Der Frust der lokalen Reisebüros zur Thomas-Cook-Pleite

Wirtschaft vor Ort : Der Frust der lokalen Reisebüros zur Thomas-Cook-Pleite

Sandra Jacobs vom Kevelaerer Reisebüro hat ihrem Frust Luft gemacht und dafür viel Zuspruch bekommen.

Der Frust sitzt tief. „Es ist eine Situation, die so noch nicht da war“, sagt Sandra Jacobs vom Kevelaerer Reisebüro. Die Thomas-Cook-Pleite hat die Reisebranche kalt erwischt. Ausbaden müssen es vor allem die Dienstleister vor Ort. „Wir Touristiker sind es, die seit Sonntag kaum noch ein Auge zu tun, weil wir seit Montagmorgen acht Uhr in unseren Büros sitzen“, schreibt Jacobs in der vergangenen Woche in einem offenen Brief an die Kanzlerin Angela Merkel und die Mitglieder des Deutschen Bundestages. Denn es war nicht nur die Thomas-Cook-Pleite an sich, die für Aufregung sorgte. Unverständnis äußert Sandra Jacobs über den abgelehnten Antrag, bei dem es um das Heraufsetzen der Leistungen der Insolvenz-Versicherungen für Pauschalreisen ging. Nach der Ablehnung habe sie sich erst einmal hingesetzt und sich den Frust von der Seele geschrieben, sagt die Touristik-Fachfrau.

Sie schreibt von den „verständnislosen, traurigen Familien, die sich ihren ersten Urlaub seit fünf Jahren vom Mund abgespart haben“ und denen sie erklären muss, „dass nicht nur der Urlaub nicht stattfindet, sondern auch das teuer und schwer verdiente Geld einfach weg ist“. 19 Buchungen gab es in ihrem Kevelaerer Reisebüro, die von der Thomas-Cook-Pleite betroffen waren, darunter eine Gruppe von zehn Personen, die sich auf einen Urlaub auf Mallorca gefreut hatten. Insgesamt waren 55 Personen betroffen, das tatsächliche Auftragsvolumen lag bei 55.000 Euro. „Von den meisten Buchungen haben wir keine Provision bekommen, die Leute können die Reise nicht antreten und müssen auf das Geld warten“, beschreibt Sandra Jacobs die Ist-Situation. Wer schon gebucht und bezahlt hat, kann die Kosten bei der Versicherung einreichen. Sandra Jacobs und ihre Kollegen helfen dabei, die Anträge auszufüllen. „Wichtig ist, dass Vertrauen wieder zurückkommt“, sagt die Kevelaererin. Der Vorteil eines Reisebüros zur Online-Buchung sei: „Bei einer Krise sind wir dann auch wirklich da“.

Nicht immer könnten die Kunden aber unterscheiden zwischen dem Verursacher der Krise und den Ansprechpartnern vor Ort.

Oft haben die Reisebüros den Frust der Urlauber zu spüren bekommen. „Wer viel reist, hat das verstanden, dass wir als Reisebüro da nichts für können. Aber eine Familie, die sich nur alle fünf Jahre einen Urlaub leisten kann, alles bezahlt hat und nichts dafür bekommt, das tut mir auch selbst in der Seele weh“, sagt Sandra Jacobs. Sie erklärt es den Kunden dann wie mit einer Ware, die schon bezahlt ist, aber am Ende doch nicht geliefert wird, weil der Hersteller pleite ist. Mehr als bitter ist es für die Kunden und die Reisebüros. „Ich war in der letzten Woche gefühlt 80 Stunden im Büro“, blickt Jacobs zurück.

„Dabei ist mein Job eigentlich der schönste der Welt, denn normalerweise bereite ich den Leuten die schönsten Tage des Jahres. Dumm nur, dass es seit vergangenem Montag die schlimmsten Tage des Jahres sind“, schreibt sie. Abgeschickt hat sie den Brief an die Kanzlerin noch nicht. Reaktionen auf Facebook gab es allerdings schon viele. „Es wäre schön, wenn auch Reaktionen von Politikern darunter wären“, lautet ihr Wunsch.

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