weeze : Der gute Geist vom Airport

Hal Palmer kennt alle Plätze und Storys rund um den Airport Weeze, vom Ex-Atombombenlager bis zum Gespenst „Herman the German“. Morgen wird der Leiter des Technischen Dienstes 60 Jahre alt.

Es gibt einen Bunker auf dem Gelände des Airports Weeze, in dem Dinge passiert sind, die sich Hal Palmer nicht erklären kann. Neun baugleiche Hangars – HAS – genannt stehen dort. Aber die Nummer 28, die hat es in sich. Wenn Hal Palmer, Leiter des Technischen Dienstes des Airports Weeze, diese Geschichte erzählt, dann blitzen seine Augen. In seiner Stimme schwingt etwas mit, das zwischen Belustigung und Grusel anzusiedeln ist. So hört es sich an, als Hal Palmer über „Herman the German“ spricht. Über den Flughafen-Geist, der in HAS 28 leben – oder besser – spuken soll.

Seit 30 Jahren arbeitet Hal Palmer auf dem Airport Weeze. Er kennt alles und jeden. Und eben die Geschichten von „Herman the German“.

Eisiger Luftzug im Bunker

Vielleicht kennt er den Geist sogar persönlich, sagt Palmer und grinst dabei verschmitzt. In einer dunklen Nebelnacht zu RAF-Zeiten sei in dem mysteriösen Bunker die Heizung ausgefallen. Also musste ein Elektriker her. Hal Palmer marschierte zur Halle und staunte: Die Heizung lief nicht, das Licht funktionierte aber. Irgendwann sprang die Heizung wie von Geisterhand wieder an. Gleichzeitig flog eine 20 Zentimeter dicke Stahltüre zu, obwohl es nicht windig war. Und Hal Palmer spürte mit seinem Kollegen, dass ein eisiger Luftzug an ihnen vorüberglitt. War das Herman, der Geist eines deutschen Soldaten, der in dickem Mantel und mit Stahlhelm auf dem Gelände des Flughafens nach seiner letzten Ruhe sucht?

Hal Palmer ist kein komischer Kauz der an Gespenster glaubt. Er hat aber Spaß daran, die Legende zu erzählen. Und es macht Spaß, ihm dabei zuzuhören, wenn er mit britisch-niederländischem Akzent spricht. Palmer ist das Urgestein des Airports. Er kennt jeden Bunker, jedes Gebäude. Als junger Mann besichtigte er Zelle 1 im Gefängnis gar unfreiwillig über Nacht: Damals war er den Briten, die ihn eigentlich kannten, aufgefallen, als er über das Gelände lief. Palmer passte nicht zu dem Palmer, den sie verzeichnet hatten: zu jung. Dass es sich bei dem anderen Palmer um seinen Vater handelte, wollten die Männer nicht glauben. Also sperrten sie Hal Palmer, der seinen Ausweis nicht dabei hatte, in Zelle 1 und ließen ihn dort ein paar Stunden sitzen, bis das Missverständnis geklärt war. „Das konnte passieren“, sagt der Technikexperte des Airports verschmitzt lachend. „Die sprangen auch mal aus den Büschen zur Kontrolle.“ Er kennt auch jene Ecken des Airports, für früher streng geheim waren: Nördlich der Start- und Landebahn lagerten zu RAF-Zeiten Atombomben. Innerhalb von fünf Minuten hätten Flugzeuge mit dem Nuklear-Material in der Luft sein können.

Die Werkstatt

In Palmers Werkstatt liegen neue Lampen für die Startbahn, fällt nachts der Strom aus, ist Palmer mit seinem Team zur Stelle. Als guter Geist des Airports läuft er „Herman the German“ den Rang ab.

(RP)
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